Caritas Solothurn

Wer arm ist, ist eher krank – und umgekehrt

«Macht Krankheit arm? Macht Armut krank?» (Symbolbild)

Die Caritas Solothurn diskutierte einen Abend lang über den Zusammenhang zwischen Armut und Krankheiten.

«Macht Krankheit arm? Macht Armut krank?»: Dies war das Thema des Abends am diesjährigen Caritas-Forum in der Solothurner Jugendherberge. Dabei wurden sozialpolitische Brennpunkte diskutiert.

«Macht Krankheit arm? Macht Armut krank?»: Zur Beantwortung dieser Fragen hatte Felix Wettstein, Grünen-Kantonsrat und Dozent an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz, verschiedene statistische Erhebungen sowie eine aktuelle Studie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) mitgebracht, welche die Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit im Detail behandelt. Die Zahlen belegen gemäss Wettstein die hohen Gesundheitskosten in der Schweiz, welche gerade die finanziell schlechter gestellte Bevölkerung stark und zunehmend belasteten. Dies auch unabhängig von allfälligen Prämienverbilligungen. Anhand der BAG-Studie «Chancengleichheit und Gesundheit – Zahlen und Fakten für die Schweiz» konnte Wettstein den Zuhörern aufzeigen, in welchen Bereichen sozioökonomisch schlechter gestellte Personen besonders stark von Krankheiten betroffen sind. Für die ungünstige Wechselwirkung zwischen Krankheit und Armut lieferte der Vortrag somit etliche Hinweise und regte die Besucher zum Nachdenken an.

Um den Bogen zur Praxis zu schlagen, präsentierte der Sozialarbeiter und Filmemacher Giorgio Andreoli einen im Auftrag der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) erstellten Kurzfilm, in dem Porträts von Sozialhilfebeziehenden gezeigt wurden, welche gesundheitliche Probleme haben. Sie alle leiden an Krankheitsgeschichten, welche entweder durch Armut gefördert oder umgekehrt Armut erzeugt haben.

Wirtschaft in die Pflicht nehmen

Nach diesen Befunden und Eindrücken folgte eine Diskussionsrunde, in der Thomas Steiner, Präsident der Caritas Solothurn, Filmemacher Giorgio Andreoli und Felix Wettstein die Ergebnisse des Abends bündelten. So hielt Wettstein fest, dass die Möglichkeiten von Prämienverbilligungen für finanziell schlecht gestellte Personen letztlich nicht ausreichend seien. Er forderte deshalb, diese durch einkommensabhängige Prämien zu ersetzen. Giorgio Andreoli verwies auf den Bedarf an Arbeitsplätzen für Menschen, die nicht zu 100% arbeitsfähig sind. Damit Betroffene trotz Krankheitsgeschichte wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können, forderte er, die Wirtschaft verstärkt in die Pflicht zu nehmen. Diese Anliegen unterstützt auch Fabienne Notter, die Geschäftsleiterin von Caritas Solothurn. Gesellschaftliche Veränderungen zugunsten von Benachteiligten könne man vor allem dann herbeiführen, wenn man auf soziale Ungerechtigkeiten aufmerksam mache und Lösungsansätze aufzeige, so Notter zum Anlass, den rund 60 Gäste besuchten.

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