Wildschäden

Wenn Wildschweine so richtig die Sau rauslassen

Schäden von Wildschweinen in einem Maisfeld

Schäden von Wildschweinen in einem Maisfeld

Noch nie war der Schaden, der durch Wild entstanden ist, so gross wie im Jahr 2013. Alleine Wildschweine haben für 295'000 Franken gewütet. Die meisten Schäden entstehen im Winterhalbjahr, wenn die Schweine im Wald nicht mehr genügend Futter finden.

Umgegrabene Wiesen, ausgerissene und eingeknickte Mais- und Weizenpflanzen – ein Bild, das viele Bauern im Kanton kennen und sie verständlicherweise verärgert, denn es bedeutet grossen Schaden. Schaden, entstanden durch Schwarzwild.

Das vergangene Jahr ist ein Rekordjahr: Auf 318 000 Franken beläuft sich der durch Wild entstandene Schaden. Davon gehen allein 295 000 Franken auf das Konto von Wildschweinen. Die restlichen 8 Prozent stammen zum grössten Teil von Dachsen. Im Jahr 2012 war der Betrag um einiges geringer, nämlich 126 000 Franken.

Futtersuche im Winter

Die grössten Verwüstungen entstehen von November bis März, wenn die Wildschweine im Wald nicht mehr genügend Futter finden. Sie kommen auf die Wiesen und reissen auf der Suche nach Nahrung die Böden und damit die Grasnarben auf. Ihre bevorzugten Mahlzeiten: Würmer, Insektenlarven und Mäuse – Lebewesen, die viel Eiweiss enthalten. Fast 90 Prozent der Schäden betreffen die Weiden, 10,6 Prozent das Getreide und 1,4 Prozent den Mais.

Der Kanton Solothurn ist in sechs Hegeringe aufgeteilt. Vergleicht man die Verwüstungen in diesen Gebieten, ist zu sehen, dass 192 600 Franken (rund 61 Prozent des Gesamtbetrages) dem Hegering Olten-Gösgen-Gäu zuzuordnen sind. Im krassen Gegensatz dazu stehen die zwei Hegeringe Bucheggberg und Wasseramt, in welchen es gar keine Schäden gab.

Zu geringer Jagdbetrieb

Der Lebensraum im Hegering Olten-Gösgen-Gäu sei zwar für Wildschweine fast perfekt, doch nicht als Hauptgrund für diese Schadensmassierung zu nennen, wie Marcel Tschan, Fisch- und Jagdverwalter, erklärt. «Es gibt auch in Revieren von anderen Hegeringen solche Biotope und dort gab es keine vergleichbaren Schäden», argumentiert er. Die Verteilung sei nicht nur an einem Grund festzumachen, sondern an mehreren Bedingungen, die aufeinandertreffen würden. «Die jagdliche Aktivität ist im genannten Hegering nicht überall optimal. Dazu kommt, dass die Wanderung der Wildschweine behindert wird.» Durch die Autobahn und den Siedlungsgürtel würden die Säue, die nach Süden ziehen wollen, eingeschränkt, sodass eine Art Stau entstünde.

Die Anzahl Wildschweine in diesem Hegering ist für Tschan alarmierend. Als eine wichtige Massnahme sieht er die jagdliche Regulierung. «Vor allem die Anzahl weiblicher Tiere muss reduziert werden.» Man habe an die Wildschadenverhütung in den betroffenen Gebieten gedacht, doch da es sich bei den Schäden grösstenteils um Grasland handle, würde eine Einzäunung ebenfalls andere Tiere behindern, die die Wiesen für ihren Lebensraum benötigten.

Jäger haben die Möglichkeit, in anderen Revieren auszuhelfen, wenn dies von den anderen Jägern der betreffenden Reviere gewünscht wird. Für Tschan ist diese nachbarschaftliche Hilfeleistung ein wichtiger Punkt. «Dies sollte man fördern.»

Aufatmen heisst es aber wahrscheinlich für 2014: Das vergangene Jahr war ein eigentliches Mastjahr, in dem es besonders viele Buchennüsse und Eicheln gab, sodass die Wildschweine im letzten Winter genügend Futter gefunden haben. So beträgt der bisherige Schaden (ab Januar 2014) «erst» 13 000 Franken.

Warten auf ein neues Jagdgesetz

Das neue kantonale Jagdgesetz wird momentan in einer Arbeitsgruppe, in der auch Tschan dabei ist, erarbeitet. Zu den Details will sich der Jagdverwalter momentan noch nicht äussern. Die Vorlage soll im Juni 2015 vor den Kantonsrat kommen und, wenn alles rund läuft, 2016 in Kraft treten.

Bei der letzten Generalversammlung der Jägerschaft in Mümliswil wurde über die Gesetzesrevision gesprochen. Dabei wurde unter anderem die Hoffnung ausgedrückt, dass die Jagdgesellschaften von den Beiträgen an Schwarzwildschäden befreit würden. Das Jagdgesetz wurde auf die Pacht 2005–2012 abgeändert. Seither müssen die Jagdgesellschaften für 50 Prozent der Schäden aufkommen. Damals ging man davon aus, dass sich die Verwüstungen gleichmässig über den Kanton verteilen würden. Doch nun sieht es anders aus: Gerade die Reviere Born, Froburg, Homberg und Lostorf, die zum Hegering Olten-Gösgen-Gäu gehören, haben tief ins Portemonnaie greifen müssen.

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