Psychische Gesundheit

Wenn nachts der Schlaf ausbleibt

Christian Imboden von den Psychiatrischen Diensten der Solothurner Spitäler AG (soH) referierte in der Solothurner Jugendherberge

Christian Imboden von den Psychiatrischen Diensten der Solothurner Spitäler AG (soH) referierte in der Solothurner Jugendherberge

Schlafstörungen sind der dritthäufigste Grund für den Besuch beim Hausarzt – und gehen häufig mit einer Depression einher. Mit diesem Thema ging es beim ersten Vortrag im Rahmen der Aktionstage Psychische Gesundheit.

Schlaf ist ein begehrtes Gut. Das bewies der erste Vortrag im Rahmen der Aktionstage Psychische Gesundheit. Der Saal in der Solothurner Jugendherberge reichte nur knapp für die vielen Interessierten, die den Vortrag des Arztes Christian Imboden hören wollten.

Wenn der Sandmann eine Panne hat: Fachpublikum, Studierende, aber auch Leute ohne Spezialwissen wollten wissen, was sich hinter diesem Titel verbirgt. Mit Christian Imboden präsentierte ein Fachmann mit viel Erfahrung die Zusammenhänge zwischen Schlaf und allgemeiner Gesundheit. Er ist leitender Arzt am Behandlungszentrum Angst und Depression sowie für die Schlafsprechstunde in Solothurn.

«Der Mensch schläft zur Erholung, um Energie zu sparen und um das Gedächtnis zu festigen», erklärt Imboden einleitend. Noch seien nicht alle Geheimnisse rund um den Schlaf gelüftet. Bekannt sei, dass Kopfwissen hauptsächlich in der ersten Hälfte der Nacht, im Tiefschlaf, fixiert werde und neue Bewegungsabläufe in der zweiten Nachthälfte, im Traumschlaf. Auch das Immunsystem sei auf den Schlaf angewiesen, um frische Kräfte zu sammeln. 

Schlaf wird häufig unterschätzt

Im Zentrum des Referats standen Störungen, besonders die Schlaflosigkeit. So leide rund ein Viertel der Bevölkerung zeitweise darunter. Bei sechs Prozent sei das Problem chronisch, das heisst, es besteht länger als einen Monat und benötige ärztliche Behandlung. «Schlafstörungen sind der dritthäufigste Grund für den Besuch beim Hausarzt, nach körperlichen Krankheiten und Schmerzen, und vor Depressionen», sagte Imboden.

Zugleich relativierte er die Selbstdiagnosen: «Über Schlafstörungen zu sprechen fällt den Leuten leichter als über eine Depression. Dabei gehen Schlafprobleme häufig mit Depressionen einher.» Doch für Schlafstörungen gebe es auch andere Ursachen, etwa das Herz, Schichtarbeit und gewisse Medikamente.

Deshalb sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Fachärzten im Schlaflabor eine Notwendigkeit, um Behandlungserfolge zu erzielen. Interessant sei, dass viele Menschen den eigenen Schlaf unterschätzen. «Sie schlafen mehr, als sie annehmen und sind erstaunt über die Messung.»

Mythen rund um den Schlaf

Imboden warnte vor Volksweisheiten. So gehöre die Überzeugung, dass nur gut schlafe, wer durchschlafe, ins Reich der Mythen. Nach einer kurzen Nacht zusätzliche Stunden im Bett zu verbringen, sei nutzlos. Ein gesunder Körper erhöhe innerhalb der normalen Schlafdauer die Qualität des Schlafes. Auch habe eine durchwachte Nacht nur wenig Einfluss auf die Leistungsfähigkeit am Folgetag.

Kurz ging der Referent auf die Schlafapnoe mit den Atemaussetzern ein, die das Risiko für Verkehrsunfälle aufgrund von Sekundenschlaf tagsüber erhöht. Dieses Leiden lasse sich durch Masken gut behandeln, die durch leichten Gegendruck dafür sorgen, dass die Atemwege nachts offenbleiben.

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