Öffentliche Verwaltung
Welche Verwaltung hat wie lange für die Bürger geöffnet?

Wer ausserhalb der normalen Büroöffnungszeiten die Dienste der öffentlichen Verwaltung beanspruchen will, stösst oft auf geschlossene Türen. Dem Ärger begegnen viele Verwaltungen mit längeren Öffnungszeiten.

Franz Schaible
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Luis Gomez, Leiter Einwohnerdienste bei der Stadtverwaltung Langenthal, hält die Tür des zentralen Einwohnerschalters länger offen.

Luis Gomez, Leiter Einwohnerdienste bei der Stadtverwaltung Langenthal, hält die Tür des zentralen Einwohnerschalters länger offen.

Hanspeter Baertschi

Die verlängerten Öffnungszeiten entsprechen offensichtlich einem Bedürfnis.» So zieht Luis Gomez, Leiter Einwohnerdienste bei der Stadtverwaltung Langenthal, eine erste Bilanz über den «langen Montag». Seit dem 1. Juli ist der neue Einwohnerschalter jeweils am Montag von 8 bis 19 Uhr durchgehend geöffnet.

Das neue Angebot – benannt wohl in Anlehnung an den «langen Samstag» in Deutschland, wo früher die Läden am ersten Samstag im Monat länger geöffnet hatten – sei an den beiden ersten Montagen rege benutzt worden. Am 1. Juli habe man den letzten Kunden um 18.20 Uhr bedient, am zweiten Montag um 18.45 Uhr. Das Angebot über Mittag werde von in Langenthal arbeitenden Bürgerinnen und Bürgern geschätzt, jenes nach offiziellem Büroschluss von zurückkehrenden Pendlern.

Gomez erwartet, dass die Frequenzen weiter ansteigen werden, wenn die neuen Öffnungszeiten in der Öffentlichkeit noch besser bekannt sind. Den Montag habe man gewählt, weil die im Vorfeld erhobenen Kundenfrequenzen zeigten, dass diese, ob persönlich oder telefonisch, am Montag am höchsten sind.

Ursprünglich gehe das Vorhaben auf einen politischen Vorstoss aus dem Jahre 2009 zurück, worin generell die Prüfung einer Ausdehnung der Öffnungszeiten gefordert wurde, wie sich Luis Gomez erinnert. Das Anliegen sei jetzt im Zusammenhang mit der Schaffung eines neuen zentralen Einwohnerschalters im Langenthaler «Verwaltungs-Glaspalast» realisiert worden.

Im Vordergrund stehe aber immer ein kundenfreundlicher Service für die Bevölkerung. «Die Stadtverwaltung ist jetzt pro Woche während 39 Stunden geöffnet. Mit dieser langen Präsenzzeit am Schalter liegen wir in der Region an der Spitze», mutmasst Gomez.

Olten hat am Samstagmorgen geöffnet

Bereits 2009 reagiert hat die Stadtverwaltung von Olten. Damals, am 10. Januar, öffnete die Einwohnerkontrolle erstmals ihren Schalter am Samstagmorgen von 9 bis 12 Uhr. «Wir wollten den berufstätigen Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit geben, ausserhalb ihrer Arbeitszeit die Einwohnerkontrolle besuchen zu können», blickt Alfred Küng, Abteilungsleiter Publikumsdienste bei der Oltner Stadtverwaltung, zurück. Die neue Dienstleistung werde von einem grossen Teil der Bevölkerung geschätzt und entsprechend genutzt. So liege die Anzahl der Besucher an Samstagen rund 15 bis 25 Prozent unter dem Wochendurchschnitt; wobei das Besucheraufkommen sehr stark schwanke.

Bei den telefonischen Kontakten erreiche das Niveau etwa die Hälfte des Wochendurchschnittes. Keine Unterschiede zur Woche gebe es bei den nachgefragten Dienstleistungen, meldet Küng weiter. Vereinzelte «Geschäfte» würden öfters nachgefragt, beispielsweise neue IDs für die ganze Familie. Die in den viereinhalb Jahren gesammelten Erfahrungen seien grossmehrheitlich positiv. «Wir möchten deshalb nach Möglichkeit zugunsten der Oltner Bevölkerung an dieser erweiterten Dienstleistung festhalten», folgert Alfred Küng.

Was für einige regionale Kleinstädte gilt, trifft auch auf die Grossstädte zu. «Befragungen haben gezeigt, dass die Erweiterung der Öffnungszeiten auf einen Wochenend-Tag einem expliziten Bedürfnis der Zürcher Bevölkerung entspricht», erklärt Nadine Ott von der Kommunikationsabteilung der grössten Schweizer Stadt. Die Schalter des Zürcher Stadtbüros sind jeden Samstag von 8 bis 12 Uhr offen. Insbesondere voll Berufstätige seien froh um die Möglichkeit zum Schalterbesuch ausserhalb der regulären Arbeitszeiten. Deshalb seien zudem die Kreisbüros jeden Donnerstag bis 18.30 Uhr geöffnet, ergänzt Ott.

Bern nimmt Bürger ernst

Auch in Bern werden die Bedürfnisse der Bevölkerung ernst genommen. Deshalb wurden die Schalteröffnungszeiten bestimmter Dienste, die besonders kundenintensiv sind, bereits seit längerer Zeit ausgeweitet oder den Bedürfnissen angepasst, wie Jürg Wichtermann, Stadtschreiber der Bundesstadt, erklärt. So seien etwa die Einwohnerdienste jeden Tag durchgehend über Mittag und donnerstags bis 18 Uhr geöffnet. «Darüber hinaus bleiben die Öffnungszeiten ein Dauerthema, um nach Möglichkeit auf sich ändernde Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen zu können.» Zur Diskussion stünden insbesondere Umlagerungen von Öffnungszeiten von schlecht nachgefragten zu anderen Zeiten, beispielsweise auf Samstagmorgen. Zudem soll auch der Online-Service ausgebaut werden.

Da kann die Solothurner Stadtverwaltung nicht mithalten. Die Einwohnerdienste sind laut Homepage von 8.30 bis 11.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Schalter sind also pro Woche ganze neun Stunden weniger lang offen für die Bevölkerung als beispielsweise neu in Langenthal. Die Kundenfreundlichkeit im Sinne von längeren Öffnungszeiten sei zwar immer wieder ein Thema, sagt Stadtschreiber Hansjörg Boll. «Aber wir erachten die heutige Lösung als den besseren Weg.»

Denn wer während der erwähnten Öffnungszeiten keinen Schalterbesuch einplanen könne, der könne trotzdem die Dienste der Verwaltung in Anspruch nehmen. «Jeder kann Termine auch ausserhalb der Schalteröffnungszeiten mit den verantwortlichen Personen vereinbaren», versichert Boll und verweist auch auf einen entsprechenden Hinweis auf der Homepage. Es gebe nur vereinzelte Anfragen wegen erweiterter Schalteröffnungszeiten. Offensichtlich, so Boll weiter, gebe es kein grosses Bedürfnis danach.

Grenchen macht Verlängerung rückgängig

In Grenchen wurde mangels Nachfrage eine Verlängerung der Öffnungszeiten wieder rückgängig gemacht, meldet die stellvertretende Stadtschreiberin Anne-Catherine Schneeberger-Lutz. Ende der 90er-Jahre habe die Gemeinderatskommission beschlossen, die Schalter versuchsweise für ein Jahr am Donnerstag über die Mittagszeit offen zu halten. «Diese Möglichkeit wurde aber kaum benutzt, sodass sie auf Ende 1999 wieder aufgehoben wurde.»

Zwei Jahre später sei der Gemeinderat auf ein Postulat «Verlängerung Schalteröffnungszeiten einmal pro Monat» aus «Gründen der Wirtschaftlichkeit und Sicherheit» nicht eingetreten. Wie in Solothurn bestehe aber «in dringenden Fällen» das Angebot der Verwaltung, auf telefonische Anfrage hin einen Termin ausserhalb der Schalteröffnungszeiten zu vereinbaren. «Gemäss Auskunft der Einwohnerkontrolle ist die Erweiterung der Öffnungszeiten bei den Kunden kein Thema», meldet Schneeberger-Lutz.

Das wird offenbar selbst in kleineren Gemeinden anders beurteilt. So hält etwa Biberist die Schalter am Montag bis 18 Uhr offen, Oensingen am Dienstag bis 18.30 Uhr sowie Balsthal gar am Dienstag und Donnerstag ebenfalls bis 18.30 Uhr. Damit wird dort den Bedürfnissen nach offenen Schaltern ausserhalb der normalen Bürozeiten Rechnung getragen, selbst wenn die drei Gemeinden nicht immer ganztägig «geöffnet» sind.