Kanton Solothurn
Wer darf sich impfen lassen, und wo? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Impfstart

Ab Montag können sich die ersten Personen im Kanton Solothurn gegen das Covid-19 impfen lassen. Noch gibt es in der Bevölkerung viele Fragen zum Impfstart.

Rebekka Balzarini
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Im Kanton Solothurn ist am 4. Januar Impfstart gegen das Coronavirus. (Symbolbild)

Im Kanton Solothurn ist am 4. Januar Impfstart gegen das Coronavirus. (Symbolbild)

KEYSTONE/DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Lange hat man weltweit an Impfstoffen geforscht, nun werden auch im Kanton Solothurn nächste Woche die ersten Impfungen verabreicht. Noch sind bei der Bevölkerung viele Fragen offen. Das zeigt ein Blick auf die Facebook-Seite des Kantons. Viele Userinnen und User melden sich unter dem jüngsten Post der Verwaltung zu Wort. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wer kann sich gegen Covid-19 impfen lassen?

Vorerst werden alle Personen geimpft, bei denen das Risiko, dass es bei einer Ansteckung zu einem schweren Krankheitsverlauf kommt, am grössten ist. So sollen Todesfälle verhindert und die Spitäler entlastet werden. Im Zentrum stehen Bewohnerinnen und Bewohner der Alters- und Pflegeheime und allgemein Personen über 75 Jahren.

Auch Personen, die jünger sind als 75, dürfen sich impfen lassen – wenn sie zu den Hochrisikopatientinnen und -patienten gehören. Um dies zu belegen, muss vor der Impfung eine Bestätigung des behandelnden Arztes vorgelegt werden. Das entsprechende Formular steht Ärztinnen und Ärzten auf der Webseite des Kantons zur Verfügung.

Wieso kann sich vorerst nur eine bestimmte Gruppe impfen lassen?

Das liegt daran, dass dem Kanton nur eine gewisse Anzahl an Impfdosen zur Verfügung steht. Die Impfdosen werden anhand eines Verteilschlüssels vom Bund an die Kantone verteilt. Weil Todesfälle verhindert und Spitäler schnell entlastet werden sollen, werden zuerst diejenigen geimpft, die besonders gefährdet sind. Wann weitere Personen geimpft werden können, hängt davon ab, wie viele Impfdosen in den nächsten Wochen und Monaten geliefert werden.

Wieso gibt es nur ein Impfzentrum im ganzen Kanton?

In rund einem Monat werden auch Impfzentren in Olten und Breitenbach eröffnet. Momentan lohnt sich der Betrieb von drei verschiedenen Impfzentren nicht, weil nur eine beschränkte Anzahl an Impfdosen zur Verfügung steht. Die Impfdosen werden vom Bund an die Kantone verteilt. Der Bund bestimmt, wie viele Dosen ein Kanton erhält. Vorerst können im Kanton 50 Personen pro Tag geimpft werden, diese Zahl wird in den nächsten Wochen steigen.

Wie kann man sich für eine Impfung anmelden?

Wer sich in dieser ersten Phase impfen lassen darf, muss sich vorher telefonisch über die Infoline des Kantons (032 627 74 11) anmelden. Die Infoline ist täglich von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet, das Impfzentrum von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

Ab einem späteren Zeitpunkt soll auch eine Onlineanmeldung möglich sein, ein Datum dafür hat die Verwaltung noch nicht bekannt gegeben. Für einen wirksamen Schutz sind zwei Impfungen in den Oberarm nötig. Die zweite Impfung wird drei Wochen nach der ersten verabreicht. Zum Impftermin muss man einen amtlichen Ausweis mitbringen. Die Impfung ist gratis.

Können nach einer Impfung Nebenwirkungen auftreten?

Mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle. Ebenfalls möglich sind Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gliederschmerzen. Diese Nebenwirkungen können bis zu drei Tage lang anhalten und sind ein Zeichen dafür, dass das körpereigene Abwehrsystem auf die Impfung reagiert.

Schütz die Impfung davor, sich mit Covid-19 zu infizieren?

In der Schweiz ist bisher der Impfstoff Comirnaty zugelassen. Dieser wurde vom deutschen Unternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer entwickelt. Auswertungen der Daten der Unternehmen von Swissmedic zeigen, dass der Impfstoff in 90 Prozent der Fälle vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützt. Wenn sich geimpfte Personen trotzdem anstecken, dann ist der Krankheitsverlauf laut den bisherigen Daten oft weniger schwer. Wie lange die Impfung schützt, ist noch nicht bekannt. Ebenfalls noch nicht sicher ist, ob geimpfte Personen andere anstecken können.

Kann ein Impfstoff sicher sein, der so schnell entwickelt wurde?

Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, muss er eine Testphase mit mehreren Stufen durchlaufen. Die Unternehmen müssen nachweisen, dass ihre Impfstoffkandidaten sicher und wirksam sind. Normalerweise dauert es mehrere Jahre bis zu einer Zulassung, im Falle der vorliegenden Impfung ging es auch deshalb schnell, weil die Wissenschaft bereits viele Daten zu SARS- und MERS-Viren gesammelt hat. Dieses Wissen und die grossen Geldmengen, die aufgrund der Dringlichkeit des Problems in die Forschung geflossen sind, halfen dabei, den Impfstoff so schnell zu entwickeln. So konnten etwa viele Studien parallel durchgeführt werden. Ausserdem wurden bürokratische Hürden abgebaut, sodass die einzelnen Testphasen von Impfstoffkandidaten schneller aufeinander erfolgen konnten, und die Studienergebnisse wurden laufend, und nicht erst nach Abschluss der Testphasen überprüft.

Der Impfstoff, der verwendet wird, ist ein mRNA-Impfstoff. Was bedeutet das?

Herkömmliche Impfungen funktionieren so, dass Viren oder Reste von ihnen verabreicht werden. Der Körper bildet als Reaktion darauf Abwehrstoffe, und kann bei einer Ansteckung mit ebendiesen Viren schnell reagieren. An mRNA-Impfstoffen wird schon lange geforscht. Die Abkürzung mRNA steht für «Messenger Ribonukleinsäure». Das sind Botenmoleküle, die den Bauplan für die Herstellung von Proteinen enthalten. Die Proteine in unseren Körperzellen werden auf der Grundlage von nRNA gebildet.

Die vorliegende Impfung enthält den Bauplan für das Protein des Virus SARS-CoV2. Unser Körper stellt nach der Impfung aus Basis dieses Bauplans selber das entsprechende Protein her. Die körperliche Abwehr erkennt, dass es sich um ein fremdes Protein handelt, und beginnt, Antikörper zu produzieren. Diese Antikörper bleiben im Körper, und können später bei einem Kontakt mit SARS-CoV2 schnell reagieren.

Kann eine mRNA-Impfung die körpereigene DNA verändern?

Nein. Damit die DNA verändert werden kann, müsste die mRNA im Körper zuerst in DNA umgewandelt werden. Dafür braucht es aber spezielle Enzyme, die im menschlichen Körper gar nicht vorhanden sind. In allen Studien, die bisher mit mRNA durchgeführt worden sind, ist es bisher noch nicht vorgekommen, dass die DNA durch die mRNA verändert wurde.