Ständeratskandidaten

«Weisse Socken in Sandale gehen gar nicht» – 33 Sommerfragen an Christian Imark

Karikatur von Christian Imark.

Karikatur von Christian Imark.

33 Sommerfragen an die fünf Solothurner Ständeratskandidaten – heute: Christian Imark, SVP, Fehren.

Was ist der Sommer für Sie? Zeit der Musse oder des Müssens?
Christian Imark: Definitiv Zeit der Musse, wobei ich stets versuche, die Vorzüge aller vier Jahreszeiten in vollen Zügen zu geniessen. Das Müssen ist ebenso Jahreszeit-unabhängig.

Gönnen Sie sich in diesen Wochen bewusste Nachlässigkeit?
Ich bin froh, dass ich im Juli die Zeit hatte, um Versäumnisse der vorhergehenden Wochen aufzuarbeiten. Zum Monatsende lagen sogar einige Tage Abwesenheit drin.

Was geht trotz etwas lockerer Sitten gar nicht?
Weisse Socken in Sandalen.

Für die einen ist der Sommer Traumzeit, für die anderen Übergangszeit zwischen Frühling und Herbst. Für Sie?
Sonne, Wärme und Entdeckung müssen nicht zwingend zum Sommer gehören. Aber diese Begriffe gehören für mich in eine Zeit der geistigen Entspannung und Auffrischung, mehr von der Natur kennen lernen, von unserer Gegend oder auch von fremden Ländern und Kulturen.

Bleiben Sie überzeugt daheim? Oder gehen Sie unverdrossen in den Süden?
Wir nahmen uns die Zeit, mit der Familie einige Tage Ferien in unseren Breitengraden zu verbringen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb sich die Affenhitze im Ausland besser aushalten lässt als zu Hause?
Dafür gibt es keine plausible Erklärung. Der Drang in die Ferne hängt wohl mit der Illusion zusammen, glücklicher zu sein, je weiter man von seinen Problemen wegfährt. Oder es geht darum, seinen Mitmenschen zu zeigen, wie «weit» man es gebracht hat. Trotzdem missgönne ich niemandes Fernweh.

Wohin führt Sie der Sommer?
Wir verbrachten einige Tage am Bodensee. Durch das heisse Sommerwetter fühlten wir uns wie am Lago Maggiore.

Und Ihr Sommersehnsuchtsort?
Ich gehe selten 2-mal an den gleichen Ort. Darum brauche ich auch keine Sehnsucht zu haben.

Und wohin wollten Sie schon immer einmal?
Ich träumte schon von Bora Bora. Das muss aber nicht unbedingt sein. Es gibt so viele schöne Destinationen in nächster Nähe. Viel wichtiger als die Destination ist sowieso die Lebenslust, welche ich mitbringe und entfalte.

Wenn Sie wählen können: Eistee oder Cüpli? Oder etwas ganz anderes?
Eistee geht gar nicht. Wenn schon, dann Wasser mit Minze und Zitrone. Zum Ausklang eines heissen Sommertages geht zum Beispiel ein kühles Glas Rosé.

Und für zwischen die Zähne? Vitello tonnato, T-Bone-Steak oder Couscous-Salat?
Ich bevorzuge lokale Spezialitäten. Wenn ich am Wasser weile, esse ich liebend gerne Fisch. Zuhause habe ich gerade Spare Ribs, von 3 Stunden Backzeit, mit gehonigter BBQ-Sauce entdeckt.

Sind Sie der Sonnen- oder der Schattentyp?
Ich bin gerne in der Sonne, nerve mich aber tierisch über Sonnenbrände.

Auch im übertragenen Sinn?
Vor etwa 25 Jahren las ich das Buch «Sorge dich nicht, lebe» von Dale Carnegie. Seither weiss ich, dass allen Ereignissen und Szenarien immer etwas Positives abzugewinnen ist.

Und wie ist es mit dem Wasser? Lieber drinnen oder draussen?
Ich bin gerne auf dem Wasser, im Wasser, in den Bergen, in der Wüste, im Regenwald und zuhause. Ich liebe Abwechslung.

Sind Sie der Pool- oder der Wildwassertyp?
Der Ausprobierer-Typ.

«An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab», schrieb Theodor Fontane. Ein gutes Motto?
Ja klar. Der frühe Morgen hat etwas Mystisches. Bewegung in der Natur regt zum Denken an. Plötzlich lösen sich Probleme von alleine.

Was ist Ihr Sommermotto?
Meine Leitgedanken passen grundsätzlich in jede Jahreszeit.

Apropos Lektüre: Haben Sie Thriller, Sommerschnulze oder ernsthafte Gegenwartsliteratur in der Badetasche?
Dieses Jahr hätte ich eher Lust auf Sommerschnulze. Leider bleibt momentan zu wenig Zeit dafür.

Wenn Sie wählen müssten: «Der Fall Deltschev» von Eric Ambler, «Das kleine Inselhotel» von Sandra Lüpkes oder «Der Stotterer» von Charles Lewinsky?
Das kleine Inselhotel.

Was lesen Sie gerade?
Wahlunterlagen und den EU-Rahmenvertrag.

Sommer – Zeit des Glücks. Des eigenen? Oder jenes der andern? Die meisten Ehen werden nach den Sommerferien geschieden.
Wenn das so ist, dann sind die Sommerferien nicht Ursache, sondern allenfalls Auslöser. Lebensweisheiten sollten in alle Jahreszeiten passen, nicht nur in den Sommer und schon gar nicht nur in die Sommerferien.

Umgekehrt: Was braucht es für Sie, damit die Sommerfrische nicht ein Phantom bleibt, das in der schwülen Nacht verdampft?
Die Fähigkeit, die spezifischen Vorzüge jeder Jahreszeit zu sehen und zu geniessen.

Apropos Illusion am Sommernachthimmel: Möchten Sie im Open-Air-Kino «Wolkenbruch» sehen oder doch lieber wieder einmal «Pretty Woman»?
Beides könnte zu einem spannenden Ausklang jener illusorischen Sommernacht führen.

Hand aufs Herz: Ist die Vorfreude auf den Sommer nicht regelmässig grösser als die Befriedigung darüber, was er am Ende gebracht hat?
Das kommt auf die Erwartungen an.

Vielen geht es so: Sie kommen anscheinend erfrischt aus den Ferien. Sie wollen so viel wie möglich in den Alltag retten. Und eine Woche später erinnern sie sich kaum daran, wo sie gewesen sind?
Es geht eben nicht darum, wo man gewesen ist, sondern, ob ich meine Begeisterung und Lebenslust entfalten konnte und damit dem Geist Erholung und Nahrung bieten konnte. Entfaltende Lebensarten können geistige Erholung und Nahrung übrigens auch ausserhalb der Ferienzeit erlangen.

Können Sie in den Sommerferien abschalten von der Arbeit? Oder bleibt es beim Vorsatz?
Von einer verantwortungsvollen Tätigkeit wochenlang vollständig abzuschalten ist schwierig und unter Umständen auch nicht sinnvoll. Vielmehr finde ich es spannend, kommenden Herausforderungen mit der Kraft innerer Ruhe zu begegnen.

Beunruhigt Sie die Abwesenheit der Arbeit, des Alltags manchmal?
Mit Blick auf die eigene Unternehmung kann die relative Ruhe in der Ferienzeit - hinsichtlich neuer Anfragen und Aufträge – durchaus beunruhigend sein. In der Regel erledigt sich diese Ruhe nach den Ferien sehr schnell wieder.

Und was ist mit der Politik und dem Wahlkampf?
Ziemlich nah. Insbesondere in der Funktion des Kantonalpräsidenten ist der Wahlkampf omnipräsent.

Besorgt Sie der Klimawandel in den Ferien mehr als im Alltag?
Nein. Wenn die eigenen Positionen nur kurzfristig richtig sind, handelt es sich um Trugschlüsse. Darum würde ich mich als Mitglied der Grünen über die eigenen Positionen ärgern, die nachweislich zu mehr CO2-Ausstoss führen: Verteufelung Dieselmotor, Ausstieg Kernenergie und CO2-Kompensation.

Verschicken Sie noch Postkarten? Oder haben Sie einen Ferienchat?
Wir verschicken einige Postkarten. Die Elektronik soll – wenn immer möglich – Sendepause haben.

Frank und frei: Was schreiben Sie Donald Trump auf die Postkarte, die Sie nie abschicken werden?
Du bist ein unmöglicher Kerl, für viele das grösste Feindbild und trotzdem oder gerade deswegen bist du sehr erfolgreich für dein Land. Das bewundere ich.

An welches Sommerferienerlebnis erinnern Sie sich besonders gern?
Die ersten Sommerferien am Bodensee mit Frau und Töchterchen Liah.

Und an welches mit Schaudern?
Regen von Juni bis September in einem Sommer meiner Kindheit.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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