Äpfel, Birnen, Kirschen – dass wir diese Früchte im Sommer und Herbst geniessen können, verdanken wir den Bienen. Sie bestäuben etwa ein Drittel unserer Nahrungsmittel. Aber auch eine Vielzahl von Blumen und Gräsern sind auf die Bienenbestäubung angewiesen. «Insgesamt werden 80 Prozent aller Pflanzen von Bienen bestäubt», erklärt Marcel Strub, Leiter der Fachstelle Bienen der Kantone Solothurn, Basellandschaft und Basel-Stadt, die ihren Sitz am Wallierhof in Riedholz hat. Der Fortbestand der Biodiversität sei also von den kleinen grau-schwarzen Tieren abhängig. «Deshalb ist es wichtig, dass es genug Bienen und Imker gibt.»

Im Kanton Solothurn gab es um die Jahrtausendwende 10 039 Bienenvölker und 987 Imker. Im vergangenen Jahr waren es noch 4 971 Bienenvölker und rund 700 Imker. Für das laufende Jahr seien ähnliche Zahlen zu erwarten. «Vor etwa acht Jahren hat der überdurchschnittliche Bienenverlust begonnen», erinnert sich Strub. Jeden Winter seien etwa ein Drittel oder sogar die Hälfte der Bienenvölker gestorben. Wenn dies der Fall ist, fehlt es im Frühling an Bienen für die Bestäubung. Vor allem die Obstbauern seien aber auf die Bienenbestäubung angewiesen. Deshalb reisen Imker in den USA mit ihren Bienenvölkern von einer Obst- oder Mandelplantage zur nächsten. Auch in Deutschland ist es gang und gäbe, seine Dienste als professionelle Bestäubungs-Imker anzubieten. Diese beginnen ihre Tour oft mit der Zitrusblüte in Griechenland. Von dort reisen die Imker mit der Vegetation mit und rücken so etwa alle zwei bis drei Wochen einige 100 Kilometer weiter. «Im April treffen die Imker und Bienen dann rechtzeitig zur Bestäubung der Obstbäume in unserem Gebiet ein», erklärt Strub. Für ihre Dienste erhalten die Imker von den Obstbauern eine Gegenleistung, beispielsweise 70 Euro pro Volk.

«Als Imker sieht man es nicht so gern, wenn Bestäuber von weit her kommen.» Da die Bienen der Bestäubungs-Imker so weit herumkommen, sei die Gefahr grösser, dass sie Krankheiten oder Parasiten mitbringen. «So ist es uns ein Anliegen, aus eigener Kraft genug Bienen zur Bestäubung zur Verfügung zu haben.»

Die Bienenbörse sei ein Projekt, das aus diesem Anliegen entstanden ist, so Strub. Vor mehr als einem Jahr hat der Verein der deutschschweizerischen und rätoromanischen Bienenfreunde den nationalen Bestäubungs-Marktplatz eröffnet. Auf diesem Portal auf der Homepage des Vereins können Imker Bestäubungsdienste anbieten, und Obstbauern können diese gegen Bezahlung in Anspruch nehmen. Für diesen Austausch steht auf der Homepage zudem eine Vertragsvorlage zur Verfügung. Sie gibt Anhaltspunkte zu Vergütungen, Richtlinien und Haftungsbestimmungen.

«Die Bienenbörse ist ein begrüssenswertes Projekt», findet Strub. Dennoch werde sie wenig genutzt. Strub geht davon aus, dass es in der Schweiz zu wenige Imker gibt, die bereit sind, mit ihren Bienen zu reisen. Für Imker, die mit den üblichen Bienenhäusern und Bienenkästen arbeiten, sei das Reisen schwierig. «Den Jungimkern raten wir deshalb, mit mobilen Bienenkästen zu arbeiten. So können sie sich jederzeit dazu entschliessen, auf Wanderschaft zu gehen.» Ein weiterer Grund für den Misserfolg der Bienenbörse sei, dass sich die Obstbauern gerne regional organisieren. «Die Bienenbörse ist ein schweizweit aufbereitetes Projekt, dem Regionalität fehlt.» Dazu komme, dass vermutlich zu wenig für die Bienenbörse geworben wurde und weder Imker noch Obstbauern von dieser Möglichkeit wissen.

Im Kanton Solothurn gibt es aber durchaus Bestäubungs-Dienste: Ein grosser Obstbauer in Biberist beispielsweise organisiere sich mit lokalen Imkern und greife bei Bedarf auf deren Dienste zurück. Auch dem Jura entlang gebe es solche Projekte. «Hier läuft der Bestäubungs-Dienst hauptsächlich über die persönliche Beziehung zwischen Imker und Obstbauer.» In den letzten zwei Jahren seien solche Dienste im Raum Solothurn aber kaum nötig gewesen: «Aufgrund geringer Bienenverluste gab es kein Problem mit einer mangelhaften Bestäubung.» Ein Grund für das geringe Bienensterben sei die günstige Wetterlage und die erfolgreiche Schädlingsbekämpfung gewesen: Von August bis Dezember behandeln die Imker ihre Bienen mit Säure, um die Varroa-Milbe zu bekämpfen. «Wenn das Wetter kalt und nass ist, bringt die Behandlung weniger Erfolg.»

«Anstatt den Dienst der Bestäubungsimker zu nutzen, weichen manche Obstbauern bei Bienenmangel im Frühling auf Hummeln aus.» Vorteil dieser Methode sei, dass die Hummeln bereits bei einer Tagestemperatur von fünf bis sechs Grad Celsius fliegen und auch bei leichtem Regenwetter unterwegs sind. «Die Bienen dagegen bevorzugen zehn bis zwölf Grad Celsius und fliegen nur, wenn es trocken ist.» Für die Hummel-Bestäubung werden in den Niederlanden oder Nord-Deutschland Hummeln gezüchtet: «Indem sie gekühlt – beinahe tiefgefroren – werden, wird den Tieren Winter vorgegaukelt.» Wenn die Hummeln wieder aufgetaut werden, meinen sie, es sei Frühling und pflanzen sich fort. Da dieser Vorgang mehrmals im Jahr wiederholt werden kann, sei die Zucht überhaupt möglich. Während ein Bienenvolk im Frühling aus mindestens 10 000 bis 15 000 Tieren besteht, fasst ein Hummelvolk nur 150 bis 200 Tiere. Die Hummel-Bestäubung ist daher weniger effizient. Laut Strub leisten die Hummeln dennoch einen guten Beitrag. Dasselbe gelte für weitere Tiere, etwa die Wildbienen. «Alles, was zur Bestäubung unserer Natur beiträgt, ist wertvoll.»