Den Viechern ist nicht beizukommen. Schiessen? Vergiss es. Vogelscheuchen wie ein künstlicher Uhu? Vergiss es. Dafür haben die schwarzen Gesellen nicht einmal ein müdes Krächzen übrig. Falkner wurden schon bemüht. Das Rabenvolk sah gelangweilt zu, wie der dressierte Greifvogel ein paar Runden drehte. Um dann wieder zur Tagesordnung überzugehen. In Aarau wollte man vor dem Kantonsspital eine Buche fällen, auf der sich die schwarze «Kackeria» eingenistet hatte. Denkste! Die Menschen wehrten sich massiv für die Buche. Und die Krähen oben in den Ästen hielten sich vor Lachen die Bäuche. Scheiss drauf!

Andere Vögel sind dümmer. So brauchen Böötli-Fahrer im Bootshafen Plastik-Krähen zur Abschreckung von Tauben. Denn auch die machen Dreck. Plastikkrähen aber nicht. Was gut vor und rund um die Hafebar zu sehen ist. Denn dort sind die Krähen echt. Seit bald 20 Jahren. Immerhin, es gibt eine Vermeidungsstrategie: Wo der Boden weiss gesprenkelt ist, bleibt man besser nicht stehen, geschweige denn sitzen. Noch einen Vorteil gabs dieses Jahr: Das Wetter war so mies, dass ein Klacks auf den Hinterkopf schon fast als Stadtgespräch taugte. Und inzwischen haben auch die Platanen gemerkt, dass sie eigentlich Laubbäume sind. Sie bieten zunehmend mit ihrem grünen Dach halbwegs Deckung.

Das «Kraah, Kraah!» breitet sich auch in Solothurn rasant aus. Die Krähen sind nicht mehr wählerisch. Sie haben jetzt auch mittelprächtige Bäume wie an der Bürenstrasse als Nist- und Schlafplätze auserkoren. Kein Wunder, wehrt sich die Stadtpolizei gegen ein Maitannli in town. Denn langsam gehen den Rabeneltern die Bäume aus.

Sch...vögel. Intelligent sind die. Oft schlauer als wir. Und fühlen tun sie auch. Forscher – für was gibts die eigentlich? – haben herausgefunden, dass Krähen ausgesprochen «depro» werden, wenn ein Mitglied der Sippe in ein Loch fällt. Natürlich nicht in ein richtiges. Aber Krähen können richtig traurig werden. Himmeltraurig sogar. So attackierte vor kurzem so ein Rabenaas das neue Storchennest auf dem Konzertsaal. Mehr als ein dutzend Mal stiess der schwarze Räuber auf die brütende Meisterin Adebar hinunter, die sich mehr schlecht als recht wehrte. Ich wurde leicht «depro». Aber das steht Menschen nicht zu. Die haben stark zu sein. Krähen dagegen dürfen schon mal schwach werden. So nach dem Motto: Brat mir einen Storch!