Amtsgericht Solothurn-Lebern
Wenigstens eine Zeugin des «Luxory»-Mordes bewies vor Gericht Mut

Ein weiteres Kapitel der Mordnacht im Grenchner Luxory Club wird aufgeschlagen. Vor dem Amtsgericht wurden Zeugen befragt. An besagte Nacht im April 2011 konnten sich zwei Männer aber nicht mehr erinnern. Eine mutige junge Frau sagte aus.

Hans Peter Schläfli
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Der Tatort vor dem «Luxory»: Was hier 2011 passierte, daran können – oder wollen – sich diverse Zeugen nicht mehr erinnern.

Der Tatort vor dem «Luxory»: Was hier 2011 passierte, daran können – oder wollen – sich diverse Zeugen nicht mehr erinnern.

Felix Gerber

Die Aufarbeitung der Nacht, als im Grenchner Luxory Club ein Sicherheitsangestellter erstochen wurde, geht in die nächste Runde. Diesmal standen zwei Freunde des zu 16 Jahren Gefängnis und anschliessender Verwahrung verurteilten Messerstechers Saban B.* vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern.

Saban B. wurde im Dezember 2012 vom Amtsgericht verurteilt. Er zog das Urteil weiter.

Saban B. wurde im Dezember 2012 vom Amtsgericht verurteilt. Er zog das Urteil weiter.

Tele M1

Die serbischen Staatsbürger mit kosovarischen Wurzeln sollen zur wütenden Meute gehört haben, die den flüchtenden, bereits tödlich verletzten Türsteher schlugen und mit Tritten traktierten.

Den Auslöser der Gewaltnacht vom 3. April 2011 lieferte der inzwischen verurteilte Drogendealer Islamovic R.*, der im Luxory Club beim Verkauf von Kokain erwischt wurde. Der später getötete Sicherheitsangestellte wollte ihn in einer Getränkekammer bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Doch deshalb machten der 38-jährige Bruder Kadri R.* und eine Gruppe von Freunden einen unglaublichen Tumult.

Als sich die Tür der Getränkekammer öffnete, stürzte sich die Meute auf den Türsteher, schlug, trat und verletzte das wehrlose Opfer – was juristisch unter der Bezeichnung «Angriff» zusammengefasst wird.

Die Mauer des Vergessens

Bereits bei früheren Verhandlungen in Zusammenhang mit der Mordnacht wurde von verschiedenen Zeugen eine Mauer des Vergessens aufgebaut. Dies war auch am Dienstag der Fall. Der damalige Betreiber des Luxory Clubs konnte sich ebenso wenig an Details erinnern wie ein türkischstämmiger Partygänger und zwei weitere Zeugen, die unschwer dem Kulturkreis der beiden Angeklagten zuzuordnen sind.

Staatsanwältin Melanie Wasem liess nicht so schnell locker: «Bei der ersten polizeilichen Befragung, als die Erinnerungen noch frisch waren, sagten Sie aus, dass Sie gesehen haben, wie Kadri R. im Gang auf den Sicherheitsangestellten eingeschlagen hatte», hielt sie Kastriot D.* vor. «Haben Sie damals gelogen?»

Eine Falschaussage wollte sich der Zeuge nicht anlasten lassen. Deshalb wich er aus: «Damals konnte ich mich noch genau erinnern, heute nicht mehr. Das, was ich damals der Polizei gesagt habe, das stimmt.»

Mutige junge Frau

Die Karten auf den Tisch legte nur Mona V.*, die sich zur Tatzeit draussen vor dem Luxory Club aufhielt. Sie belastete einen Unbekannten, den sie unter dem Namen Shibo flüchtig kannte, sowie den 30-jährigen Angeklagten Besim H.* schwer. «Wir haben alle gesehen, wie die beiden auf den Türsteher losgegangen waren. Besim hat ihn mit der Faust geschlagen, Shibo hat ihn mit dem Fuss getreten. Bei Besim habe ich gesehen, dass er etwas in der Hand hält, ich weiss aber nicht, was es war», fuhr die junge Frau fort.

Wurden Zeugen bedroht?

Mona V. machte kein Geheimnis daraus, dass sie Angst vor den Angeklagten hat. Dass sie als Erstes im Gerichtssaal für alle hörbar ihre genaue Wohnadresse angeben musste, wird ihr Sicherheitsempfinden sicher nicht gestärkt haben. «Das, was die gemacht haben, konnten alle sehen, aber Besim H. hat Drohungen ausgesprochen, dass er jeden umbringen wird, der etwas sagt. Deshalb hat wohl keiner den Mund aufgemacht. Ich weiss nicht, ob es ein Zufall war, aber zwei Tage nachdem ich vom Gericht die Vorladung bekommen hatte, stand ein fremder Mann bei mir auf dem Freisitz und ich musste die Polizei rufen.»

Mit dieser beklemmenden Aussage wurde die Zeugin vom Amtsgericht kommentarlos nach Hause geschickt.

Heute Mittwoch geht die Verhandlung mit den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung weiter. Die Urteilsverkündung ist auf den 2. Dezember angesetzt.

*Namen von der Redaktion geändert.