Bald schon ist klar, was die Schülerinnen und Schüler der dritten Primarschulklassen aus dem Kanton Solothurn im Vergleich mit ihren Gspänli aus dem Aargau und den beiden Basel leisten. Vor den Herbstferien haben im Bildungsraum Nordwestschweiz alle rund 12 500 Drittprimeler den gleichen Test ausgefüllt.

Erstmals findet damit in der Schweiz ein kantonsübergreifender Leistungs-Check unter allen Kindern einer bestimmten Altersstufe statt. Der «Check P3» misst das Können der Drittklässler in Deutsch und Mathematik. Pro Fach hatten die Kinder je 80 Minuten Zeit, um die Aufgaben zu lösen.

Zurzeit wir der Check am Institut für Bildungsevaluation der Uni Zürich von einem spezialisierten Team ausgewertet. Die Ergebnisse liegen Ende Oktober vor. Schüler, Lehrpersonen, Schulleiter und das kantonale Volksschulamt erhalten dann jeweils Einblick in einen ganz bestimmten Teil der Daten: Die Bildungsverwaltung wird wissen, wo der Kanton im Vergleich mit den anderen drei Kantonen steht.

Die Schulleiter kennen das Ergebnis der Klassen ihrer Schule im Vergleich mit dem Durchschnitt der Schulen im Bildungsraum. Die Lehrpersonen bekommen Einblick in die Leistungen der einzelnen Schüler ihrer Klasse und die Ergebnisse ihrer Klasse im Vergleich zu allen Klassen im Bildungsraum. Die Lehrpersonen haben dann die Aufgabe, Schülern und Eltern die Ergebnisse des Checks individuell zu erläutern.

Vergleich – und Förderung

Jahr für Jahr werden Drittprimeler künftig einen solchen «Check P3» ausfüllen. Ab September 2017 trifft das – mit dem «Check P6» – dann auch auf alle Schülerinnen und Schüler der sechsten Primarschulklassen in den vier Bildungsraumkantonen zu.

Hinzu kommen zwei weitere Checks auf der Sekundarstufe I, in der zweiten («Check S2») und dritten Klasse («Check S3»). Beide sind im Kanton Solothurn bereits eingeführt – und werden demnächst ebenfalls in allen vier Kantonen durchgeführt.

Ein aufwendiger Prozess für alle Beteiligten. «Die Checks sollen Schulen und Lehrern Sicherheit geben und die Glaubwürdigkeit gegenüber den Eltern stärken», meint Yolanda Klaus, die stellvertretende Chefin im Solothurner Volksschulamt. Möglich wird dies, weil die Checks das Können der einzelnen Schülerinnen und Schüler in Beziehung setzen zu einem riesigen Schülerpool.

Die Vergleichbarkeit von Schülerleistungen sei aber nicht der einzige Zweck der Checks, betont Klaus. Deren Aufgabenstellung ermögliche vielmehr eine individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen.

Während die Checks auf der Sekundarstufe mit beruflichen Profilen hinterlegt sind, steht auf der Primarstufe die rein schulische Standortbestimmung im Vordergrund. Zu Beginn der sechsten Klasse erfolgt diese im Hinblick auf den Übertritt in die Sekundarstufe I.

Der Check ist keine Prüfung

Die Bildungsverantwortlichen reden bewusst von einem «Check» und nicht von einer Prüfung. Rein formal unterscheidet sich der Check von der Prüfung darin, dass es dafür keine Noten gibt, die Bewertung erfolgt vielmehr über ein ausgeklügeltes Punktesystem.

Checks gehorchen aber auch grundsätzlich einer anderen Logik. «Mit einer Prüfung ziehen Lehrer und Schüler Bilanz über das im Unterricht Gelernte», erläutert Klaus. Die besten Schüler haben in der Regel auch keine Probleme alle Aufgaben zu lösen. Und selbst ein durchschnittlicher Schüler wird den grösseren Teil der Prüfungsaufgaben erfolgreich bewältigen.

Im Unterschied dazu beurteilen die Checks das Können der Schülerinnen und Schüler in einem umfassenderen Sinn, unabhängig vom spezifischen Unterrichtsstoff. Das Können respektive die Kompetenzen der Schüler in den einzelnen Fächern sind dabei bestimmten Kompetenzstufen zugeordnet.

Auch innerhalb der einzelnen Stufen sind einfachere oder komplexere Probleme zu lösen. Darunter Aufgaben, die selbst sehr gute Schüler vor eine Herausforderung stellen. «Solche Aufgaben sind bewusst als Anregung gedacht», meint Klaus.

Das aber bedeutet: «Selbst die besten Schüler werden den Check nicht vollständig lösen können und der Durchschnitt kommt etwa auf die Hälfte.»
Aufgrund solch sorgfältig entlang verschiedener Kompetenzstufen konzipierter Aufgaben erweisen sich die Checks als gutes Förderinstrument, ist Yolanda Klaus überzeugt. «Der Check zeigt detailliert auf, was ein Schüler kann und wo genau man ansetzen muss, um ihn zu unterstützen.»

Riesige Menge sensibler Daten

Ob zum Zweck der individuellen Förderung oder der Vergleichbarkeit von Schul- und Schülerleistungen: In rund zwei Wochen übermittelt das Zürcher Institut für Bildungsevaluation den einzelnen Kantonen, Schulen und Lehrpersonen eine riesige Menge sensibler Daten.

In Zusammenarbeit mit den Datenschutzexperten sei deshalb klar geregelt worden, wer welche Ergebnisse erhält, unterstreiche Yolanda Klaus. Für die öffentliche Kommunikation sei zudem alleine der Kanton zuständig.

Schulleitern zum Beispiel ist es verboten, Ergebnisse ihrer Schulen öffentlich zu machen. Mit solch strikten Regeln begegnet der Kanton auch Befürchtungen der Lehrerschaft, die vor einem Schulranking warnen.

Yolanda Klaus macht deutlich, dass das Volksschulamt weder über die Ergebnisse der einzelnen Schulen und schon gar nicht der einzelnen Schüler informiert wird. «Wir werden lediglich wissen, wie die Gesamtheit der Schulen im Kanton bei den einzelnen Fächern abgeschnitten haben.»

Sollte es im Vergleich zu den anderen Kantonen zu relevanten unerwarteten Unterschieden kommen, sei die Bildungsverwaltung gefordert. Vor allem aber sei es die Aufgabe der Schulen und Lehrpersonen, die Daten für die Weiterentwicklung des Unterrichts und zur Förderung der einzelnen Schülerinnen und Schüler zu nutzen.

Die Schulen stehen dabei in einem Vergleich mit Schulen und Klassen, die über eine ähnliche soziale Zusammensetzung verfügen. Bei der Anmeldung werden die Klassen jeweils eingeteilt in solche mit «privilegierenden», «mittleren» oder «benachteiligenden» Lernvoraussetzungen.