Im Minutentakt fliegt der Helikopter zwischen der Ebene und dem felsigen Gelände der Ravelle hin und her. Am Seil darunter hängen schwere Palette, riesige Rohre und Schachteln sind darauf gestapelt. Die Arbeit geht schnell voran, die Handgriffe der Mitarbeiter sitzen.

Es handelt sich um das Feuerwerk des Ravellen-Clubs (RVO) für die Oensinger Sonnwendfeier vom kommenden Samstag, 17. März, dem grössten Feuerwerk der Schweiz. «Wir haben sicher 100 Palette», überlegt Urs Ackermann, Präsident des RVO. Verteilt werden diese auf der knapp 400 Meter langen Abschussrampe.

«Auf jedem unserer 20 Plätze stehen etwa 6 Palette.» Mithilfe solcher Batterien werden sowohl der RVO als auch der konkurrierende Vogelherd-Club (VCO) jeweils fünf Bilder in den Nachthimmel zeichnen.

Grösstes Feuerwerk der Schweiz

Der Showdown zum grössten Feuerwerks-Duell der Schweiz steht vor der Tür.

Doch, wird dieser Nachthimmel überhaupt zu sehen sein? Die Wetterprognosen sehen nicht allzu rosig aus. «Wir werden am Samstagmorgen entscheiden, ob wir die Sonnwendfeier durchführen», verrät Ackermann. «Aber ich bin optimistisch.»

Dem Feuerwerk würde etwas Regen sowieso nicht allzu sehr zusetzen, denn schliesslich werden die Knallkörper per Funk gezündet. Aber Regen würde bedeuten, dass weniger Zuschauer den Weg nach Oensingen finden würden. Hans Schnider, Präsident des VCO, ist jedoch ebenfalls zuversichtlich: «Wenns nicht stürmt, kommt alles gut.»

Eingespieltes Team

Das Dröhnen des Helikopters erfüllt die Oensinger Ravelle. Mitarbeiter der Bugano AG, der luzernischen Firma, welche die Feuerwerkskörper für den RVO bereitstellt, huschen zwischen den einzelnen Paletten hin und her. «17 Mitarbeiter bauen heute hier auf», verrät Ackermann. «Wir haben der Firma mit gutem Gewissen alles in die Hände gelegt.»

Seit rund 33 Jahren arbeiten der RVO und die Bugano AG schon zusammen. Wie alle drei Jahre stellt die luzernische Firma an der Sonnwendfeier ihre Neuheiten vor. Ausserdem kennen die Mitarbeiter das schwierige Gelände bereits, das Vertrauen ist auf beiden Seiten vorhanden.

«Wir haben selbst auch keine Ahnung, womit die Bugano dieses Jahr wieder auffahren wird», sagt Ackermann und lacht. «Wir werden uns überraschen lassen, wie alle anderen Zuschauer auch.» Nur eines sei sicher: «Zum Schluss gibt es ein Smiley.»

Vogelherd-Club wagt Neues

Wo der RVO auf Altbewährtes setzt, wagt der VCO alle drei Jahre wieder etwas Neues. Dieses Jahr stellt die österreichische Firma Pyrovision die Knallkörper für die knapp 500 Meter lange Abschussrampe auf dem Vogelherd bereit. Über 5 Tonnen Material für über 3000 Schuss stellen die 7 Mitarbeiter von Pyrovision zusammen mit den Mitgliedern des VCO auf.

«Die Zusammenarbeit mit der neuen Firma ist genauso reibungslos verlaufen wie immer», erzählt Schnider. Für die Sonnwendfeier am Samstag hat der Präsident nur noch einen Wunsch übrig: «Keine Unfälle.» Dafür wurden zwar die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, passieren könne aber immer etwas.

Sonnwendfeier 2018: Aufbau RCO

Sonnwendfeier 2018: Aufbau RCO

Vorschriften des Kantons

Um die nötige Sicherheit zu gewährleisten, wird der Kanton bei diesem Grossanlass miteinbezogen. So wurde das Gelände im Voraus gemeinsam begangen, der Kanton händigte Abbrandbewilligungen aus und auch Schutzmassnahmen für die umliegende Flora wurden getroffen.

Im Vorfeld erfolgte dafür eine Erhebung des Zustandes der Umgebung, da sich die Ravelle in einem Naturschutzgebiet befindet. Seltene Pflanzen wurden mit einer Brandschutzdecke abgedeckt. «Diese Massnahmen haben sich bewährt», erzählt Ackermann. «Wir nehmen diese Arbeit gern auf uns. Schliesslich wollen wir auch in drei Jahren wieder Feuerwerk in die Luft jagen dürfen.»

Ausserdem seien die Feuerwerkskörper biologisch abbaubar, damit der Schaden an der Umwelt möglichst klein ausfällt. «Und nach der Feier werden wir im gesamten Dorf ‹fötzele› und die Überreste auflesen», verspricht Ackermann. «Das machen wir auch», bestätigt Schnider eifrig.

Keine Angaben zu Kosten

Die freundschaftliche Rivalität zwischen den beiden Klubs ist noch immer spürbar, ein jeder will den anderen übertrumpfen. Denn beide Klubs wurden nur mit einem Ziel ins Leben gerufen: Das schönste und grösste Höhenfeuer von Oensingen zustande zu bringen.

«Aber die Rivalität ist nicht mehr so wie damals», sagt Ackermann und schmunzelt. «Früher haben sich die Jungs auf dem Pausenplatz sogar eins auf den Grind gegeben.» Nur in einem Punkt sind sich die beiden Präsidenten einig: Wie viel der ganze Zauber kostet, wird nie und nimmer verraten.