Eine Bluescht-Fahrt durch den lieblichen Buechibärg lohnt sich derzeit gleich in mehrfacher Hinsicht. So kann man zum Beispiel das Frühlingserwachen der Gelassenheit vermittelnden Landschaft aufsaugen oder aber die Stimmung erkunden, was den zweiten Solothurner Regierungsrats-Wahlgang anbelangt.

Der Bezirk Bucheggberg ist längst nicht matchentscheidend, aber hinsichtlich der Kandidatinnen umso interessanter, ist doch die FDP-Kronfavoritin Marianne Meister dort zu Hause. Im ersten Wahlgang lag sie in der Endabrechnung zwar hinter Susanne Schaffner und Brigit Wyss, in heimischen Gefilden dagegen schwang sie oben aus. Meister kam auf 1123 Stimmen, Wyss auf 990 und Schaffner auf 867.

Immerhin, sagen Optimisten. Kein Glanzresultat, urteilen Skeptiker. Fiebern die Buechibärger wenige Wochen vor dem entscheidenden Wahlgang mit der Noch-Gemeindepräsidentin von Messen mit? Herrscht überhaupt gross Wahlkampfstimmung?

Die Fahrt Richtung Limpachtal führt an Lohn-Ammannsegg vorbei. Eine schräge Plakatwand, schier so gross wie ein Fussballtor, steht an der Hauptstrasse: Wer den Kopf genügend zur Seite neigt, erkennt die freisinnige Kandidatin. Nach dem Bismark-S eine weitere prominente Wahlwerbung am Waldesrand: Freundlich lächelt Nicole Hirt.

Moment mal, tritt die Grenchner Grünliberale tatsächlich nochmals an? Kurz vor Aetingen erneut Marianne Meister, diesmal ein etwas dezenteres Plakätli. Und dann trifft man an den Laternenmasten nur noch auf Susanne Schaffner. Zumindest bis zum Restaurant «Pflug» in Unterramsern.

Es ist kurz vor 9 Uhr, Zeit für einen Kaffee. Die Gaststube noch leer. Die weibliche Bedienung freundlich, doch auf die Frage, ob hier drinnen auch politisiert werde, verstummt sie auf der Stelle und holt schier rennend den Chef. Dessen Haltung abwehrend, sein Blick skeptisch, seine Antwort: Nein, eigentlich werde wenig über Politik gesprochen.

Es braucht einige Minuten, neugierige Fragen und gutes Zureden, dann taut er zunehmend auf. Klar, man kenne sich hier bestens. Da werde viel geredet und bezüglich der Regierungsratswahlen denke er schon, dass Marianne Meister für das Gewerbe gut wäre, eben auch für sein Gastgewerbe. Sagts und leitet sogleich auf andere Themen über.

Die Zeitung sei noch nicht gekommen. Der Pöstler tauche hier erst spät auf. Und mit dem öffentlichen Verkehr sei das auch so eine Sache. Am Wochenende verkehre kein einziges Postauto, das sei für viele Gäste und die Erholungssuchenden ein Manko. Pause. Dann wird die Türe aufgerissen und gestandene Mannsbilder beleben die Szenerie. Im Nu füllt sich der runde Tisch.

Jetzt kommt Stimmung auf. Einer entpuppt sich sogleich als Wortführer: «Politik? Ach, was soll das. Die machen sowieso, was sie wollen und egal wer gewählt wird, es ändert sich eh nichts.» Einer hat im Sinn die Grüne zu wählen «wie heisst sie schon wieder?» Der Handwerker schräg vis-à-vis hält dagegen: «Sicher nicht, da hab ich zu viel Benzin im Blut.»

Ein weiterer will sich nicht auf die Äste hinauslassen. Er sage gar nichts, zu oft sei ihm das im Nachhinein negativ ausgelegt worden. Dennoch, die Diskussion jetzt äusserst lebendig. Gelächter bei markigen Sprüchen des selbstbewussten, politikverdrossenen Wortführers.

Marianne Meister scheinen alle bestens zu kennen, nicht so ihre Gegenkandidatinnen. Kritik will keiner an der Frau von Messen drüben anbringen, schliesslich grüsse sie jetzt alle so freundlich und gebe sogar jedem die Hand.

Verständlich, dass sich gegenüber dem ungebetenen Gast keiner zu weit aus dem Fenster hinauslehnen will. Ob sie denn überhaupt wählen gingen, wollen wir wenigstens wissen. Der Wortführer schüttelt trotzig den Kopf. Einer hat dagegen bereits per Post gewählt und der Besonnenste der Runde, sie nennen ihn den Alt-Gemeindepräsidenten (von wo auch immer), sagt kurz und bündig: «Selbstverständlich, das ist doch wichtig.» Der Schweiger will nicht einmal darauf eine Antwort geben: «Dazu sage ich auch nichts, das ist meine Sache.»

Immerhin, grob geschätzt ergibt das im «Pflug» eine schöne Wahlbeteiligung von rund 60 Prozent. Marianne Meister wird dementsprechend nicht mit sämtlichen 10 potenziellen Stimmen dieses Buechibärger Restaurants rechnen dürfen. Nach halb zehn Uhr löst sich die Runde so schnell auf, wie sie entstanden ist. Zurück bleiben der Wirt und die Wirtin. Sie haben ihre Zurückhaltung mittlerweile abgelegt.

Das Gespräch dreht sich nicht mehr um den ungewissen Wahlausgang vom 23. April – die Politik scheint auch im Buechibärg nur ein Thema zu sein, wenn man es aus den Leuten herauskitzelt. Neckische Feststellung auf der Rückfahrt durch Messen: Schaffner schlägt Meister mit 2:1 – zumindest was die Wahlplakate anbelangt. Auf der Buechibärger Rundtour vermisst wird: Brigit Wyss.