Übersetzer

Wenn die Polizei nur Bahnhof versteht

Ein interkultureller Dolmetscher bei der Arbeit. Solche Leute sucht die Polizei Kanton Solothurn.

Ein interkultureller Dolmetscher bei der Arbeit. Solche Leute sucht die Polizei Kanton Solothurn.

Die Kantonspolizei Solothurn tut sich schwer bei der Suche nach Dolmetschern – besonders für exotische Sprachen. Besonders dringend werden Übersetzer für die semitische Sprache Tigrinya gesucht.

Die Kantonspolizei Solothurn versteht nur Bahnhof – und ist deshalb auf der Suche nach Dolmetschern. Auf der Website der Kantonspolizei findet sich seit längerer Zeit ein Stellenangebot für Übersetzer. Es sind nicht gerade die gängigsten Sprachen, für die die Kapo Dolmetscherinnen und Dolmetscher sucht: Tigrinya, Dari, Pashto und drei verschiedene kurdische Dialekte. Es handelt sich um Sprachen, die in Ländern wie Irak, Iran, Afghanistan, Syrien, Äthiopien oder Eritrea gesprochen werden.

Die Kantonspolizei benötigt die Übersetzer insbesondere für Einvernahmen von Beschuldigten, Auskunftspersonen oder Opfern von Verbrechen. «Die Suche gestaltet sich aber schwierig», sagt Thalia Mosimann, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn. Es fänden sich zwar immer wieder interessierte Leute, oftmals würden deren Sprachkenntnisse aber den Anforderungen für die anspruchsvolle Arbeit nicht genügen.

Besonders dringend werden Übersetzer für Tigrinya gesucht. Diese semitische Sprache wird in Äthiopien und Eritrea gesprochen. Der Bedarf erklärt sich durch die hohen Flüchtlingszahlen aus Eritrea. «Für Tigrinya gibt es zudem nur sehr wenige Dolmetscher, was zu Problemen führt», sagt Mosimann. Zur Not könne man aber auch Dolmetscher aus anderen Kantonen beiziehen.

Aktuell stehen so viele eritreische Flüchtlinge wie noch nie an der Schweizer Grenze im Tessin. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass der Bedarf an Übersetzern von Tigrinya in den nächsten Monaten noch weiter steigen wird.

Pflicht bei Strafprozessen

Trotz der schwierigen Suche ist man bei der Kantonspolizei Solothurn nicht darum besorgt, keine Dolmetscher zu finden: «Wir finden immer jemanden», sagt Mosimann. Die Strafprozessordnung verpflichte ohnehin zum Beizug eines Dolmetschers, erklärt sie weiter.

Obwohl die Kapo Solothurn hohe Anforderungen an die Dolmetscher hat, verlangt sie von den Bewerbern kein Sprachdiplom. «Die Voraussetzungen sind primär gute mündliche Sprachkenntnisse in Deutsch und der Muttersprache», erklärt Mosimann. Das zeige sich in der praktischen Arbeit sehr schnell. Die Dolmetscher müssen aber einen internen Kurs besuchen.

Wartezeiten sind normal

Fehlende Kenntnisse sind allerdings nicht das einzige Problem, wie die Polizeisprecherin erläutert. «Die meisten Dolmetscher übersetzen nebenberuflich und sind nicht immer verfügbar. Fraglich sei daher meistens auch der Zeitpunkt, zu dem die Übersetzer zur Verfügung stehen würden. Es müssten daher oftmals sehr lange Wartezeiten in Kauf genommen werden.

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