«Der Lehrstellenmarkt im Kanton Solothurn bleibt stabil», sagt Stefan Ruchti, Chef des Amtes für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen. Zwar würden im kommenden August im Vergleich zum Vorjahr rund 100 Jugendliche weniger eine Berufslehre starten. Das sei aber rein demografisch bedingt. Die Zahl der Schulaustretenden nehme seit 2012 stetig ab. In diesem Sommer werden es rund 2400 Schülerinnen und Schüler sein, welche die obligatorische Schulzeit beenden. Das sind in etwa 100 weniger als im Vorjahr.
Was heisst das konkret für den Lehrstellenmarkt 2017? Ruedi Zimmerli, Leiter Berufslehren beim Amt für Berufsbildung, legt die Zahlen auf den Tisch. Per Ende Mai 2017 waren bereits 1872 Lehrverhältnisse unterschrieben. Dies entspreche in etwa dem Zwischenstand in den Vorjahren. Hoch gerechnet bis Ende August– bis dann können Verträge abgeschlossen werden – sollten es dann rund 2170 sein. Im Jahr zuvor haben 2270 Schulaustretende eine Berufslehre begonnen. Darin eingeschlossen sind jene Lernenden, welche von den Gymnasien her oder aus einer Zwischenlösung heraus eine Lehre starten oder nach einem Lehrabbruch eine neue Ausbildung in Angriff nehmen. Die rückläufige Zahl der begonnenen Lehrverhältnisse werde bis 2022 anhalten. Denn bis dann sinke die Zahl der Schulabgänger aus demografischen Gründen. Erst danach werde deren Zahl wieder ansteigen.

4 Prozent ohne Anschlusslösung

Dessen ungeachtet bleibt die Berufslehre mit einem Anteil von rund 56 Prozent der Schulabgänger der nach der obligatorischen Schulzeit am meisten beschrittene Weg. Rund 26 Prozent wechselten ans Gymnasium oder eine Fachmittelschule und 14 Prozent absolvieren eine Zwischenlösung oder Übergangslösung. Wie in den Vorjahren würden Ende Juli 4 Prozent ohne Anschlusslösung dastehen. Dank intensiver Betreuung durch das Amt (Berufsberatung, Berufswahlplattform, Case Management, usw.) gelinge es jeweils, den Anteil der Anschlusslosen bis Ende August noch zu halbieren, erklärt Stefan Ruchti.

Trotzdem. Viele Schulaustretende finden den direkten Einstieg in die Berufslehre nicht. Denn auch denjenigen mit einer Zwischenlösung ist es nach neun Jahren Schulzeit nicht gelungen, eine Lehrstelle aus eigener Kraft zu finden. Das streitet Ruedi Zimmerli nicht ab. Es gebe einfach Schüler, die für eine Lehre noch nicht «reif» genug seien oder aus fehlendem Rückhalt in der Familie oder falschen Vorstellungen der Eltern sich nicht für einen Ausbildungsplatz qualifizieren können. Zimmerli setzt deshalb auch auf das neu eingeführte Fach «Berufsorientierung» auf der Sekundarstufe, in welchem die Schülerinnen und Schüler ihre Interessen, Stärken und Schwächen noch besser kennenlernen. «Sie werden so besser auf die Berufswelt vorbereitet und weniger auf unrealistische Berufswahl-Vorstellungen fixiert sein.»

Die Schulaustretenden ohne Lehrvertrag im Sack würden aber nicht fallen gelassen, betont Amtsleiter Ruchti. «Sie müssen halt eine Schlaufe machen», verweist er auf die – nach dem Wegfall des 10. Schuljahres – beiden wichtigsten Brückenangebote im Kanton Solothurn. Den Startpunkt Wallierhof in Riedholz und das Berufsvorbereitungsjahr am Berufsbildungszentrum in Olten. «Die beiden Institutionen arbeiten sehr erfolgreich», berichtet Ruchti. Insgesamt über 90 Prozent der Absolventinnen und Absolventen können nach einem Jahr in die berufliche Grundbildung einsteigen; sei es in eine zweijährige Attestausbildung (EBA) oder gar eine drei- oder vierjährige Lehre mit eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ). Trotzdem würden die beiden Brückenangebote nicht speziell beworben, ergänzt Zimmerli. «Denn unser Hauptziel ist es, die Schulaustretenden ohne Umweg auf direktem Weg in die Berufsbildung oder weiterführende Schulen zu bringen.»

Hohe Ausbildungsbereitschaft

Obwohl für die Unternehmen die Suche nach geeigneten Lernenden eben wegen der demografischen Entwicklung zunehmend schwieriger werde, bleibe deren Ausbildungsbereitschaft sehr hoch, beobachtet Renato Delfini, Abteilungsleiter der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung beim Kanton – auch in Zeiten grosser wirtschaftlicher Unsicherheiten. Vereinzelt werde zwar jeweils gross lamentiert über nicht besetzbare Lehrstellen. Das wirke sich, weil sofort pauschalisierend, negativ auf die Stimmung im Lehrstellenmarkt aus. «Dabei ist die grosse Mehrheit der Ausbildungsfirmen sehr engagiert und versucht alles, um die Lehrstellen besetzen zu können.» Aber auch dieses Jahr würden rund 300 Lehrstellen mit Beginn im August unbesetzt bleiben. Die Zahl aller Ausbildungsbetriebe im Kanton Solothurn liege unverändert bei rund 2600 Firmen.