Es gibt verschiedene Wege, wie Parteien in einen Wahlkampf steigen können. Das zeigt sich in diesen Tagen im Kanton Solothurn.

Da sind die Freisinnigen, die im nächsten März ihren zweiten Regierungssitz verteidigen wollen. Gleich fünf Kandidaten möchten Esther Gassler beerben. Deshalb setzt die FDP auf ein aufwendiges Auswahlverfahren – und veranstaltet nicht weniger als einen internen Wahlkampf.

Die Bewerber haben die Parteidelegierten bereits mit eigens dafür verfassten Wahlbroschüren eingedeckt. Ende August stellen sie sich jeweils zwei Hearings. Und am 24. August entscheiden die Delegierten schliesslich, wer für die Partei antreten darf. Der eigentliche Wahlkampf kann beginnen.

Zu diesem Zeitpunkt wird bei den Sozialdemokraten noch alles offen sein. Auch sie wollen wieder in den Solothurner Regierungsrat einziehen. Doch wer wird den Sitz von Peter Gomm verteidigen? Die Genossen werden diese Frage erst Ende Oktober abschliessend klären.

Bis dahin sei das Nominationsverfahren, so Kantonalpräsidentin Franziska Roth, vor allem «ein basisdemokratischer Prozess innerhalb der Partei».

Klar ist immerhin: Die Geschäftsleitung wird an der Parteiversammlung am 25. August beantragen, mit nur einem Kandidaten zur Wahl anzutreten.

Dahinter steckt das Ziel, die linken Stimmen schon im ersten Wahlgang zu bündeln. Dieser Beschluss war Parteikreisen zufolge jedoch umstritten. Eine Doppelkandidatur könnte helfen, einen Kandidaten für spätere Wahlen aufzubauen, glaubt eine Minderheit in der Parteiführung.

Roth bestätigt: «Die Einerkandidatur ist alles andere als sakrosankt. Wir rechnen mit spannenden Diskussionen an der Parteiversammlung.» Tatsächlich werden die Mitglieder auch über regionale Befindlichkeiten sprechen wollen. Würde es der Partei helfen, mit je einem Kandidaten aus dem unteren und dem oberen Kantonsteil anzutreten?

Hadorn in den Startlöchern?

Bislang hat sich erst Kantonsrätin Susanne Schaffner zu einer Kandidatur entschlossen. Die langjährige Parlamentarierin dürfte als Favoritin ins Rennen steigen: Als Oltnerin und Anwältin gilt sie als natürliche Nachfolgerin von Peter Gomm, ebenfalls Oltner und ebenfalls Anwalt.

Offiziell geben sich die SP-Strategen auffällig wortkarg, wenn es um weitere Bewerber geht. Doch im Hintergrund gibt es Bewegung auf dem Kandidatenfeld. Der Gerlafinger Nationalrat Philipp Hadorn ist «ernsthaft an einer Kandidatur interessiert», derzeit lässt er sich jedoch nicht näher in die Karten blicken. Er wolle am Donnerstag dieser Woche über seine Pläne informieren, sagt Hadorn auf Anfrage.

Welche Chancen er sich bei einer internen Ausmarchung ausrechnen könnte, lässt sich nur schwer abschätzen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Hadorn in der Partei eher als Exot gilt. Der Freikirchler bezeichnet sich als «klar sozial, klar gewerkschaftlich, klar christlich».

Parteimitglieder kritisierten ihn auch schon wegen seiner «wertkonservativen Positionen», die bisweilen kaum zur Partei passten. So spielte Hadorn etwa als einziger SP-Bundesparlamentarier mit dem Gedanken, Abtreibungen wieder verbieten zu wollen.

Mehrere Optionen für Roth

Dass der Gewerkschafter mit einer Kandidatur liebäugelt, hat die Parteispitze offenbar erst aus den Medien erfahren. Hinter vorgehaltener Hand werden derweil Forderungen laut, wonach auf ein Vorpreschen Hadorns mit einer weiteren Kandidatur aus dem oberen Kantonsteil reagiert werden sollte.

Dafür käme am ehesten Franziska Roth infrage. Soll Hadorn in Schach gehalten werden? Die Parteichefin bezeichnet Gerüchte über entsprechende Absichten als absurd. «Das ist ein völliger Blödsinn», sagt Roth.

Mit Hadorn habe sie nicht nur ein sehr gutes Verhältnis. Es sei ihr auch ein Anliegen, dass die Parteimitglieder zwischen mehreren Kandidaten wählen könnten.
Ob sie selbst Regierungsrätin werden will, lässt Roth noch immer offen. Ihr liege viel an einer umsichtigen Personalplanung, sagt sie. «Als Parteipräsidentin und in eigener Sache.» Die Stadtsolothurnerin möchte auch eine Kandidatur für das Stadtpräsidium prüfen, sollte ihre Partei im nächsten Jahr gegen den FDP-Amtsinhaber Kurt Fluri antreten.

Im Regierungswahlkampf wäre die profilierte Parteichefin wohl zweifellos die grösste Konkurrentin für Susanne Schaffner. Bei den beiden letzten Nationalratswahlen wurde die Heilpädagogin jeweils nur knapp nicht gewählt.

Aussichtsreiche wollen nicht

Noch läuft die Bewerbungsfrist. Franziska Roth verweist darauf, dass sich weitere Sozialdemokraten zumindest für eine Kandidatur interessieren. Namen könne und wolle sie derzeit aber keine nennen.

Wer ist heiss auf die Solothurner Regierung? Die aussichtsreichsten Bewerber haben bereits abgesagt. Der Bettlacher Kantonsrat Mathias Stricker liess seine Ambitionen lange offen. Nun sagt er gegenüber dieser Zeitung: «Ich bin zum Schluss gekommen, dass der Regierungsrat derzeit kein Thema für mich ist.»

Ähnlich tönt es bei weiteren Hoffnungsträgern aus dem Kantonsrat. Parteivizechef Hardy Jäggi aus Recherswil will ebenso wenig antreten wie der Derendinger Spitzengewerkschafter Markus Baumann.

Fraktionschef Markus Ammann verzichtet allein schon aus Rücksicht auf seine Oltner Heimbasis, wie er sagt: «Mit Susanne Schaffner stellt sich eine hervorragende Sozialdemokratin aus der Stadt zur Verfügung.» Und Routinier Urs Huber aus Obergösgen liess bereits im Winter verlauten, dass er nicht auf das Kandidatenkarussell aufspringen wird.