«Die Leute sollen das Kleingedruckte lesen», wünscht sich Beatrix Bieri, Leiterin des Bieri Petshop in Bellach. Hier verkauft sie Katzenbäume und Hundeleinen. Aber vor allem Tierfutter. Viele Regale sind leer. Bieri zieht nach Langendorf um. Aber nicht nur deshalb hat sie ausgeräumt. Einige Futtermittel hat sie für immer aus dem Sortiment verbannt. Eben wegen des Kleingedruckten.

Es sei schauderhaft, was teilweise in Haustiernahrung drinstecke, erklärt die 49-Jährige, die schon seit rund 20 Jahren das eigene Geschäft führt. Oft würden die Leute durch Werbung oder schöne Verpackungen in die Irre geleitet. «Vorne drauf schreiben darf man als Hersteller ja fast alles. Aber auf der Rückseite, bei der Inhaltsangabe, steht die Wahrheit.»

Federn und Klauen statt Fleisch

Wobei die Zusammensetzung für Laien auch nicht immer Bände spricht. Zum Beispiel bedeute «Geflügelprotein» nicht etwa, dass Fleisch drinstecke. «Klingt doch gut, Protein, das nehmen ja auch die Sportler, oder?», sagt Bieri mit ironischem Unterton. Dabei bedeute Protein nur Eiweiss: «Das kann irgendetwas vom ganzen Tier sein – also auch so unappetitliche Teile wie Federn, Haare oder Klauen.» Diese werden ausgekocht, getrocknet und zu Pulver verarbeitet. Das stecke schliesslich in vieler Massenware drin. «Es ist, als würde man für ein Entrecôte bezahlen, und dann einen Cervelat bekommen», sagt die Ladenbesitzerin.

So könne man ein Produkt mit der Aufschrift «mit Huhn» kaufen, wobei laut Gesetz nur vier Prozent Huhn drin sein müssen – und eben nicht nur das Fleisch. Massenware zahle sich am Schluss auch nicht aus. Auch wenn diese in grossen Kilosäcken günstig zu haben sei: «Dann muss man dem Hund oder der Katze das Doppelte füttern, weil sie sonst nicht genug haben.» Um Futter zu strecken, sei oft auch Mais oder Weizen erhalten, welches Hund und Katze nur schwer verdauen können. «Wenn sie falsch ernährt werden, können sie auch Allergien kriegen.» Genau wie die zahlreichen E-Nummern. 

Umdenken bei Tierhaltern

Bieri sagt, heute würden die Leute wieder mehr auf die Ernährung achten. Und vielleicht mal weniger Fleisch essen. Genauso würde wohl ein «Umdenken» stattfinden was Hunde- und Katzenfutter angeht. Die Leute interessiere vermehrt, was in den angebotenen Produkten drinsteckt. «Wobei ich halt vor allem mit Kunden zu tun habe, die sich eher darum kümmern.»
Viele würden aber nach wie vor in Läden einkaufen, wo es einfach billig ist. Bieri möchte niemanden verurteilen. «Ich als private Ladenbesitzerin kann mir aussuchen, was ich verkaufe.»

Dann gibt es heutzutage auch vermehrt Leute, die ihre Katze vegan ernähren oder den Hund BARF-versorgen. Dieser Trend bedeutet: Biologisch artgerechte Rohfütterung. Wolle ein Mensch vegan leben, habe sie gar kein Problem damit, so Bieri. Aber: «Katzen sind einfach Fleischfresser.» Von veganer Tierfütterung halte sie deshalb gar nichts. Allgemein befürwortet Bieri, dass Tierhalter vermehrt hinterfragen, was im Futternapf ihres Lieblings landet. Schliesslich habe schlechte Fütterung auch sichtbare Folgen: «Die Haustiere kriegen Verdauungsprobleme oder Ausschläge.»

Bieri verkauft in ihrem Geschäft Produkte einer englischen Firma, in denen «echtes» Fleisch drin ist. Warum denn importierte Ware und nicht Schweizer Tierfutter? Es gibt eine Liste zugelassener Betriebe «für die Produktion und das Inverkehrbringen von Futtermitteln». Auf dieser sind zwar auch über 15 Firmen aus dem Kanton Solothurn aufgelistet. Aber: Nur wenige davon produzieren hier. «Inverkehrbringen» bedeutet eben auch: Massenware importieren, umpacken, und weiterverkaufen. Zudem sagt Bieri: «Mir nützt es auch nicht, wenn Ware in der Schweiz hergestellt wird, das Fleisch aber aus dem Ausland kommt.» Lieber bestelle sie bei einer Firma, bei der sie auch wisse, was drinsteckt.