«Scribble» also nun als Werktitel, der vieles vermuten oder offenlässt. Denn mit Scribble, Kritzelei oder Kritzeln, bezeichnet man einen meist per Stift auf Papier angerissenen oder angedeuteten Grobentwurf beispielsweise für eine Illustration und Grafik. Manchmal ist es auch einfach nur ein frei gekritzeltes Objekt oder kann auch eine Art kreatives «Brainstorming» als erste Ideen- und Kompositionsfindung sein, ohne bildnerischen oder künstlerischen Anspruch. Ein rein spontan gekritzelter Anriss, aus dem sich ein Bild schöpfen könnte.

Von Lockerungsübungen zum Bild

Bei dem 1961 geborenen Kenji Yanagi – er stammt aus der Präfektur Saga in Japan und seine künstlerische Ausdrucksform umfasst Zeichnung, Malerei, Skulptur und Installation – bestimmt der Prozess des «Scibble» gesamthaft den künstlerischen Ausdruck.

Das heisst nichts anderes, als dass er diese vermeintlich zeichnerischen Lockerungsübungen im aufwendig definierten Bildprozess von der Kritzelei zur Skizze über die zeichnerische Intention in einer gewissen sophistischen Freiheit bis zum Bild steigert. Durch die Verwendung von Acrylfarbe und physischem Einsatz wirkt so der malerische Moment.

Die Bildentstehung ist ein Geheimnis. Sie ist vielschichtig, intensiv, gesteuert von ersten, rein körperlichen Bewegungsmomenten aus den Armen heraus als ein intensives Einzeichnen, eine Art zeichnerisches Aufspüren von Linie und Punkt. Hinein spielt dann eine gewisse Emotionalität, gleichzeitig gesteuert von einer bewussten Konzentration in der Bildwerdung aus Farbschichten und linearen Gesten: Die Initialidee der gekritzelten Linien steigert sich zur malerisch anmutenden Situation. Denn vielschichtig erweisen sich die Arbeiten auf Papier, ebenso die kleineren, auf Holz aufgezogenen. Sie sind alle komplex in der Bildwerdung.

Der Künstler studierte an der Tokyo University of Arts und am Chelsea College of Art and Design in London skulpturales Schaffen. Seit 2016 führt er sein Atelier in Saga an der Südspitze Japans, wo er zugleich auch an der dortigen Universität Zeitgenössische Kunst unterrichtet. Seine Arbeiten sind vor allem in Japan bekannt.

Da grundiert Yanagi das Papier mit schwarzer, matter Acrylfarbe, ritzt und kratzt – bevor die Farbe austrocknet – seine zeichenhaften Bewegungen heraus. Er schichtet je nach Situation nochmals schwarze Acrylfarbe darauf, um aus diesen Schichten wiederum neue Zeichen hervorzuholen. Oder aber er schichtet auf den schwarz-matten Untergrund weisse Acrylfarbe, um so aus dem Untergrund schwarze Linienbewegungen in die weisse Oberfläche zu ziehen. Kenji Yanagi, er ist zum ersten Mal mit einer Einzelausstellung seines zeichnerischen Werkes in der Schweiz präsent. Er beweist sich als ein Meister der radikalen formalen Einfachheit, die gleichzeitig eine Vielfalt an zeichenhaften und kalligrafischen Möglichkeiten offeriert. Der Künstler studierte an der Tokyo University of Arts und am Chelsea College of Art and Design in London skulpturales Schaffen. Seit 2016 führt er sein Atelier in Saga an der Südspitze Japans, wo er zugleich auch an der dortigen Universität Zeitgenössische Kunst unterrichtet. Seine Arbeiten sind vor allem in Japan bekannt.

Der «Kunst-Kuss» im «Chutz» in Solothurn

Ab Sommer 2019 betreibt das Haus der Kunst St. Josef eine Zweigstelle, die «Kunst-Kuss Station» im Restaurant Chutz. Der «Chutz» ist ein seit Jahrzehnten legendärer kultureller Treffpunkt an der Aare; 1963 vom Grenchner Kunstmaler Ferdinand Kaus (1908–1996) eröffnet. Dort nahmen auch die Solothurner Filmtage ihren Anfang. Regelmässige Ausstellungen und Jazz-Konzerte gaben dem «Chutz» ein gewisses Ambiente als kulturelle Institution in der Solothurner Szene, bevor sich der gute Ruf für ein paar Jahre verflüchtigte.

Doch seit jüngerer Zeit haben wieder Matinées am Sonntagmorgen Tradition, die vor allem Musik- und Jazzliebhaber und eine bunt gemischte Klientel begeistern. Das Restaurant wird heute von Marta Kaus geführt, die seit den ersten Tagen hinter der Theke des «Chutz» steht. Neu wird jetzt der Galerist und Künstler Reto Emch auch diesen Kulturtreffpunkt bespielen, indem ab diesem Spätsommer alle Ausstellungen, die im Haus der Kunst stattfinden, hier einen weiteren Ausstellungsplatz, den sogenannten «Kunst-Kuss», im Chutz finden werden. Eröffnet werden diese Ausstellungen jeweils eine Woche nach dem Auftakt im Haus der Kunst.

Der derzeitige Gastkünstler im Haus der Kunst, der Japaner Kenji Yagani, zeigt ein Dutzend neue Werke, die er speziell während seines Aufenthaltes in Solothurn für diesen neuen Ausstellungsort im 1. Stock des «Chutz» geschaffen hat.

Im Haus der Kunst: Bis 6. 10. 2019. Geöffnet: Do/Fr 17–20 Uhr; Sa/So 13–17 Uhr. Im Chutz zu den «Chutz» Öffnungszeiten bis 6. 10. 2019.