Lärmklagen

Wenn das nächtliche Grillfest überbordet: Ruhestörungen halten Polizei auf Trab

Wenns nicht nur feuchtfröhlich, sondern auch laut wird, hat häufig die Polizei das zweifelhafte Vergnügen, für mehr Ruhe zu sorgen. (Bildmontage szr)

Wenns nicht nur feuchtfröhlich, sondern auch laut wird, hat häufig die Polizei das zweifelhafte Vergnügen, für mehr Ruhe zu sorgen. (Bildmontage szr)

Nicht nur «schwere Jungs» auf Einbruchstour machen den Polizeikräften derzeit das Leben schwer. Auch Veranstalter und Gäste feuchtfröhlicher, lauter Grill- und Gartenfeste halten mit ihrem Verhalten Kantons- und Stadtpolizeien auf Trab.

Das schöne Wetter animiert viele dazu, Feste zu organisieren und gesellige Abende mit Freunden und Bekannten im Freien zu verbringen – dagegen wäre eigentlich nichts einzuwenden. Denn genau dafür lieben wir doch den Sommer: Die Sonne geniessen, grillieren, ein kleines Gartenfest feiern und die lauen Sommernächte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen verbringen. Dass es bei solchen Gelegenheiten vor allem abends etwas lauter werden kann, wenn zumeist auch schon etwas Alkohol geflossen ist, ist allerdings keine Seltenheit.

Mehr Patrouillen im Einsatz

Und genau das bekommt die Kantonspolizei Solothurn derzeit zu spüren. In den letzten drei Wochen musste sie nicht weniger als 119 Mal ausrücken. «Grösstenteils wegen Lärmbelästigungen oder Ruhe- respektive Nachtruhestörungen», erklärt Mediensprecher Thomas Kummer auf Anfrage dieser Zeitung. Und fügt hinzu: «Es ist in der Tat so, dass wir im Sommer bei schönem Wetter deutlich häufiger ausrücken müssen als im Winter.»

Im Vergleich zum laufenden Monat, in dem die Kantonspolizei im Schnitt rund 40 Einsätze pro Woche leisten musste, waren es in einer durchschnittlichen Februarwoche bloss deren 16. Aus diesem Grund hat die Kantonspolizei derzeit an den Wochenenden zusätzliche Patrouillen im Einsatz.

Mit Information und Zivilcourage

Dass die Polizeikräfte aktuell mehr Einsätze wegen Lärmbelästigungen und Ruhestörungen leisten muss, hat allerdings nicht zur Folge, dass die Solothurner Friedensrichter, welche als erste Instanz für die Schlichtung von Nachbarschaftsstreitigkeiten zuständig sind, mehr zu tun haben. «Fälle von einmaligen Lärmbelästigungen oder solchen, die nur sporadisch auftreten, sind Sache der Polizei. Wir befassen uns mit permanenten Lärmbelästigungen wie bellenden Hunden oder lauten Radios, die jeden Abend laufen», sagt Martin Vogler, Präsident des Verbandes der Friedensrichter und Friedensrichterinnen des Kantons Solothurn.

Damit aber auch bei einmaligen Lärmbelästigungen durch Grillfeste oder ähnliche Veranstaltungen Probleme unter Nachbarn und allfällige Polizeieinsätze verhindert werden können, gibt Martin Vogler potenziellen Fest-Organisatoren Folgendes: «Informiert die Nachbarn doch im Vorfeld über den geplanten Anlass, warnt sie vor, dass es allenfalls etwas lauter werden könnte, und gebt eine Telefonnummer an, damit die Nachbarn eine Möglichkeit haben, während der Party Kontakt aufzunehmen. Das hilft in den meisten Fällen.»

Eine Empfehlung, der auch die Kantonspolizei Solothurn beipflichten dürfte. Thomas Kummer jedenfalls plädiert auch für das «rede mitenand» und sagt: «Mit etwas Zivilcourage wäre es für beide Parteien einfacher, ein bestehendes Problem selber aus dem Weg zu räumen, statt die Polizei zu rufen.»

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