«Unserer Ansicht widerspricht die Ende Januar durch das Bundesamt für Verkehr erteilte Konzession den Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz», begründet Geschäftsleiter Adrian Schmid die Beschwerde des Schweizer Heimtaschutzes (SHS). Ende Januar hatte das Bundesamt für Verkehr (BAV) der neuen Bahn nach einen fast zweieinhalb Jahre dauernden Verfahren die Baubewilligung erteilt.

Seit Jahren setze sich der SHS für den Erhalt des historischen Sesselliftes auf den Weissenstein ein. «Die Anlage ist die letzte ihrer Art im Seilbahnland Schweiz und ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Ihre Zerstörung müsste als fataler Fehlentscheid eingestuft werden», schreibt die Organisation in ihrer Medienmitteilung.

Gründung wegen Solothurner Schanzen

Seit 1905 sei es die Kernaufgabe des SHS, Denkmälern eine Stimme zu geben. So geht seine Gründung auf den Kampf um die Erhaltung eines Teils der Solothurner Schanzen zurück. Oft hat sich der SHS in den letzten Jahrzehnten für Objekte eingesetzt, die vorerst als nicht mehr zeitgemäss beurteilt wurden, über die jedoch heute die Menschen glücklich sind, dass sie erhalten, geschützt und wieder genutzt werden. Das gilt in neuer Zeit auch für historische Verkehrsmittel, denen 2010 der Schoggitaler von Pro Natura und des SHS gewidmet war.

«Unvorstellbar ist heute, dass die grandiosen Raddampfer auf den Schweizer Seen der Verschrottung preisgegeben werden sollten», nennt der SHS Beispiele. Die Wiederbelebung der beliebten Furka-Bergstrecke mit ihrer Dampfbahn als Beispiel sei von einem jahrzehntelangen Hindernislauf – namentlich weil die technische Sanierbarkeit als unmöglich bezeichnet wurde- gezeichnet gewesen. Ähnlich stelle das BAV die technische Restaurierung des historischen Sessellifts auf den Solothurner Weissenstein und dessen Sicherheit in Frage. Dies obwohl bis anhin über Jahre die Betriebsbewilligung erteilt und aufrecht erhalten wurde.

Denkmal von nationaler Bedeutung nicht berücksichtigt

«Die historische Bahn ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung», so Schmid. Nicht nur im 2011 vom Bundesamt für Kultur erstellten Seilbahninventar wird die Bahn herausragend gewürdigt. Auch das Gutachten der eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz (ENHK) sowie der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) bestätigt die nationale Bedeutung.

«Die Plangenehmigung des BAV setzt sich mit diesen Fragen kaum und wenig überzeugend auseinander.» So fehle es zum Beispiel am Nachweis von einem nationalen Interesse für den geplanten Eingriff in das BLN-inventarisierte Gebiet.

Das Gutachten der ENHK und EKD bezeichnet diesen als schwerwiegend. Eine Beeinträchtigung wäre nur dann zulässig, wenn ein übergeordnetes nationales Interesse vorliegen würde. Das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz halte zudem klar fest, dass der Bund bei der Erfüllung seiner Aufgaben den Denkmälern grösstmögliche Schonung zukommen lassen muss. Weder liege ein nationales Interesse vor, noch haltet sich das BAV an die notwendige Schonung des Denkmals von nationaler Bedeutung, weshalb der SHS die Erteilung der Konzession als unzulässig erachtet. Er stützt sich dabei auf die gängige Rechtssprechung in Denkmalschutzfragen.

Stiftung Historische Seilbahn bestätigt Kaufinteresse

Der SHS und die Stiftung Historische Seilbahn Weissenstein bestätigen ihr Interesse am Kauf des historischen Sessellifts zu einem fairen Preis. Sie würden diesen umfassend restaurieren und im Interesse von Mensch und Natur wieder in Betrieb nehmen.

In den vergangenen Jahren hätten verschiedene mit historischen Anlagen vertraute Seilbahnexperten bestätigt, dass für den Sessellift des Typs Von Roll 101 kein zwingender Grund zur Stilllegung besteht. Zwar weise die Anlage nach heutigen Sicherheitsnormen Schwachstellen auf. Diese könnten jedoch mit gezielten technischen und betrieblichen Massnahmen behoben werden, ohne den historischen Wert der Anlage zu gefährden.

Keine Schuld an «Verzögerungen»

Die historische Bahn bietet laut des SHS ein einmaliges Erlebnis. Wegen wenigen Spitzentagen bestehe kein zwingendes Bedürfnis, eine neue Bahn zu realisieren, die bis zu dreimal mehr Gäste auf den Weissenstein transportieren soll. Die Seilbahn Weissenstein AG bringt es am 27. September 2011 im zuhanden des Bewilligungsverfahren eingereichten Masterplan «zur touristischen Entwicklung der Region Weissenstein» auf den Punkt: «Der Frequenzintensität auf den Weissenstein wird zulasten einer klaren Positionierung und spezifischer Zielgruppen der Vorzug gegeben. Wichtig ist, hier eine breite und ergiebige Masse an Gästen anzusprechen und sie gewinnbringend auf den Weissenstein zu bringen.»

Der SHS bedauert ausserordentlich, dass gegenwärtig keine Sesselbahnfahrten auf den Weissenstein stattfinden. Dass der Entscheid des BAV erst jetzt vorliegt, hänge mit der unnötigen Anpassung des kantonalen Richtplanes sowie mit der verspäteten Einreichung des Konzessionsbegehrens durch die Seilbahn Weissenstein AG zusammen. «Ebenso wenig lag es in unserer Verantwortung und jener des Vereins Pro Sesseli, dass ein Projekt vorgelegt wurde, welches von den Bundesbehörden aus umweltrechtlicher Sicht als nicht bewilligungsfähig beurteilt wurde, was aufwändige Projektmodifikationen erforderlich machte», so der Heimatschutz.

Stiftung Landschaftsschutz hat andere Meinung

Mit dem Entscheid des SHS kann die Gondelbahn kaum mehr in diesem Jahr gebaut werden. Am Freitag hatte die Stiftung für Landschaftsschutz mitgeteilt, dass sie auf eine Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht verzichtet. Nach Ansicht der Stiftung sei es so, dass wenn der Beschwerde gutgeheissen werde, es gar keine Bahn mehr auf den Solothurner Hausberg geben würde. Die Stiftung  erachtet aber eine Erschliessung mit einer Seilbahn als weit weniger schweren Eingriff in das nationale Schutzgebiet, als eine Erschliessung mit dem motorisierten Individualverkehr.