Vor Start des Lehrplans 21
Weiterbildungskurse sorgen beim Lehrerverband für Ärger

Der Verband Solothurner Lehrerinnen und Lehrer fordert Bildungsdirektor Remo Ankli auf, dass verschiedene Fragen geklärt und die Kosten ausgewiesen werden, bevor die Weiterbildungen und damit die Einführung des Lehrplans 21 gestartet werden.

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Remo Ankli bei einem Auftritt an einem kantonalen Lehrerinnen- und Lehrertag. (Archiv)

Remo Ankli bei einem Auftritt an einem kantonalen Lehrerinnen- und Lehrertag. (Archiv)

Ueli Wild

Der Verband Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO) stehe dem Projekt Lehrplan 21 grundsätzlich positiv gegenüber, schreibt er in einer Medienmitteilung. Die Harmonisierung der Bildungsinhalte und -ziele in der Deutschschweiz sei sehr zu begrüssen.

Der Entwurf des Lehrplans 21 enthält laut dem LSO jedoch zahlreiche Mängel. «Sowohl die Anzahl als auch das Niveau der Kompetenzen wurde in der Vernehmlassung von der Lehrerschaft grösstenteils als zu hoch beurteilt. Gefordert werden daher verschiedene Verbesserungen und Anpassungen.»

Bereits jetzt würden sich verschiedene Fragen hinsichtlich der Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Solothurn stellen. Dies, obwohl noch nicht klar sei, welche Anpassungen aufgrund der Vernehmlassungs-Rückmeldungen vorgenommen werden würden.

Lehrmittel «teilweise vorhanden»

«Geeignete Lehrmittel zur Umsetzung des Lehrplans 21 sind nur teilweise vorhanden», schreibt der LSO. «Es ist nicht sichergestellt, dass solche bei der geplanten Einführung des Lehrplans 21 zur Verfügung stehen werden. Es besteht die Gefahr, dass in einzelnen Fächer der Lehrplan 21 ohne die dafür notwendigen Lehrmittel umgesetzt werden muss.»

Die Kosten für die Lehrmittel (inklusive der Folgekosten, z.B. Computer-Ausstattung) seien nicht bekannt.

Viele unklare Fragen

Unklar sei nach wie vor, wie und wo eine kompetenzorientierte Beurteilung vorzunehmen sei. «Die kompetenzorientierte Beurteilung stellt einen echten Paradigmenwechsel dar. Dazu sind qualifizierte
Weiterbildungen der Lehrpersonen notwendig.»

Ebenfalls unklar sind laut LSO die künftigen Stundentafeln und «ob diese kompatibel mit den zu erreichenden Zielen und Kompetenzen sind».

Trotz Fragen würden bereits jetzt erste Weiterbildungsveranstaltungen zur Einführung des Lehrplans 21 angeboten und geplant. «Die Schulen kommen damit unter Zugzwang», schreibt der LSO. (ldu)

Der LSO fordert das Bildungsdepartement auf, folgende Fragen zu klären, bevor die Weiterbildungen und damit die Einführung des Lehrplans 21 gestartet werden:

• Wie und wann erfolgt die Klärung der Fragen, wie eine kompetenzorientierte Beurteilung vorzunehmen ist und welche Kompetenzen beurteilt werden sollen bzw. welche nicht?

• Wie sehen die zukünftigen Stundentafeln im Kanton Solothurn aus? Welche Unterschiede im Vergleich zu den heutigen Stundentafeln entstehen und mit welchen Kostenfolgen?

• Wie kompatibel sind die vorgesehenen Stundentafeln mit den zu erreichenden Kompetenzen des Lehrplans 21?

• Welcher Handlungsspielraum verbleibt für die Lehrpersonen und die Schulen?

• An welchen Kompetenzen sollen sich die Lehrpersonen des Kindergartens innerhalb des Zyklus 1 orientieren? Auf welchen Kompetenzen können die Lehrpersonen der 1. Primarstufe aufbauen?

• Welche Lehrmittel zur Umsetzung des Lehrplans 21 sind in welchen Fächern/Fachbereichen und in welchem Zyklus bereits vorhanden?

• In welchen Fächern/Fachbereichen und Zyklen fehlen die Lehrmittel noch und wann werden sie zur Verfügung stehen?

• Welche Kompetenzen sind im Kindergarten zu erarbeiten und welche Lehrmittel sind vorhanden oder werden erstellt?

• Welche Kosten für Lehrmittel entstehen für die Gemeinden?

• Mit welchen Folgekosten wie Computerinfrastruktur, Software etc. ist zu rechnen?

• Welche Weiterbildungen der Lehrpersonen sind für eine erfolgreiche Umsetzung des Lehrplans 21 zwingend notwendig? In welchem Zeitraum sind die Weiterbildungen zu absolvieren?

• Wie hoch sind die Weiterbildungskosten pro Lehrpersonen für die Gemeinden und für den Kanton?

• Wie werden die notwendigen finanziellen Mittel zur der Einführung des Lehrplans 21 durch den Kanton und die Schulträger sichergestellt?