Manchmal hinterlassen die Mieter beim Umzug aus den alten Wohnungen Kisten, manchmal Müll und manchmal die einst geliebten Freunde.

So wird verzweifelt im nichtamtlichen Teil des Amtsblatts Kanton Solothurn nach einem Vogelbesitzer gesucht. An der Güterstrasse 2 in Luterbach wurde nämlich beim Auszug ein Wellensittich in Stich gelassen.

Die Immobilienverwaltung der Liegenschaft, die SBB, haben deshalb ein kurios anmutendes Inserat unter dem Titel «Herrenloser Vogel, Verwertung» geschaltet. «Mehrmals haben wir den Eigentümer aufgefordert, den Vogel abzuholen», meint Oli Dischoe, Mediensprecher der SBB. Dieser habe aber nicht darauf reagiert: Die Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung mit dem Besitzer sind für den Wellensittich gering.

«Unter Kostenfolge verwerten»

Der Vogel befindet sich derzeit im Tierheim Aarebrüggli in Grenchen. Sollte sich nun das Herrchen effektiv nicht melden, gilt es, das «in der Folge als herrenlos zu qualifizierende Tier unter Kostenfolge zu verwerten», heisst es im Inserat. Denn falls «dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wird, gehen wir davon aus, dass der Besitzbindungswille am Vogel aufgegeben wurde».

Glücklicherweise wird mit dem Verwerten nicht gemeint, dass das Tier geschlachtet, ausgestopft oder gerupft wird. Ivan Schmid, Inhaber und Geschäftsführer des Tierheims, löst das Rätsel um die skurrile Formulierung auf. «Das ist wahrscheinlich ein juristischer Ausdruck», sagt er. Lediglich bedeute es, dass das Tierheim den Vogel aufnehmen und pflegen wird – wahrscheinlich unentgeltlich.

Viele Ausreden erfunden

Wie Schmid weiter erklärt, sei dies kein Einzelfall. Oftmals fänden die Tierheimmitarbeiter hinterlassene Tiere in alten Wohnungen, meist in unmenschlichen Zuständen. Häufig handle es sich dabei um Katzen und Meerschweinchen; Hunde hingegen seien mit einem Chip gekennzeichnet und deshalb eher weniger zurückgelassen. Die Tiere blieben dann meistens im Tierheim, denn es sei schwierig, die Besitzer in Rechenschaft zu ziehen, «selten hat man Beweise, dass sie die effektiven Besitzer sind, und oftmals werden viele Ausreden gesucht», so Schmid.

Ein ähnliches Phänomen kann bei Todesfällen beobachtet werden: «Im Erbgang ist das Tier plötzlich eine Sache», stellt Schmid betrübt fest. Wenn das Tier niemandem mehr gehört oder es niemand mehr in Obhut nehmen will, landet das einst geliebte Wesen im Tierheim. Verkaufen könne man die Tiere meistens nicht, erklärt Schmid: «Nur wenn es sich um Rassentiere handelt, ist es einfach», ansonsten wolle niemand ein altes und vielleicht krankes Tier.