«Die Kroaten in der Schweiz bewahren die eigenen Traditionen, übernehmen aber auch schweizerische Weihnachtsbräuche», erklärt Šimun Šito Ćorić, Missionar und Koordinator der Kroatischen Mission des Kantons Solothurn. Auch in Kroatien seien viele unterschiedliche Kulturen aufeinandergetroffen: Je nach Region begegne man verschiedenen Traditionen. Die unterschiedlichen Bräuche können geschichtlich motiviert sein, wie der Philosoph und Theologe Ćorić erklärt: Kroatien wurde stark von verschiedenartigen Kulturen beeinflusst. 

Die Weihnachtsvorbereitungen beginnen vor der Adventszeit: Zuhause wird eine einfache Krippe aufgestellt. «Adventskränze gibt es auch in Kroatien», sagt Ćorić; mit deren Gestaltung sollte früh begonnen werden. In der Schweizer Gemeinde bastelt man fleissig Kränze, die für einen guten Zweck verkauft werden. Der Erlös aus dem Verkauf werde direkt im Heimatland eingesetzt; unterschiedliche Angehörige der Gemeinschaft überbringen nach den Feiertagen die Gelder persönlich an Bedürftige. «Manchmal wissen die Menschen aus der Gemeinde, dass in ihrem Heimatdorf eine Familie Hilfe braucht, dann nehmen wir dies auf und können sie unterstützen», sagt er. Auch in Kroatien ist der Wohltätigkeitsgedanke in der Adventszeit stark. In ruralen Gebieten sammeln die Bewohner oftmals Essen, um den weniger Wohlhabenden zu helfen, erklärt Ćorić.

Nebst den kulturell unterschiedlichen Bräuchen spielt auch die religiöse Vorbereitung aufs Weihnachtsfest eine bedeutsame Rolle, zentral sind die Sonntagsgottesdienste. «Wir laden oftmals wichtige Gäste ein», erzählt Ćorić, diese halten eindrückliche Predigen und unterstützen so die spirituelle Vorbereitung auf Weihnachten. «Es geht hierbei um eine geistige Erneuerung», sagt Ćorić – «Duhovna Obnova» auf Kroatisch.

Überraschende Adventszeit

Am 4. Dezember feiern die Kroaten den Barbaratag. An diesem Anlass besuche man Familie und Freunde, man trinke zusammen und äussere Glückwünsche, erläutert Ćorić; zudem sei dies die ideale Gelegenheit, um sich für Missetaten zu entschuldigen. An diesem Tag, oder je nach Region am Luciatag (13. Dezember), können die Adventskerzen in eine Tellersaat aus Getreide gesteckt werden, bis zum letzten Adventssonntag wächst dann das Getreide weiter, «das erfreut die Kinder», so Ćorić.

Die Versöhnungsthematik nimmt auch an den Adventssonntagen einen hohen Stellenwert ein. Der erste Adventssonntag – Djetinjci – sei für die Kinder gedacht, diese sammeln im Vorfeld kleine Geschenke für die Eltern, um sich so für schlechtes Verhalten zu entschuldigen. Am zweiten Adventssonntag – Materice – seien die Mütter dran und am dritten – Očićidie – die Väter: Alle kaufen sich mit Früchten und mit Wein von den Schuldtaten frei. «Die Familie kommt sich so näher und die Probleme werden spielerisch gelöst», erklärt Ćorić. An den Wochenenden, vor oder nach dem 6. Dezember, wird jeweils der Sankt Nikolaustag gefeiert. Wie in der Schweiz verteilt Nikolaus Geschenke. 

Am 24. wird gefastet

Die eigentlichen Vorbereitungen aufs Weihnachtsfest beginnen am Thomastag (21. Dezember). Erst zu diesem Zeitpunkt werden Süssigkeiten vorbereitet und Leckereien eingekauft. Gegessen wird das aber nicht sofort. Tagsüber werde am 24. Dezember gefastet, erklärt Ćorić, erst nach der Mitternachtsmesse und am 25. werde gegessen. «Es gibt kein traditionelles Weihnachtsmenu, jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten», sagt Ćorić. Meistens handle es sich um mehrere Suppen und einigen Hauptspeisen. Traditionell sei der «Janje», ein Kuchen, der wie ein Lamm aussieht. Auch gebe es speziell dekorierte Brote.

In diesem Sinne: Čestit Božić!