Austauschtag
Welsche Primarklasse trifft auf «Gspänli» im Kanton Solothurn

Das Projekt «SchulreisePlus» will den Austausch von Schweizer Schulklassen fördern. Primarschüler aus Avenches besuchten 5. Klässler in Lohn-Ammannsegg.

Gizem Meric
Merken
Drucken
Teilen
Die Schüler aus dem Welschen werden willkommen geheissen
20 Bilder
Die Lehrerinnen v.l: Christine Wyss, Karin Müller
Französisch im Praxis-Test der 5.Klässler
v.l: Karin Müller, Christine Wyss
Karin Müller erklärt den Schülern ihre Aufgabe.
Die Steckbriefe werden ausgetauscht
Karim Müller erklärt wie es weitergeht.
Ab ins Freie

Die Schüler aus dem Welschen werden willkommen geheissen

Hanspeter Bärtschi

«Soyez les bienvenus – Wilkommen!». Mit diesen auf Buchstabentafeln gemalten Worten wurde die Schulklasse aus Avenches in Lohn-Ammannsegg herzlich empfangen. Im Rahmen des Projekts «SchulreisePlus» reisten die rund zwanzig Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrerin Christine Wyss frühmorgens aus dem Kanton Waadt in das «Neue Schulhaus».
Um das zu Beginn noch recht dicke Eis zwischen den Kindern zu brechen, haben Christine Wyss und Karin Müller, Französischlehrerin der Klasse aus Lohn-Ammannsegg, vorgängig ein französisches Lied mit ihren Schützlingen einstudiert.

Mit der Frage «Comment tu t’appelles?» gingen die insgesamt 46 Kinder jeweils auf ein «Gspänli» der anderen Klasse zu und stellten sich gegenseitig vor. Jedenfalls sollten sie das. Die zu Beginn recht schüchternen Schüler suchten sich nämlich vor allem die ihnen bekannten Gesichter aus. Es brauchte eine gewisse Zeit, bis sich einige Mutige vorwagten und den ihnen fremden Schülern die Hand hinstreckten. Nach einigen Anläufen überwanden dann aber sämtliche Kinder ihre anfänglichen Berührungsängste.

Nach der Begrüssungszeremonie gestalteten die Fünftklässler aus Avenches und Lohn-Ammannsegg persönliche Steckbriefe, die sie dann am Ende des Tages mit jemandem aus der jeweils fremden Klasse austauschten. Müller: «Dadurch wollen wir den Kindern ermöglichen, in Kontakt zu bleiben und neue Freundschaften zu schliessen.»

Projekt ist noch wenig bekannt

Die Begegnung der Klassen über die Sprachgrenze hinweg hat die CH-Stiftung eingefädelt, die sich für die Verständigung zwischen den Kulturen einsetzt. Auf diese Weise wird den Schülern ab der fünften Primarklasse ein Ausflug in unterschiedliche Sprachregionen und die Knüpfung neuer Kontakte ermöglicht. Die Kinder erleben die Vielfalt der Schweiz und können ihre Sprachkentnisse bei Gleichaltrigen anwenden. «Die meisten Austauschtage werden in den wärmeren Monaten durchgeführt», sagt Charlotte-Sophie Joye von der CH-Stiftung.

Nebst dem Besuch von deutsch- und französischsprachigen Schulklassen, seien auch Reisen in italienische Spachregionen der Schweiz möglich, so Joye. Die Projektkoordinatorin berichtet, dass für den Monat Juni derzeit –schweizweit – ungefähr zwei bis drei Schulreisen pro Woche geplant seien. Es dürften sich also durchaus noch einige weitere Schulen für eine solche «SchulreisePlus» anmelden. Dadurch dass das Angebot erst seit zwei Jahren besteht, sei die Möglichkeit nicht allen Schulen bekannt, meint Joye.

Eine wertvolle Erfahrung

Auch wenn das Aufeinandertreffen der deutsch- und französischsprachigen Kinder in Lohn-Ammannsegg – zu Beginn jedenfalls – nicht ganz reibungslos vor sich ging, liess sich Karin Müller nicht aus der Ruhe bringen. «Die Schüler waren im ersten Moment halt sehr aufgeregt, weil sie plötzlich mit fremden Kindern konfrontiert wurden», sagt sie. Auch Charlotte-Sophie Joye sieht die Situation gelassen. «Die anfängliche Nervosität der Schüler ist verständlich», weiss die ehemalige Lehrerin aus Erfahrung. Im Laufe des Tages sollte sich die Aufregung denn auch legen.

Das sonnige Wetter ermöglichte es, den Austauschtag nach einem gemeinsamen Mittagessen im Freien fortzusetzen. Zusätzlich bot die parallele Veranstaltung von «Schweiz bewegt» den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, sich am Orientierungslauf zu beteiligen. Für den Nachmittag waren denn auch zahlreiche Aktivitäten geplant. «Es ist schön, zu sehen, dass die Kinder Spass haben und dabei erst noch neue Erfahrungen sammeln können», sagt Karin Müller. Sie zieht denn auch ein positives Fazit aus dem Austauschtag.

Und bald schon ist es vielleicht so weit, dass die Fünftklässler aus Lohn-Ammannsegg nach Avenches reisen werden. Das Projekt «SchulreisePlus» schliesst nämlich ein, dass die Klassen sich gegenseitig in ihrer Heimat besuchen. Spätestens dann dürfte das Eis zwischen den Kindern aus den unterschiedlichen Sprach- und Kulturregionen der Schweiz endgültig gebrochen sein.