Tourismus

Weissenstein-Seilbahn bietet eine «Chance für die touristische Entwicklung»

Tourismusprofis hecken derzeit Gedanken aus, damit die touristische Eiszeit am Weissenstein bald vorbei ist.

Tourismusprofis hecken derzeit Gedanken aus, damit die touristische Eiszeit am Weissenstein bald vorbei ist.

Für Fachleute ist klar: Wenn der Weissenstein Erfolg haben will, muss er sich inszenieren. «Eine schöne Landschaft alleine reicht nicht. Die haben andere auch», formuliert es Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus.

Mit einer Gondel, einer Kuh und einer Geiss hatte er in der Lenk grossen Erfolg: Roberto Di Valentino, Geschäftsleiter der Erlebnisplan GmbH, hat bei der Betelberg-Gondelbahn mit dem Label «Alpkultur» für 30 Prozent mehr Gäste gesorgt.

Dazu trugen – neben speziellen Wanderwegen und anderen Massnahmen – unter anderem auch Mona, die bedächtige Kuh, und Fläckli, die freche Geiss bei. Die beiden Tiere begrüssen Gäste in ausgewählten Gondeln.

Aromastoffe sorgen während der Fahrt für den richtigen Stallgeruch in der Kabine, gleichzeitig erzählen die Tiere den Gästen etwas über die Region. «Das Wichtigste ist, eine Geschichte zu erzählen.

Der Berg muss in Szene gesetzt werden», sagte Di Valentino gestern am Solothurner Tourismusforum im Alten Spital. «Die neue Seilbahn auf den Weissenstein als Chance für die touristische Entwicklung des Solothurner Juras», war das Thema des Forums.

Es müsse kein Disneyland auf dem Weissenstein gebaut werden, und auch Kuh oder Geiss mögen für den Solothurner Hausberg nicht angebracht sein, so Di Valentino – und verwies auf die Gornergratbahn in Zermatt: Dort garantiert allein die dramaturgisch gute Streckenführung der Bahn für ein Erlebnis.

Hauptsache bleibe die Geschichte, ohne die die touristische Vermarktung nicht funktioniere. «Wir gestalten schliesslich die sehr kostbare Zeit der Gäste», so Di Valentino. Das weiss auch Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus. «Eine schöne Landschaft alleine reicht nicht. Die haben andere auch», so sein Fazit. «Es ist noch viel zu tun».

Kein Trauerspiel ums Kurhaus

Sorgen bereitet dem Tourismusdirektor die Besitzverhältnisse des Kurhauses: «Statt an den Meistbietenden zu verkaufen, wäre es besser, wenn das Kuraus im Besitz der Seilbahn ist», kritisierte er indirekt die Kurhausbesitzerin, die Solothurner Regiobank, die das Haus verkaufen will. «Schauen wir uns nur das Trauerspiel ums Kurhaus Balmberg an.»

Projektideen für die Jurahöhen hat der Tourismusdirektor bereits in der Schublade. 2011 präsentierte er einen Masterplan, den die Churer Hochschule für Technik und Wirtschaft ausgearbeitet hat.

Rendite dank Parkgebühren

Christian Laesser, Professor an der Uni St. Gallen, ging von einer Grundanziehungskraft der Berge aus. Schon früh sei man hochgestiegen, schon früh habe man Tourismusprojekte in der Höhe realisiert.

«Die Berge haben schon immer Investitionen angezogen», sagte er. Ohne Zweitwohnungen sei eine Rendite am Berg heute aber schwer zu erzielen, ging er zur Seilbahn Weissenstein über. Als «Hochrisikoinvestition» bezeichnete er die Gondelbahn.

Wichtig für deren wirtschaftlichen Erfolg seien nun auch Fragen wie diejenigen, wer fürs Parking kassieren werde. Die Bahn müsse nun möglichst versuchen, kannibalisierende Angebote – wie eine geöffnete Strasse – zu verhindern, riet Lässer. «Wenn die Bahn ein Monopol hat, bestimmt sie die Preismechanismen.»

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