Die Ernte ist selten so gut ausgefallen wie in diesem Jahr. Alles ist tipptop.» Ruedi von Arx, Weinbauer aus Oensingen, ist begeistert. Der trockene Sommer hat seinen Reben gutgetan, die Ernte wog rund 500 Kilogramm. Er prognostiziert einen hervorragenden Jahrgang. «Donnerstagvormittag konnten wir den ersten Abdruck probieren.» 14 Tage früher als gewöhnlich hätte er mit der Traubenlese beginnen können. In Spitzenjahren hat er bisher 84 oder 85 Öchslegrad gemessen, in diesem Jahr sind es 86 gewesen.

In der Region gab es unter den befragten Weinbauern allgemein sehr gesunde Trauben und wenig Erkrankungen, die Trockenheit kam meist zugute. «Die Rahmenbedingungen für die Trauben waren hervorragend», schwärmt deshalb auch Hobbyproduzent Manfred Küng aus Kriegstetten. «Letztmals war es im Jahr 2003 mit seinem heissen Sommer so.» Beim Regent gab es durchschnittlich zwischen 80 und 90 Öchslegrad zu messen. «Der Jahrgang sollte einen gehaltvollen Wein ergeben.»

Genauso gelobt wird bei der Rebgemeinschaft Wartenfels. «Wir haben ein Hammerjahr mit einem sehr hohen Öchslegrad zwischen 90 und 100 für Weiss- und Rotwein», so Weinbäuerin Ruth Monnerat. Den Rebberg in Lostorf gibt es seit vierzehn Jahren. Angebaut werden die Sorten Johanniter und Seyval Blanc für den Weiss- sowie Blauburgunder, Cabernet Jura und Regent für den Rotwein.

Kaum bis gar keine Begegnungen hatten die Weinbauern in diesem Jahr mit der Essigfliege. Gerade im letzten Jahr sorgte sie vielerorts für grosse Schäden an den Trauben. Küng beispielsweise hatte letztes Jahr deswegen nur eine kleine Ernte, die lediglich zu Sauser und pasteurisiertem Traubensaft verarbeitet werden konnte.

«Für die Essigfliegen war es zu trocken, ihre Verbreitung ist stark von Feuchtigkeit abhängig», weiss Christoph Kaser, Önologe des Weingutes der Bürgergemeinde Solothurn im Rebberg in Le Landeron. Sie befalle auch Kirschen und Beeren, die sie wegen der dünneren Haut den Trauben vorzieht. «Die Kirschenernte hat in diesem Jahr teilweise arg gelitten, die Fliege ist also nach wie vor da und wird auch bleiben. Wir müssen lernen, mit ihr zurechtzukommen.» Noch gibt es kein wirkungsvolles Mittel, doch die Forschung ist am Ball. Am besten wäre nach Kaser ein Verwirrungsmittel oder eine Falle.

Le Landeron hatte eine sehr erfreuliche Ernte. Kaser ist aber nicht jemand, der gerne Prognosen für Jahrgänge macht, denn diese beruhen auf Vermutungen. «Es lässt sich nur schon sagen, dass es qualitativ einen guten, anständigen Jahrgang gibt», äussert er sich vorsichtig. Quantitative Einbussen gab es lediglich beim Pinot, dessen Standort tendenziell weniger Wasser aufweist als andere Böden.

Etwas mehr erhofft hat sich Hobby-Produzent Ueli Abbühl, der das Weingut beim Schloss Kyburg-Buchegg angelegt hat. Er meldet, dass es bei seinem Rebberg quantitativ zwar ein gutes Jahr gegeben habe, die Qualität aber lediglich «vernünftig» sei. Gerne hätte er die Trauben eine Woche später ausgelesen, doch nicht er, sondern der Winzer bestimmt das Datum. Der Septembernebel und die etwas kühleren Temperaturen dieses Monats sind seinen Trauben aber zugutegekommen.

Einerseits sehr zufrieden zeigt man sich beim Weingut Bachtelen in Grenchen, andererseits wird auch auf Mängel hingewiesen: «Wegen des trockenen Sommers gab es bei uns nur mittlere und kleine Beeren mit etwas wenig Saft», so Toni Schmid, Gründungsmitglied des Rebbauvereins Bachtelen. «Doch der Zustand der Trauben war hervorragend.» Beim Rebberg Bachtelen gibt es 450 Stöcke Weisswein-, und 120 Stöcke Rotweintrauben. Von der Menge her könne man mit dem letzten Jahr vergleichen. «Die Qualität beim Rotwein wird mittelmässig ausfallen, ist aber nicht minderwertig. Beim Weisswein wird sie sehr gut sein.»