Amtsgericht

Wenn zwei 32-Jährige im Flegelalter stecken

Hier ging es zu wie in den Studios eines deutschen Privatsenders.

Hier ging es zu wie in den Studios eines deutschen Privatsenders.

Im Solothurner Amtshaus wähnte man sich am Freitag in den Studios eines deutschen Privatsenders. Aber es war keine Aufzeichnung für die Serie «Richter Alexander Hold». Es war der Ernst des Lebens.

Ja, es war der Ernst des Lebens, wenn Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt laut auf den Tisch klopfen und die beiden Angeklagten Max F.* und Moritz D.* zur Ordnung mahnen musste. Obwohl sich die beiden 32-jährigen Freunde ab und zu verhielten, als würden sie noch in den Flegeljahren stecken, spürte man, dass es ihnen bewusst ist, dass sie an jenem schönen Sommerabend zu weit gegangen waren. Ganz so schlimm, wie es im Strafbefehl stand, seien die Vorfälle aber nicht gewesen, erklärten sie ihren Rekurs.

Die beiden Freunde regten sich am 22. Juni 2014 darüber auf, dass die Jugendlichen aus dem Quartier schon wieder denselben Nachbarn und Freund, dem es gesundheitlich nicht gut ging, mit einem «Klingelscherz» belästigten. Also rannte Moritz D. dem 14-jährigen Peter S.* hinterher, um ihn zur Rede zu stellen. «Dass ich ihn irgendwie beleidigt habe, bestreite ich nicht. Es kann sein, dass ich ihn am Kragen erwischt habe und er deshalb gestürzt ist», gab er zu. «Aber dass ich ihn mit den Schuhen getreten haben soll, das stimmt sicher nicht. Ich war barfuss und hielt den Jungen nur am Boden fest.»

Gegenseitig angestachelt

Der Jugendliche bestätigte, dass Moritz D. barfuss war und behauptete nicht mehr, wie noch bei der Anzeige auf dem Polizeiposten, dass er getreten worden sei. Moritz D. habe ihm nur den Fuss ins Gesicht gerieben. «Aus dem 9. Stock kann man nicht so genau sehen, was im Garten passiert», relativierte das Gericht in der Urteilsbegründung die Aussagen eines Zeugen, der ebenfalls von Fusstritten gesprochen hatte. So gab es für Moritz D. «nur» eine Verurteilung wegen Beschimpfung und Tätlichkeit.

Nach diesem ersten Vorfall tranken die Angeklagten ein paar Bier und diskutierten über Harry K.*, der vermutlich kurz zuvor Max F. die Freundin ausgespannt hatte. Die Köpfe wurden dabei immer heisser. Und so beschlossen sie, dem einstigen Freund einen Besuch abzustatten und die ausgeliehenen CD und Computerspiele zurückzufordern. Als sie nicht in die Wohnung eingelassen wurden, machten sie Radau. «Nur ich habe an die Haustüre getreten, und nur Moritz hat geschimpft», erklärte Max F., und dass er seine Ex-Freundin bedroht haben soll, bestritt er vehement. «Ich wusste ja nicht einmal, dass sie in der Wohnung war, wie sollte ich sie dann bedrohen?»

Moritz D. gab zu, den Zettel geschrieben zu haben, auf dem er Harry K. mit den Worten bedrohte: «...vergiss mich nicht, wenn deine Nase unter meiner Hand zerbricht.» Dass er dann noch gegen den Briefkasten gerannt war, als sie sich davon machten, stufte das Gericht nicht als Sachbeschädigung ein, weil es keine Absicht war. Weil aber das Scharnier der Wohnungstür verbogen wurde, gab es für Max F. bei diesem Vorfall eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung, während Moritz D. wegen Drohung und nochmals wegen Beschimpfung verurteilt wurde.

Gericht zeigte gewisse Milde

Beim Strafmass blieb das Amtsgericht am «milden» Ende der Skala. Max F., der seit eines schweren Unfalls von der Sozialhilfe lebt, wurde vom Vorwurf der Drohung freigesprochen und wegen Sachbeschädigung zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 10 Franken verurteilt.

Der arbeitslose und unter Depressionen leidende Moritz D. wurde von den Vorwürfen der Sachbeschädigung und der versuchten Körperverletzung freigesprochen, aber wegen Tätlichkeit zu einer Busse von 200 Franken sowie wegen Drohung und mehrfacher Beschimpfung zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 10 Franken verurteilt.

* Namen der Redaktion bekannt.

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