Jetzt wachsen sie wieder, die Siloballenpyramiden auf dem Land. Doch vielen sind die Siloballen ein Dorn im Auge. Die manchmal lieblos gelagerten weissen und hellgrünen Ballen, nicht ganz zu Unrecht auch Dinosauriergelege genannt, stören das Landschaftsbild.

Erst in den letzten Jahren hat sich in Landwirtschaftskreisen die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit einer gepflegten Lagerung der hässlichen Ballen viel Goodwill in der Bevölkerung geschaffen werden kann. Und: Landwirte, die Siloballen «schön» stapeln, sollen Geld dafür erhalten. So sieht es jedenfalls der Bund in seiner Agrarpolitik 2014 bis 2017 vor.

Schweizer Bauern blicken auf eine lange Tradition des «gepflegten Lagerns» zurück. So war bis zur Mechanisierung des Viehstalles der gepflegte Miststock die Visitenkarte eines jedes Bauernhofes. Wenn die Seiten des Miststockes dann noch mit einem gefälligen Zopfmuster verziert waren, konnte sich der Erschaffer der Anerkennung vonseiten der Dorfbevölkerung sicher sein. Und eine fein säuberlich aufgeschichtete Holzscheiterbeige vor oder neben dem Hof erfreut auch heute noch das Auge eines jeden Betrachters.

Diese Tradition setzt sich nun allmählich auch beim Lagern der Siloballen durch: Der Landwirt wird zum Landschaftsgestalter. Am richtigen Ort platziert, geordnet gestapelt oder perlenkettenartig aneinandergereiht, wird fast jedes Siloballenlager zur Skulpturen- und Plastikausstellung. Und wir alle freuen uns über die landwirtschaftliche «Kunst im öffentlichen Raum».(ae)