Stadttheater Solothurn
«Weisse Rose» ist ein flammender Appell für Zivilcourage

Udo Zimmermanns Nachkriegsoper «Weisse Rose» bietet Gänsehaut pur.

Silvia Rietz
Drucken
Teilen
Marion Grange unbd Wolfgang Resch als Geschwister Scholl. Das Spiel der Ausnahmekünstler geht unter die Haut, bannt vom ersten bis zum letzten Ton.

Marion Grange unbd Wolfgang Resch als Geschwister Scholl. Das Spiel der Ausnahmekünstler geht unter die Haut, bannt vom ersten bis zum letzten Ton.

Sabine Burger

Das Theater Orchester Biel Solothurn bringt Udo Zimmermanns Nachkriegsoper «Weisse Rose» in einer Zeit auf die Bühne, während der Populisten und Rassisten weltweiten Zulauf erleben, die Schweiz von unterschwelligem Antisemitismus heimgesucht wird.

Die Solothurner Premiere mit dem grandiosen Sängerpaar Wolfgang Resch und Marion Grange als Geschwister Scholl entpuppte sich als eindringliches Kammerspiel, siebzig Minuten Gänsehaut pur.

Brutalität des Nazi-Regimes

Auf der Bühne zwei junge Menschen, die in der Todeszelle des Gefängnisses München-Stadelheim auf die Hinrichtung warten. Sie reflektieren ihr Leben, ihr Handeln, mit einem assoziativen Reigen an Gedanken, Briefen, Tagebuchnotizen, Erinnerungen. Kein eigentlicher Handlungsstrang, sondern Emotionen und Reflexionen, die das Unrecht und die Brutalität des Nazi-Regimes anprangern, zugleich den Sieg der inneren Freiheit über die Unmenschlichkeit demonstrieren und für mehr Mut zum Widerstand appellieren.

Die «Weisse Rose» gilt als Symbol für Zivilcourage und den deutschen Widerstand gegen das NS-Regime. In seiner Kammeroper erzählt Udo Zimmermann die letzten Stunden der Geschwister Scholl und hat dafür eine Musik geschaffen, die mit zwei Sängern und 15 Instrumenten auskommt.

Musik, die weit über das Emotionale hinausgeht. Märsche, Hymnen und zarte Klagelieder, Lyrismen verdeutlichen den komplexen Kosmos, indem sich Geschichte und persönliches Schicksal vereinen. Wieso Udo Zimmermann zu den aussagestärksten zeitgenössischen Komponisten zählt, verdeutlicht diese eindringliche Musik gerade in dem reduzierten Rahmen exemplarisch. Kaspar Zehnder und die Kammerformation des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn lassen dabei keine Wünsche offen.

Ausgezeichnete Inszenierung

Das karge Bühnenbild von Hudda Chukri mit Papierstreifen, die sowohl als Flugblätter wie als Gefängnisstäbe interpretiert werden können, und die raffinierte Lichtregie von Mario Bösemann, unterstützt Anna Dreschers aufs Wesentliche zielende Regie. Die beiden Protagonisten könnten sich in jedem Land, in jeder gegenwärtigen Diktatur aufhalten.

Auf ihren Gesichtern spiegelt Angst, Schrecken, Hoffnung und auch Lebensfreude. Marion Grange singt Sophie Scholl mit so viel Nuancen im Timbre, ausdrucksstark und mit leicht anspringendem Prachtsopran. Wolfgang Rasch ist ein Bariton, der auf Linie singt, schlank, intonationssicher und mit einer grossen Palette an Farben und Ausdruckgesten. Das intensive Spiel der beiden Ausnahmekünstler geht unter die Haut, bannt vom ersten bis zum letzten Ton.

Die junge Regisseurin wurde für die Inszenierung in Budapest mit dem Preis des Lauréat-Armel-Opera-Festivals ausgezeichnet. Auch für das Understatement, dank dem die Aufführung nie in Heldenverehrung und Pathos abdriftet. Ein grossartiger Abend mit einem flammenden Appell gegen jede Art von Unterdrückung.

Weitere Aufführungen im Stadttheater Solothurn, Mi, 7. Dezember, Do, 8. Dezember, 19.30 Uhr, Theater Biel, Mi, 4. Januar, Fr, 6. Januar, 19.30 Uhr.