Technikwoche
Wenn 20 Kantischüler einen Verstärker bauen

Schüler der Kantonsschule Solothurn tauchen eine Woche lang in die Welt der Ingenieure ein und bauten sich einen Verstärker. So manche Blase entstand, so manche musste Haare lassen.

Simon Binz
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Technikerwoche an der Kanti Solothurn
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Die 20 Kantischüler brauchen beim Verstärkerbau viel Fingerspitzengefühl.
Hier ist ein ruhiges Händchen gefragt.
Technikerwoche an der Kantonsschule Solothurn
Kleine Teilchen gilt es zusammenzulöten.

Technikerwoche an der Kanti Solothurn

Simon Binz

Achmed verbrennt sich am Lötkolben. Er eilt zum «Brünneli», kühlt seinen Finger, klebt sich ein Pflaster drum. Schnell vergeht der Schmerz, es kann weitergehen. Derweil füllt sich der Raum mit einem eigenartigen, aber nicht unbekannten Duft. Joana bestätigt: «Ich glaube, ich habe mir ein paar Haare abgefackelt.» Gelächter erfüllt den Raum.

Ja, es geht definitiv die Post ab im Raum L18 des naturwissenschaftlichen Blocks der Kantonsschule Solothurn. Hier löten sich 20 Schüler und Schülerinnen im zweitletzten Schuljahr der Vertiefungsrichtung Biologie und Chemie die Finger wund. Sie sind damit beschäftigt, einen Verstärker zu bauen. Und das so kurz vor den Ferien. Warum? Ganz einfach: Die Klasse nimmt an einer Technikwoche teil, die vom Verband «IngCh Engineers Shape our Future» (siehe Box) organisiert wird.

Vorurteilen begegnen

Bereits zum dritten Mal findet an der Kanti Solothurn eine solche Technikwoche statt. «Viele Jugendliche wissen nicht, was ein Ingenieur eigentlich macht und verbinden den Beruf hauptsächlich mit Mathematik und grossen Maschinen. Dem wollen wir entgegenwirken», sagt Lea Hasler, Projektleiterin bei «IngCh». Ziel sei es, in dieser Woche alle Bereiche des vielseitigen Berufes vorzustellen und so Vorurteile abzubauen.

Der Verband IngCH

«IngCH Engineers Shape our Future» wurde 1987 von zehn Unternehmen verschiedener Branchen gegründet und umfasst heute
27 Mitglieder (ABB, Roche, Nestlé, Swisscom, UBS und weitere). Der Verband setzt sich für die Förderung eines qualitativ guten Ingenieurnachwuchses in der Schweiz ein. Seit 1992 führt IngCH darum Technik- und Informatikwochen durch. Das Projekt wird heute an rund 35 Gymnasien genutzt und erreicht rund 1000 Jugendliche jährlich. Die Technikwochen bieten ein interaktives und abwechslungsreiches Programm. Sie werden unterstützt von der Hasler Stiftung und der Swissmem. (sbi)

Kurz vor der langen Sommerpause heisst das für die Schüler, zuhören, zuschauen, Fragen stellen und selber zum Werkzeug greifen. Perfekt für die letzte Woche vor der grossen Sommerpause meint Klassenlehrer Benno Kofmel: «Die Notenabgabe ist vorüber und alle haben im Moment etwas genug von der Schule. Da kommt eine solche Woche gelegen.» Eine solche Woche umfasst: Besuche der Departemente Chemie und Biochemie sowie klinische Forschung an der Universität Bern, Rundgänge im Technopark Zürich und bei der Firma MAN Diesel & Turbo Schweiz AG, Referate und für alle klar die Highlights der Woche – die Workshops. Allen voran der Verstärkerbau.

Schüler helfen sich gegenseitig

«Mit diesem Workshop holen wir die Schüler ab. Musik begeistert die Jugendlichen und wir bauen mit dem Verstärker etwas, dass sie auch benutzen können», sagt Workshopleiterin Effi Tanner, Präsidentin der schweizerischen Gesellschaft für mechatronische Kunst. Für die sympathische Ingenieurin ist es nicht die erste Zusammenarbeit mit IngCH und sie ist sichtlich begeistert. «Würde es mir keinen Spass machen, würde ich es nicht machen. So einfach bin ich», sagt Tanner mit einem Lachen. Die Einfachheit von Tanner scheint auch zu den Schülern überzuschwappen. Unbekümmert hallt es von verschiedenen Seiten «Effi, Effi, Effi» durch den Raum, wenn Probleme auftauchen.

Die Schüler helfen sich aber auch gegenseitig, denn wie üblich haben einige mehr Erfahrung mit der Materie als andere. Klassenlehrer Kofmel ist von «seinem Haufen» begeistert: «Meine Schüler sind so engagiert, das macht richtig Freude.» Wie engagiert die Klasse wirklich ist, zeigt sich am Nachmittag. «Wir machen eine Viertelstunde Pause», wirft Workshopleiterin Tanner in die Runde. Keiner rührt sich. Allesamt haben noch immer ihre Hand am Lötkolben und die Luft wird nach wie vor vom Duft des geschmolzenen Zinns erfüllt. Erst, als Lehrer Kofmel sich erhebt, legt einer nach dem andern seinen Lötkolben zur Seite.

Bis auf ein paar wenige. So kommt es, wie es kommen musste. Jemand verbrennt sich am Lötkolben, eilt zum «Brünneli», kühlt seinen Finger und klebt sich ein Pflaster drum. Aber keine Sorge, auch hier ging es wieder weiter. Die selbst gebastelten Verstärker durften die Schüler schliesslich mit nach Hause nehmen. Und wenn auch die Tonqualität da und dort nicht ganz ideal ist: Die kleinen Kunstwerke werden zweifellos einen Ehrenplatz erhalten.