Hier ist er nun also, der gebürtige Schwede aus Bulgarien, den keiner mehr haben will. Der alte Volvo sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlimm aus. Wenn er noch fahrbar wäre, dann könnte man ihn locker für ein paar hundert Franken auf «Ricardo» versteigern.

«Wir haben den Motor einmal gestartet, er klingt nicht sehr vertrauenserweckend», sagt der Polizist in Zivil, der daneben steht.

Die Autobahnvignetten an der Windschutzscheibe zeugen davon, dass der Volvo in den letzten drei Jahren in der Schweiz mehrfach unterwegs war. Exakt bis am 12. August hat der Besitzer, ein 25-jähriger Mann aus dem bulgarischen Dorf Kardam, jetzt noch Zeit, sein Auto abzuholen. So steht es im Amtsblatt des Kantons Solothurn vom 29. Juli 2016.

«Wir können nichts sagen»

Was hat es mit diesem Auto genau auf sich? «Wir können dazu nichts sagen. Wir haben den Auftrag vom Mediendienst der Kantonspolizei erhalten, das Auto hierher zu bringen, weil sich jemand von der Presse dafür interessiert», fährt der zuständige Polizist fort – ohne wirklich etwas zu sagen.

Aber warum gerade hier? Das wäre doch auch auf dem Werkhof möglich gewesen, dafür hätte man das Auto nicht in ein abgelegenes Industriegebiet bringen müssen. Die beiden Männer in Uniform, die mit ihrem Streifenwagen der alten Kiste offenbar Geleitschutz gewährt hatten, können sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Frage erscheint ihnen wohl ziemlich dumm.

Weit und breit ist kein Autotransporter zu sehen. Also ergibt sich durch das Schweigen und Grinsen der drei Polizisten eigentlich nur eine logische Antwort: Die Kantonspolizei muss irgendwo in der Nähe eine Abstellhalle gemietet haben und will das nicht an die grosse Glocke hängen.

Ausschreibung im Amtsblatt

Dass jemand ein Auto einfach so zurücklässt, das sei ein absoluter Einzelfall, erklärt Thomas Kummer als Medienverantwortlicher der Solothurner Kantonspolizei. «Im Fahrzeug waren Bulgaren unterwegs, die nicht fahrberechtigt waren. Das Auto wurde dann polizeilich sichergestellt und der rechtmässige Eigentümer zur Abholung aufgefordert. Dieser Aufforderung kam er nie nach, so dass die Ausschreibung im Amtsblatt erfolgt ist», beantwortet Kummer die Anfrage schriftlich.

Damit schaffe die Polizei die rechtliche Grundlage, um das Auto entweder der Vernichtung oder der Verwertung zuzuführen, falls sich der rechtmässige Besitzer, der in Bulgarien lebt, auf die Anzeige im Solothurner Amtsblatt nicht meldet.

Verfügung über den schwarzen PW im Amtsblatt.

Verfügung über den schwarzen PW im Amtsblatt.

Bald auf Ricardo?

Ein Delikt wird dem jungen Mann offenbar nicht vorgeworfen. Sonst könnte der zuständige Staatsanwalt oder der Richter den Verkauf des Autos einfach verfügen, um mit dem Gewinn einen Teil der Prozesskosten zu zahlen.

Und so muss der schwarze Schwede aus Bulgarien der Umweg über das Amtsblatt nehmen, um auf «Ricardo» anzukommen. Dort dürfte der Benutzer «Polizei KT Solothurn» den alten Volvo schon bald an den Meistbietenden verhökern wollen.