Allergien

Wenn feine Hundenasen Warnsignale geben

Von links: Daniela Frick mit Labrador-Retriever-Hündin Kimba, Hundeschulleiterin Franziska Rohr und Anita Scholl mit ihrem weissen Lagotto Elio.

Von links: Daniela Frick mit Labrador-Retriever-Hündin Kimba, Hundeschulleiterin Franziska Rohr und Anita Scholl mit ihrem weissen Lagotto Elio.

Allergiewarnhunde - das bedeutet Spass für die Tiere und grossen Nutzen für die Menschen. Auch wer selber nicht an einer Allergie leidet, kann seinen Hund zum Allergiewarnhund ausbilden. Das muss kein Widerspruch sein.

Gehören Sie zu jenen Menschen, die das Kleingedruckte auf Lebensmittelverpackungen ganz genau lesen? Dann ist Ihnen sicher auch schon der Satz «kann Spuren von Nüssen enthalten» begegnet. Was kein Problem ist, sofern Sie auf Nüsse nicht allergisch reagieren. Und wenn? Dann legen Sie das Lebensmittel eben zurück ins Regal.

Doch: So einfach ist das Leben als Allergiker nicht immer. Darum haben findige Köpfe in verschiedenen Ländern damit begonnen, Hunde zu Allergiewarnhunden auszubilden. Nach Drogen, Sprengstoff, Bettwanzen, Laubbockkäfer, Diabetes und Krebs ein weiteres Einsatzgebiet für die leistungsfähige Hundenase.

Szenenwechsel. Im Luftschutzkeller der ehemaligen Schulanlage in Mühledorf schnuppert Elio, ein Lagotto, nacheinander an kleinen, weissen Plastik-Filmdosen, die vor ihm in einer Reihe mit rund 15 Zentimetern Abstand auf einem kleinen Tisch aufgestellt sind. Bei der dritten Dose hält er inne und drückt seine Nase an das Plastikteil. Reglos. Besitzerin Anita Scholl lässt ihn in dieser Position einige Sekunden verharren, dann wird Elio gelobt und erhält als Belohnung ein Stück Wurst. «In dieser Dose war Erdnussöl, in den anderen Olivenöl – er hat korrekt unterschieden und eine schöne Anzeige gemacht», lobt auch Franziska Rohr.

Die Besitzerin der in Mühledorf ansässigen Hundeschule «Hundepfoten Teamcanin» will ab 2016 Allergiewarnhunde ausbilden – Lagotto Elio sowie Labrador-Hündin Kimba, die sich eben mit Frauchen Daniela Frick zur ersten «Schnüffelrunde» bereit macht, sind so quasi die beiden «Pilothunde». Doch weder Anita Scholl noch Daniela Frick leiden an einer Erdnuss-Allergie; und auch in ihren Familien ist niemand davon betroffen. Weshalb dann der ganze Aufwand? «Diese ruhige, konzentrierte Such-Arbeit ist für meinen Hund, der ansonsten eher nervös ist und sich schnell ablenken lässt, eine ideale Beschäftigung», sagt Anita Scholl. Zudem benötige man nur wenig Material, könne auf kleinem Raum und auch in der Wohnung trainieren. Daniela Frick ergänzt: «Kimba ist bereits etwas älter und hat Hüftprobleme, aber die Nase funktioniert noch tipptopp, deshalb sind solche Such-Übungen für uns noch lange machbar – und sie machen uns Spass.»

Was die Hündin bei der zweiten Schnüffelrunde gleich selber unter Beweis stellt. Franziska Rohr hat die Dosen ausgetauscht, jetzt ist in einer etwas Erdnussbutter enthalten, in den anderen normale Margarine. Kimba schnuppert bedächtig an allen Dosen – bei der zweitletzten verharrt sie regungslos. «Brav!»

«Beide Hunde stehen am Ende der rund einjährigen Ausbildung; sie beherrschen die Technik des Anzeigens, zeigen ein schönes Suchverhalten und erkennen zuverlässig auch kleinste Spuren von Erdnuss», erklärt Franziska Rohr. Jetzt gehe es darum, noch mehr Ablenkung ins Training einzubauen und das Erlernte quasi für den «Ernstfall» zu festigen. Wie würde ein solcher aussehen? «Wenn man zum Beispiel nicht sicher ist, ob die Salat-Sauce im Restaurant mit Erdnussöl versetzt ist, kann man einige Tropfen in die Dose geben und vom Hund checken lassen», erklärt Franziska Rohr. Sie schränkt aber selber ein: «Wer stark allergisch reagiert, wird im Zweifelsfall lieber ganz auf die Speise verzichten, denn die Hundenase bietet trotz allem keine 100-prozentige Sicherheit.» Abgesehen davon, dass man den Hund wohl kaum zum Gala-Diner ins Restaurant mitnimmt.

So gehe es bei dieser Ausbildung, die auch unter dem Namen «Sniffledog» bekannt ist, vielmehr um eine alltagstaugliche Auslastungs- und Beschäftigungsmöglichkeit, die für jeden Hund machbar sei, erklärt Franziska Rohr. Oder in den Worten des Initianten, des deutschen Hundetrainers Uwe Friedrich: «Sniffledog» ist eine hochwertige Nasenarbeit mit hohem Spassfaktor.» Bedeutet konkret: Auch «Nicht-Allergiker» sind beim nächstjährigen Ausbildungslehrgang in Mühledorf willkommen. Reinschnuppern ist erlaubt – wortwörtlich.

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