Generalversammlung

Wenn der starke Franken die Laune der Handelskammer drückt

Thomas Jordan fürchtet sich vor einer zweiten Welle. (Archivbild)

Thomas Jordan fürchtet sich vor einer zweiten Welle. (Archivbild)

Nationalbankpräsident Thomas Jordan beehrt die Solothurner Handelskammer. Der Vorstand löchert ihn mit Fragen rund um den Franken.

Irgendwie war dieses Jahr fast alles aussergewöhnlich. Und natürlich trägt auch im Fall der 146. Generalversammlung der Solothurner Handelskammer das Coronavirus die Schuld. Eigentlich wäre der Anlass am 7. Mai im Landhaus in Solothurn geplant gewesen. Mit über 200 Gästen. Wie immer in den Jahren zuvor. Dann kam Corona.

Statt im Landhaus traf man sich am Freitag in der Villa Serdang in Feldbrunnen. Der Anlass wurde angepasst. Eine digitale Veranstaltung mit realen Gästen. Allerdings nur in sehr reduzierter Zahl: zehn Vorstandsmitglieder, vier Personen der Geschäftsstelle sowie ein Revisor. Und natürlich das Team von Jump TV, das den Event mit Kameras begleitete und live ins Internet streamte.

Die nächste Überraschung gleich zu Beginn der Veranstaltung. Handelskammer-Präsident Hansjörg Stöckli ist nicht da, sondern flackert über die Leinwand. Er habe sich am Morgen krank gefühlt, also meldet er sich per Videobotschaft.

Zurück nach Feldbrunnen. Weil der Präsident nicht da ist, übernimmt Vizepräsident Rolf Riechsteiner die prozessualen Aufgaben kurzfristig. Noch am Freitagmorgen habe er nichts von dieser Ehre gewusst, verrät Handelskammerdirektor Daniel Probst. Als sich die beiden am Rednerpult ablösen, schleicht sich ein schwarzmaskierter Mann dazwischen, spritzt Desinfektionsmittel auf das Holzpult und wischt alles sauber. Wundersame Corona-Wirklichkeit.

So heftig dürfte die zweite Kurzarbeitswelle werden

Der Lockdown ist längst beendet, aber die Normalität ist noch in weiter Ferne. Das zeigt sich auch insofern, als dass Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss diesen Herbst rund 1000 Erneuerungsgesuche für Kurzarbeit erwartet. Obschon die Hürden wieder erhöht wurden.

Dabei hätte die Schweizerische Nationalbank (SNB) erwartet, dass 2020 ein besseres Jahr wird als 2019. Es kam anders. Wir rutschten in die grösste Krise seit der grossen Depression vor fast 100 Jahren, so Stargast und SNB-Präsident Thomas Jordan. Eine Jahrhundert-Krise.

In dieser Situation waren und sind alle gefordert. Auch die Nationalbank. Auf mehreren Ebenen. Zum einen hat man mit Bund und Banken innert Kürze ein Kreditprogramm auf die Beine gestellt, das seines Gleichen sucht. Zum anderen hat sie SNB im grossen Stil an den Devisenmärkten interveniert, um den Franken vor dem Aufwertungsdruck zu bewahren. Wie immer in Krisen wurde der Franken als «sicherer Hafen» genutzt.

Jordan: «Würde unglaubliche Koste verursachen»

Der starke Franken war es denn auch, der den meisten Vorstandsmitgliedern der Handelskammer Kopfzerbrechen bereitet. Fast alle Fragen an Jordan drehten sich darum. Der SNB-Präsident beruhigte, sagte, dass man weiterhin alles daran setze, den Franken auf einem ertragbaren Level zu halten. Zugleich betonte er, dass die grösste Gefahr von einer zweiten Welle ausgehe. «Das würde unglaubliche Kosten verursachen», so Jordan.

Derweil steigen die täglich gemeldeten Fallzahlen weiter. Und man kann bloss hoffen, dass dieses aussergewöhnliche Jahr nicht noch aussergewöhnlicher wird.

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