Umfrage
Welcher Bundesratskandidat ist für Solothurn die beste Wahl?

Die Wahlen stehen vor der Tür– eine Strassenumfrage in Solothurn bringt Kritik am Kandidatenprozedere der SVP zutage. Das sagen die Passanten zur Partei und ihren drei Kandidaten. Und was ist Ihre Meinung?

Vera Havrda, Andreas Toggweiler und Liliane Manzanedo
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Im Bundeshaus steigt die Spannung. Am 9. Dezember finden die Gesamterneuerungswahlen des Bundesrates statt. Das Thema Nummer eins: die drei SVP-Kandidaten und das Vorgehen ihrer Partei.

Wir wollten wissen, was die Leute auf den Strassen von Olten, Grenchen und Solothurn über die Wahlen denken, wie sie das Vorspuren der SVP einschätzen und ob für sie so ein zweiter SVP-Bundesrat infrage kommt.

«Kaum Zeit für die Politik»

«Ich habe leider kaum Zeit, mich aktiv mit politischen Themen auseinandersetzen», sagt Beat Neukomm. Der 52-Jährige ergänzt: «Das Führen des Ladengeschäfts ist sehr zeitaufwendig. Die Politik interessiert mich jedoch sehr», sagt der Inhaber der Düby AG.

Beat Neukomm, Langenthaler in Solothurn

Beat Neukomm, Langenthaler in Solothurn

AZ

Natürlich sei es unfair, dass jeder, der nicht zu den drei offiziellen Kandidaten der Partei gehöre, bei einer allfälligen Wahl aus der Partei ausgeschlossen werde. Auf die Frage, ob er den SVP-Anspruch trotzdem anerkennen würde, antwortet Neukomm: Ja, dieser zweite Sitz steht ihnen zu.»

«Leider gegen Ausländer»

Die beiden jungen Frauen, die 18-jährige Valentina Camera und die 17-jährige Doruntina Muhmutaj, würden – wenn sie selber im Parlament sitzen würden – keinen der drei SVP-Kandidaten wählen.

Valentina Camera, Bernerin in Solothurn (links) und Doruntina Mahmutaj, ebenfalls Bernerin in Solothurn

Valentina Camera, Bernerin in Solothurn (links) und Doruntina Mahmutaj, ebenfalls Bernerin in Solothurn

AZ

Dies, weil die Partei «gegen die Ausländer» sei. Die zwei Lernenden Detailhandelsfachfrauen aus Bern gestehen ein, dass sie mit dem Thema «Politik» nicht wirklich vertraut seien. «In der Schule haben wir erst vor kurzem mit diesem Thema angefangen», erklärt Camera.

«Thomas Aeschi versteht etwas von den Finanzen»

«Ich würde den Zuger Thomas Aeschi wählen. Er versteht etwas von den Finanzen. Für mich ist er der Kompetenteste», sagt Willy Berger aus Rickenbach. Leider sei eine der besten und kompetentesten Frauen, Evelyne Widmer-Schlumpf, aus parteipolitischen Gründen weggeschoben worden: «Das finde ich eine Frechheit.»

Willy Berger, Rickenbach

Willy Berger, Rickenbach

AZ

Für Willy Berger, der selbst bereits im Gemeinderat politisch aktiv war, spielt das Alter von Aeschi eine entscheidende Rolle: «Er ist der Jüngste. Den Jungen muss man Platz einräumen. Sie sind die Zukunft.»

«Nur drei Kandidaten – das ist falsch»

«Ich werde die Bundesratswahl sicher am Fernseher mitverfolgen», erklärt Verena Schär. Und die 61-jährige Grenchnerin ergänzt: «Über die drei SVP-Kandidaten kann ich nichts sagen, da ich sie zu wenig kenne. Ich finde es falsch, dass die SVP nur diese drei Namen akzeptiert. Das Parlament sollte den besten Kandidaten wählen können.»

Verena Schär, Grenchen

Verena Schär, Grenchen

AZ

Das verhalten der SVP ist «ein grosser Tanz»

«Das, was momentan in der Politik los ist, das nenne ich einen grossen Tanz», äussert sich der 75 jährige Rentner Samuel Ramseier zu den Bundesratswahlen. Das ganze Prozedere drum herum sei unübersichtlich, zeitraubend und für die Bürger schwer nachvollziehbar.

Samuel Ramseier, Solothurn

Samuel Ramseier, Solothurn

AZ

«Das mit den drei SVP-Kandidaten und dem Ausschliessen von weiteren Kandidaten, finde ich nicht in Ordnung und ich verstehe es nicht. In den letzten X-Jahrzenten ist mir so etwas noch nie untergekommen.»

Der angedrohte Parteiausschluss «ist ein No-Go»

Auch die 53-jährige Susanne Leist-Preisig äussert sich dezidiert kritisch. Ihre Antwort auf die Frage, ob für ein zweites SVP-Mitglied im Bundesrat ist, lautet: «Der Sitz steht ihnen zu.» Trotzdem: Wenn sie Mitglied der Bundesversammlung wäre, «würde ich nie einen SVP-Bundesrat wählen», so die Solothurnerin.

Susanne Leist, Solothurn

Susanne Leist, Solothurn

AZ

Das was jetzt in Bern los sei, könne man als riesiges «Gemurkse» bezeichnen. Das mit dem angedrohten Parteiausschluss eines allenfalls gewählten SVP-Sprengkandidaten, ist für sie «ein absolutes No-Go.»

Diese Massnahmen kämen einer Diktatur nahe. «Irgendwo müssen wir unbedingt die Bremse ziehen», ist Leist-Preisig überzeugt.