Nez Rouge Solothurn/Oberaargau

Weise Fahrer rufen nach einem zu tiefen Blick ins Glas die «Roten Nasen»

Die freiwilligen Fahrer des Abholdienstes Nez Rouge sind auch dieses Jahr zuverlässig unterwegs. An einem ihrer Einsatzabende wurden sie von Mike Kurt, Kanute und Olypmia-Teilnehmer, unterstützt.

Es ist 21.30 Uhr und (noch) herrscht im Interkantonalen Feuerwehrausbildungszentrum (IFA) in Balsthal Ruhe. In einem gemütlichen Sitzungszimmer haben sich schon zwölf freiwillige Fahrer von Nez Rouge Solothurn/Oberaargau eingefunden.

Während die altersgemischte und vorwiegend männliche Gruppe Kaffee und Gebäck geniesst, brieft sie Sonja Hunziker, Verantwortliche Freiwillige, über Leuchtweste, Fahrtenblatt und Sponsorensack. «Wir erwarten heute nicht so viele Anrufe wie an einem Wochenende. Trotzdem weiss man nie, was kommt», meint Sonja Hunziker, die mit allem rechnet.

Nach der offiziellen Freischaltung der Telefon-Hotline geht es nicht lange, bis das kleine Büro der Zentrale von einem Klingeln durchströmt wird. Das erste Team aus drei Freiwilligen ist startklar. Für Power und Ausdauer sorgen in der Gruppe nebst den zwei jungen Fahrern auch Kanute und Olympia-Teilnehmer Mike Kurt. «Alkohol am Steuer ist ein absolutes No-Go», sagt der 33-jährige Solothurner und fährt fort: «Bei mir gilt dabei Null-Toleranz.»

Als er von Nez Rouge angefragt wurde, als Promi-Freiwilliger an einem Einsatz mitzuwirken, musste er nicht lange überlegen: «Auch im Sport sind wir auf Freiwilligenarbeit angewiesen. Deshalb unterstütze ich diese generell.» Hellwach steigt das Team nun in einen der fünf Einsatzwagen und gibt Gas.

«Rote Nasen» sind diskret

Abholort des ersten Kunden ist beim Amthausplatz in Solothurn. Dieser kommt in einer geraden Linie und gut aufgelegt auf die wartenden Freiwilligen zu. Sein Lachen breitet sich noch mehr aus, als er den prominenten Fahrer erkennt. «Heute ist wohl mein Glückstag», strahlt er. Es sei nicht das erste Mal, dass er den Nez-Rouge-Dienst nutze. «Bereits die letzten zwei Jahren habe ich jeweils einmal Nez Rouge angerufen», erzählt der 57-Jährige.

«Ich bevorzuge Nez Rouge gegenüber einem Taxi. Das Auto ist dann gleich zu Hause und man unterstützt diesen tollen Abhol-Dienst», erklärt der Kunde und fügt hinzu: «Nächstes Jahr werde ich mich vielleicht selber als Freiwilliger melden.» Nun folgt Mike Kurt den Kunden in die Tiefgarage zu einem Mercedes der alten S-Klasse.

Ohne Zögern übergibt der Kunde den Autoschlüssel dem freiwilligen Fahrer, der sich motiviert hinter das Steuerrad setzt und sich zum Zielort Bettlach aufmacht. Gefolgt wird das Kundenauto vom Nez-Rouge-Einsatzwagen, der den Freiwilligen am Ende der Fahrt wieder mitnimmt.

Im Auto kommt man schnell ins Gespräch. «Ich habe mit einem Geschäftspartner ein bisschen gefeiert. Da gebe ich den Schlüssel lieber ab», meint der weise Kunde. Mehr Details gibts dazu nicht – zumindest nicht offiziell. Denn das Motto, das für alle freiwillige Fahrer gilt, lautet: Was im Auto passiert, bleibt im Auto.

Vor der Haustür des Kunden angekommen erhält das Nez-Rouge-Team ein «Dankeschön» und ein grosszügiges Trinkgeld. «Die Kunden waren bisher immer sehr freundlich und dankbar», erzählt der 24-jährige Freiwillige Luca Salvisberger aus Bützberg, der dieses Jahr bereits an fünf Tagen im Einsatz war. «Es ist toll, dass auch Junge Freiwilligenarbeit leisten», ist Mike Kurt beeindruckt.

Zurück im IFA in Balsthal wartet um Mitternacht noch eines der fünf Teams in Sitzungszimmer. «Nur vier Teams mussten bis jetzt ausrücken. Es war ziemlich ruhig», sagt Sonja Hunziker, die während des ganzen Einsatzes mit anderen Vorstandsmitglieder in der Zentrale Anrufe entgegennimmt und Fahrten koordiniert. Bis 1.30 Uhr – offizieller Feierabend – kann aber noch einiges geschehen.

Nehmen eigentlich alle Nez-Rouge-Kunden des Alkohols wegen den Abholdienst in Anspruch? Im Gespräch mit einigen Freiwilligen stellt sich schnell heraus: Nein. Einige rufen beispielsweise auch an, wenn sie übermüdet sind oder aufgrund gefährlicher Strassenverhältnissen Unterstützung für die Heimfahrt brauchen. «Uns spielt es keine Rolle, was die Ursache des Anrufs ist. Wir holen jeden ab, der nach Hause gebracht werden will. Einzige Bedingung ist ein eigenes Auto», sagt Sonja Hunziker.

Am Ende des Einsatzes zählt die Zentrale 19 Einsätze. Bedeutend mehr Anrufe werden aber an Silvester erwartet. Für die Jahreswende werden noch Freiwillige gesucht.

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