Als Ronald L. an der Esso-Tankstelle in Biberist aus dem Auto stieg und tanken wollte, trat ein Mann zu ihm und streckte ihm ein Formular entgegen. Dieses besagte, dass der Unbekannte taubstumm sei und dass man hier eintragen könne, wie viel man spenden will. «Ich konnte viele Eintragungen von bezahlten Beträgen von 20 und 30 Franken erkennen. Auch die Frau vor mir hat dem Bettler 30 Franken gegeben», schildert Ronald L. seine Beobachtungen.

Keine Bewilligung zum Betteln

Zunächst sprachlos von der Bettelaktion, forderte er den Mann mit Gesten auf, ihm die Sammelerlaubnis des Tankstellen-Betreibers zu zeigen. Der Unbekannte zückte schliesslich seinen Pass, der ihn als rumänischen Staatsangehörigen auswies. Ronald L. machte dem Bettler klar, dass er nichts spenden wolle, worauf sich dieser sichtlich wütend davonmachte und im Vorbeigehen auch noch die Türe von Ronald L.s Auto zuschubste.

Die Kassierin im Tankstellenshop hatte nichts von der Sammelaktion mitbekommen, geschweige denn war eine Bewilligung dafür erteilt worden. In der Zwischenzeit hatte sich der Rumäne bereits aus dem Staub gemacht: Wohl mit einem Sammelergebnis von 200 bis 300 Franken wie Ronald L. schätzt. «Ich weiss nicht, ob der Mann wirklich taubstumm ist, oder ein Betrüger. Aber weil er mir keine Sammelerlaubnis zeigen konnte, gehe ich davon aus, dass er illegal handelte.»

Vermehrt bettelnde «Taubstumme»

Bettelnde «Taubstumme» waren in den letzten Wochen wieder ein Thema. In Dornach wurde Ende Juni ein 19-jähriger Rumäne geschnappt, der primär bei älteren Leuten an der Türe geklingelt hatte, sich als Taubstummer ausgegeben und Geld sammelte. In unbeobachteten Momenten riss er sich dann aber in den Wohnungen Wertgegenstände unter den Nagel. Eine ähnliche Masche pflegte in der Zürich-Seeregion gleich eine ganze Gruppe von Kriminaltouristen.

Auf der Alarmzentrale der Kantonspolizei Solothurn seien während der vergangenen Wochen «mehrere Meldungen im Zusammenhang mit Bettlern eingegangen», bestätigt Bruno Gribi vom Mediendienst. «Gemäss Strafgesetzbuch strafbar ist Betteln nur dann, wenn dies aus Arbeitsscheu oder Habsucht gemacht wird oder Kinder oder andere Abhängige zum Betteln ausgeschickt werden.»

Stadt Solothurn hat ein Bettelverbot

Gemeinden können auch ein Bettelverbot für ihr Gebiet erlassen, so wie beispielsweise die Stadt Solothurn. Erhält die Polizei Kenntnis von Bettlern, so entsendet sie laut Gribi «in der Regel eine Patrouille, die vor Ort den Einzelfall prüft und entsprechende Massnahmen einleitet, zum Beispiel Wegweisung, Verwarnung oder Strafanzeige». Bei besonderer Aufdringlichkeit und Beschimpfungen -- und immer dort, wo Kinder betteln oder mitbetteln müssen, sollte die Polizei verständigt werden.