«Das ist der Vater von Simon und das ist deine Mutter und hier ist dein Onkel.» Jugendliche stehen fasziniert vor den zur Schau gestellten Fotos im Schulhaus Zweien in Deitingen.

Eine Mutter meint: «Man erkennt Geschwister und Verwandte und stellt fest, wie ihnen die eigenen Kinder ähneln.» Ein jüngerer Mann äussert sich begeistert: «Ich komme jedes Jahr, bin hier aufgewachsen und wohne hier. Viele Fotos erinnern mich an Zeiten, die mir nicht mehr präsent sind. Sie zeigen mir die Geschichte Deitingens auf.»

An den Stellwänden hängen Bilder von diversen Schulklassen unter Rolf Studer. 40 Jahre hat der pensionierte Lehrer im Dorf unterrichtet. Fotos geben Einblick in die Elektrifizierung, in Schulreisen und Schulfeste, Skilager und in Fasnachtsanlässe sowie das Kantonale Schwingfest von 1989. Der damalige Sieger, Matthäus Huber, der während seiner Ausbildung zum Landwirt in Deitingen gewohnt hat, ist persönlich anwesend.

Gelächter erklingt bei den digitalisierten Bildern ab 1920, die Aktuar Christoph Juchli auf die Leinwand projiziert. Bereits ist auch die Seniorenfahrt 2014 Revue zu passieren.

Bewusst werden an den Sammel- und Infotagen auch neuere Fotos gezeigt, um möglichst viele Leute anzusprechen. Sichtlich gelingt dies, das Interesse in der Bevölkerung ist gross. Dies trotz des strahlenden Pfingstsamstags. «Das ist das Schöne an Deitingen, die Leute kommen immer», bemerkt eine Besucherin.

Sensibilisieren ist das A und O

Eingesetzt wurde die dreiköpfige Archivkommission im Jahr 2003, nachdem bereits im Jahr 1994 der damalige Kulturverein Sammlungen eingeläutet hat. «In erster Linie sammeln wir Schriften und Fotos, die mit dem führenden Archivprogramm ‹MuseumPlus› digitalisiert und archiviert werden», sagt Thomas Bürki, der seit Beginn als Präsident amtet.

In Obhut hat die Archivkommission aber auch einen «Chäswage» - während der Fasnachtstage wird Deitingen bekanntlich zu «Chäswil» -, den ein Landwirt geschenkt hat. Eingelagert ist ebenfalls eine alte Wagnerei.

Verantwortlich für die Digitalisierung ist seit einem Jahr der Archivar und Namensvetter des ehemaligen Lehrers, Rolf Studer. Alles wird brandsicher im Forsthaus der Bürgergemeinde aufbewahrt.

Er freut sich über die an diesem Tag übergebenen alten Zeitungen aus dem Jahr 1924 sowie an den kürzlich erhaltenen Filmspulen der Landwirtschaftlichen Ausstellung von 1978.

Aber nicht nur dieser Tag sei wichtig für die Archivkommission. Vielmehr gelte es, die Leute zu sensibilisieren, alte Unterlagen abzugeben. Wie etwa die Familie, die eine Liegenschaft gekauft und darin Fotos gefunden hat. «Wichtig für uns sind auch diejenigen, die Personen auf den Fotos benennen oder über Flur- und Übernamen informieren können», sagt Rolf Studer.

Auch Ahnenforscher hätten schon Informationen verlangt. Zu den Aufgaben der Archivkommission gehören zudem Fotoaufnahmen von Veränderungen im Dorf, etwa vom Fällen der alten Eichen bei der Kirche, vom Schachen, von alten Gebäuden, die neuen weichen müssen.

Zusammen mit Bring-und-Hol-Tag

Vorteilhaft erweist sich, dass gleichzeitig vor der Zweienhalle der Bring-und-Hol-Tag stattfindet. Seit 30 Jahren organisieren die inzwischen ehemaligen Mitglieder der Umweltschutzkommission diesen Austausch zum Nulltarif. Mit Glück findet sich auf den 20 voll belegten Tischen ein Schnäppchen. Obendrein kann dem knurrenden Magen mit dem angebotenen Risotto aus den Gusskesseln Einhalt geboten werden.