Kurt Boner
«Wenn es um die Altersfrage geht, ist man im Kanton nur passiv tätig»

Kurt Boner beschäftigt sich im Gastkommentar mit den Konsequenzen der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung. Er äussert sich zudem kritisch über fehlende Lösungsansätze für die Pflegefinanzierung und legt eigene Vorschläge dar.

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Als Babyboomer komme ich langsam ins Alter. In den nächsten Jahrzehnten wird sich der Anteil der Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung verdoppeln.

Altersprojekte werden daher als Investmentmöglichkeit interessant. Entsprechend bieten Investoren Produkte in Hochglanzprospekten an. Für mich werden Residenzen und Projekte «Gehobenes Wohnen mit Service» geplant. Bei der Investition in diese Anlagen wird ein Aspekt häufig ausser Acht gelassen. Es funktioniert nur, wenn die entsprechende Pflege- und Betreuungssituation auch finanziell abgesichert ist.

Mit dem eidgenössischen Gesetz über die Pflegefinanzierung hat das Parlament kein Meisterstück abgeliefert. Wesentliche Fragen wurden nicht gelöst.

Es erstaunt daher, dass es im Kanton Solothurn auf politischer Ebene auch im Wahljahr in Bezug auf Altersfragen ziemlich ruhig ist. Da es sich beim Alter um ein kommunales Leistungsfeld handelt, sind die Verantwortlichen im Kanton entsprechend passiv und halbherzig tätig. Nebst ethischen Fragen des Alters geht es insbesondere darum, wie dem wachsenden Bedarf begegnet werden soll. Einfach weitere Heime zu bauen oder bestehende zu erweitern, kann keine Lösung sein.

Die Ergänzungsleistungen zur AHV decken heute grosse Teile der Kosten im Bereich stationäre Alterspflege ab, wenn kein grösseres Einkommen oder Vermögen vorhanden ist. Das ist bequem und sichert allen den gleichen Standard in der Altersversorgung. Bis heute. Werden wir die Qualität – zum Beispiel Einzelzimmer – aber so für alle halten können?

Ein eher wachsender Anteil der Bevölkerung schert sich einen Deut um die Finanzierung des Alters. Guthaben der zweiten Säule und Vermögen werden leichtfertig ausgegeben, um dann den hohen Standard der Alterspflege via Ergänzungsleistungen zu konsumieren. Es fehlt ein Anreiz, sich um die Kosten einer eventuellen Pflegebedürftigkeit zu kümmern.

Es braucht neue Ansätze. Das intransparente und komplizierte System der Pflegefinanzierung ist durch eine eigentliche prämienbasierte Pflegeversicherung zu ersetzen. Tun wir dies nicht, wird der Mittelstand mit Steuern die stark steigenden Kosten tragen müssen, ohne dass er selber entlastet wird. Solidarität kann auch überstrapaziert werden.

Spitex und ambulante Angebote (auch Tagesstätten) müssen konzeptuell und finanziell besser in die Langzeitpflege eingebettet werden. Es darf nicht sein, dass nur der Aufenthalt im Pflegeheim finanziell abgesichert ist, während die eventuell wirtschaftlicheren und günstigeren ambulanten Angebote wegen höheren Eigenleistungen nicht gewählt werden. Es braucht regional gut vernetzte Angebote der Spitex, Tagesstätten, Pflegeheimen und anderen Wohnformen, die uns eine echte Wahlfreiheit lassen.

Ich werde also unsere gegenwärtigen und künftigen Parlamentarier auf Stufe Bund und Kanton weiter auffordern müssen, sich mit der Thematik zu befassen und nach Lösungen zu suchen. Bis dato wurden die Hausaufgaben nicht gemacht – grössere Herausforderungen und Reformen stehen nicht nur bei den Sozialversicherungen an, sondern bei den grundsätzlichen Fragen der Altersversorgung und deren Finanzierung.