Weihnachtsbaum
Weihnachtsschmuck konnten sich zuerst nur Reiche leisten

Das Stöbern in alten Schriften beweist, der Brauch mit dem geschmückten Baum ist noch relativ jung. Der erste Weihnachstbaum im Kanton Solothurn wurde 1839 in Grenchen aufgestellt.

Carla Stampfli
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Prächtige Weihnachtsbäume schmücken unsere Städte und Dörfer. Das gibt es aber noch nicht so lange.

Prächtige Weihnachtsbäume schmücken unsere Städte und Dörfer. Das gibt es aber noch nicht so lange.

Hanspeter Bärtschi

Sälbi Zyt, wonig im Waldland am Wyssestei deheim gsi bi, het me i de Burehüsere no nüt gwüsst vo Christbäume...», schrieb der 1875 im Galmis geborene Mundartdichter Josef Reinhart in seinem Kurzgeschichtenband «Us junge Johre. Öppis vo deheime». Während heute laut der IG Suisse Christbaum in der Schweiz etwa eine Million Weihnachtsbäume in den Stuben stehen, war es in der Region Solothurn zu Reinharts Zeiten um Weihnachtsbäume noch ruhig.

Der schöne Weihnachtsbrauch stammt aus dem Elsass, doch der Ursprung des geschmückten Baumes geht zurück auf Bräuche verschiedener Kulturen. Schon in der vorchristlichen Zeit verkörperten immergrüne Pflanzen wie Fichte, Eibe, Mistel oder Stechpalme Lebenskraft. Zur Zeit der Wintersonnenwende, die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, schmückten die Menschen ihr Zuhause mit immergrünen Bäumen und Zweigen.

Im Mittelalter lieferte dann das Weihnachtsspiel einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung des Weihnachtsbaumes. In den Kirchen wurde vor dem Krippenspiel die Szene im Paradies von Adam und Eva aufgeführt. Dazu gehörte ein mit Äpfeln behangener Paradiesbaum. 1419 wurde vermutlich der erste Weihnachtsbaum in Freiburg im Breisgau geschmückt. Nach einer unbelegten Quelle soll dort die Bruderschaft der Bäckerknechte einen Baum mit Naschwerk, Früchten, Nüssen, Flittergold und gefärbtem Papier geschmückt haben, den die Kinder an Neujahr abernten durften. Im 16. Jahrhundert berichten gesicherte Urkunden aus Ortschaften am Oberrhein vom Schmücken der Wohnstuben mit grünen Tannenzweigen, den sogenannten Maien.

Wälder wurden geplündert

Tannenbäume waren zu dieser Zeit in Mitteleuropa selten, und nur reiche Bevölkerungsschichten konnten sich einen Weihnachtsbaum leisten. Die Stadtbevölkerung musste mit Zweigen und anfallendem Grün vorliebnehmen, was zu wiederkehrenden Waldverwüstungen führte. Um dem Aushauen der Weihnachtsbäume entgegenzuwirken, wurden einschränkende Vorschriften oder Verbote eingeführt. «Niemant soll wynacht mayen hauen by daruff gesetzter strafe», heisst es beispielsweise in einem Elsässer Verbot aus dem 16. Jahrhundert. Auch die Kirche, die selbst Wälder besass, schritt gegen das Plündern ein. Der städtische Bedarf an Weihnachtsbäumen konnte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gedeckt werden, als vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden.

Aus dem Jahre 1605 stammen die ersten Aufzeichnungen über den Brauch, geschmückte Tannenbäume im Innern des Hauses aufzustellen: «Auff Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Strassburg in den Stuben auf. Daran henket man Rossen auss vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgold und Zucker», heisst es in einer Elsässer Chronik.

Der erste Weihnachtsbaum stand 1839 in Grenchen

Der Wasserämter Lehrer Viktor Kaufmann konnte einen der ersten Christbäume im Jahre 1872 im Haus von Julius Pfister, dem Direktor der Baumwollspinnerei Emmenhof in Derendingen, nachweisen. Aber schon 1839 stand in Grenchen ein Weihnachtsbaum. Darüber ist in einem Werk von Gustav Freytag nachzulesen. Im Anhang seiner Biografie «Karl Mathy» werden Mathys eigene «Erinnerungen aus meinem Leben» aufgelistet. Der badische Politiker und Journalist Mathy schrieb darin an einen Freund: «...also ward ein Baum hergeschafft, so gross, dass wir ihn ganz nieder stellen mussten, voll Zuckerwerk gehängt, dass nichts mehr daran ging, als Hauptzierde ein schöner Lebkuchen mit dem Kreuz; Kränze von Rosinen, dazu Zuckerkugeln und Feigen, weisse Wachskerzen daran». Mathy war 1834 als politischer Flüchtling in die Schweiz gekommen. Er wurde erster Grenchner Bezirkslehrer und zog 1840 wieder nach Deutschland, wo er später badischer Ministerpräsident wurde.(cs)

Allmählich verbreitete sich der Weihnachtsbaum über Europa und tauchte um 1775 erstmals in der Schweiz, in Zürich auf. Nahezu hundert Jahre braucht er, bis er dann in der Region Solothurn Eingang fand (siehe auch Box). Auch die Kirche, nachdem sie sich lange gegen die «heidnische» Tradition gewehrt hatte, beugte sich der grossen Beliebtheit und bindet den Weihnachtsbaum seit Ende des 19. Jahrhunderts in ihre Festlichkeiten mit ein.

Nordmanntanne ist beliebt

Von den rund einer Million verkauften Weihnachtsbäumen in der Schweiz «stammen fast 50 Prozent aus einheimischer Produktion, der Rest wird importiert», erklärt Philipp Gut vom Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz und Vorstandsmitglied der IG Suisse Christbaum. Der beliebteste Weihnachtsbaum ist die Nordmanntanne, gefolgt vor Rot- und Weisstanne. «In den Solothurner Forstbetrieben wachsen vorwiegend Rot- und Weisstannen, in den Bauernbetrieben wird vor allem die Nordmanntanne angebaut», erklärt Urs Wehrli, Leiter Kommunikation Waldwirtschaft Schweiz.

Einheimische Weihnachtsbäume haben den Vorteil, dass sie ökologisch produziert werden, frisch geschnitten und ohne über grosse Strecken transportiert zu werden, auf den Markt gelangen. Aus diesem Grund kaufen laut Waldwirtschaft Schweiz immer mehr Konsumenten ihren Weihnachtsbaum am liebsten direkt beim regionalen Bauern, Forstbetrieb oder auch Grossverteilern, die einheimische Bäume im Sortiment führen.