Welcher Politiker, welche Politikerin geht mit wem? Warum pflegen die meisten von ihnen gar eine «Dreierkiste»? - Nein, hier gehts nicht um den Stoff, von dem die Klatschspalten der Regenbogenpresse leben.

Wir wollen nur wissen, welchen Lobbyisten und Beratern die Solothurner Parlamentarier die ihnen zustehenden je zwei Wandelhallen-Zutrittskarten zugeschanzt haben. Die Nachfrage zeigt: Während einige Gäste aus sehr naheliegenden Gründen ausgewählt scheinen, stecken hinter anderen zum Teil spezielle Geschichten. Ja, einige Volksvertreter kamen quasi wie die Jungfrau zum Kinde ...

SP: Gesundheit und Verkehr

SP-Nationalrat Philipp Hadorn, verschafft dem wohl ausgefallensten Gast Zutritt ins Bundeshaus: Annette Walder, Dolmetscherin und verantwortlich für das Gebetsnetzwerk in der Deutschschweiz.

Hadorn, selber aktiv bekennender Christ, wurde von Walder wegen eines solchen Tickets angefragt, «da sie gerne vor Ort für das Parlament, die ParlamentarierInnen, die Regierung und damit unsere Gesetze und Arbeit beten möchte.»

Er bewundere dieses ehrenamtliche Engagement und deshalb habe er Walder gerne einen seiner Badges zur Verfügung gestellt. Zudem lädt Hadorn mit Daniela Lehmann von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals eine Vertretung des öffentlichen Verkehrs in die Wandelhallen ein.

Partei- und Nationalratskollegin Bea Heim, engagierte Gesundheits- und Sozialpolitikerin, überrascht kaum mit der Wahl ihrer Begleiterinnen: zum einen Bettina Ramseier Rey, Vizepräsidentin von Curaviva (Verband Heime und Institutionen Schweiz), zum anderen Elsbeth Wandeler, die pensionierte frühere Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbandes für Pflegefachleute.

SP-Ständerat Roberto Zanetti erzählt von einer lustigen Geschichte: Er habe vor einer Session Bernhard Meier von den SBB getroffen, der auf der Suche nach einem Tageseintritt gewesen sei. Überrascht, dass Meier nicht schon über einen solchen Zutritt verfügt, nahm Zanetti den SBB-Mann nicht nur mit in die Session, sondern verlieh ihm auch gleich eines seiner Tickets.

Mit Giorgio Tuti kam ein alter Freund Zanettis aus «seinem» Gerlafingen zur raren Zutrittskarte. Der Eisenbahnergewerkschafter Tuti habe diese Karte sozusagen von seinem Vorgänger Ernst Leuenberger geerbt. Den Kontrast zwischen dem Verkehrspersonal-Gewerkschaftler und dem SBB-Vertreter habe noch recht spannend gefunden, sagt Zanetti. Und letztlich würden beide sowieso die ähnlichen Interessen vertreten.

«Zutrittsberechtigte profitieren»

Die von Nationalrat und Meisterlandwirt Urs Schläfli (CVP) (nach längerem Warten) Auserwählten sind Roman Weissen und Konrad Imbach. Weissen arbeitet als Geschäftsführer der KM Konsulta (Kommunikations- und Medienberatung und Lobbying) und ist ehemaliger Pressesprecher.

Weissen sei laut Schläfli kein häufiger Besucher im Bundeshaus und auch «nicht ein Lobbyist, der die Politiker verfolge». Er habe von seinen vakanten Tickets erfahren und ihn um eines angefragt.

Da habe er «mehrheitlich uneigennützig zugestimmt», sagt Schläfli. «Zurückhaltend und nicht allzu häufig im Bundeshaus» sei auch sein zweiter Gast: Konrad Imbach vom Verband «Hafner- und Plattengeschäfte» sowie Geschäftsführer von «GebäudeKlima Schweiz».

Auch Imbach habe das Ticket nicht aus Lobbyismus-Gründen erhalten, sondern als Freund und politisch interessierter Mensch. In erster Linie werden die Tickets aber durchaus primär den «Zutrittsberechtigten» dienen, und nicht den Parlamentariern, wie Schläfli betont.

Stefan Müller-Altermatt, ebenfalls CVP-Nationalrat, vergab nur eine seiner Karten: an Jürg Maurer, stellvertretender Leiter Wirtschaftspolitik beim Migros-Genossenschafts-Bund. Maurers Wissen in der Handelspolitik und Landwirtschaft habe den Ausschlag dafür gegeben, sagt Müller.

CVP-Ständerat Pirmin Bischof hat ebenfalls erst eine Eintrittskarte vergeben. Sein Gast und Berater ist Marco Taddei vom «Schweizerischen Verband freier Berufe», den Bischof präsidiert.

Energie- und Auto-Lobbyisten

FDP-Nationalrat und Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri zählt seit Jahren auf seine Begleiter: Dagobert Cahannes, Medienbeauftragter des Solothurner Regierungsrates und Michael Schmid vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie.

Cahannes fungiere als Ansprechperson für Fragen, die sich aus der Bundespolitik an den Kanton Solothurn richten und umgekehrt. Schmid berate ihn in der Energiepolitik. Diese ist für Fluri gerade bezüglich der stadteigenen Regio Energie wichtig.

SVP-Nationalrat und Motorsportfan Walter Wobmann hat erst ein Ticket vergeben: an Andreas Burgener, Direktor des Verbandes Auto Schweiz. Der zweite SVP-Nationalrat, Roland Borer, öffnet Hans Rudolf Hüssy, dem ehemaligen Zentralpräsidenten der Gesellschaft der Schweizer Luftwaffen-Offiziere, die Bundeshaus-Türen.

Beide teilen ein gemeinsames Hobby: die Vorliebe für Kampfflugzeuge. Auch sein persönlicher Mitarbeiter Erich Herren, eidgenössisch diplomierter Turn- und Sportlehrer, erhält Zutritt zu den Wandelhallen. «Sein Fachwissen als Akademiker ist mir sehr wichtig», so SVP-Nationalrat Borer.