«Die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest sind in Indien und in der Schweiz sehr unterschiedlich», sagen Anna und Francis Kunnelparampil, Verantwortliche der Indisch-Katholischen Gemeinschaft.

«In Indien ist die Adventszeit Fastenzeit», erklärt das Ehepaar, das in Egerkingen lebt; so werde vom 1. bis zum 24. Dezember gefastet und gänzlich auf Fisch und Fleisch verzichtet. Wie die drei Weisen dem Christkind zur Geburt Geschenke überbringen, sollten auch die Menschen während der Adventszeit ein Geschenk für Christus vorbereiten. «Es geht nicht um materielle Geschenke, sondern um spirituelle Gaben», sagt Anna Kunnelparampil: Man bete täglich und mache gute Taten, zudem werde versucht, jeden Tag die Kirche zu besuchen.

Francis und Anna Kunnelparampil sind für die Indisch-Katholische Gemeinschaft verantwortlich.

Francis und Anna Kunnelparampil sind für die Indisch-Katholische Gemeinschaft verantwortlich.

Beten und Beichten

In der Schweiz sähe dies anders aus, erklärt das Ehepaar. Aber auch hierzulande versuche die Gemeinschaft, zusammen zu beten und sich in Gruppen zu treffen, um spirituelle und religiöse Diskussionen gemeinsam zu führen. Äusserst wichtig sei schliesslich auch das Beichtsakrament, das unbedingt während der Adventszeit stattfinden sollte. Ansonsten könne die Kommunion nicht empfangen werden: «Man muss eine reine Krippe im Herzen bauen, damit das Christkind hineinkommen kann», erklärt Anna Kunnelparampil. Nicht nur im Herzen sollte eine Krippe sein, sondern auch im Haus und in der Kirche. Sowohl in der Schweiz wie auch in Indien bereiten die Männer der Familien eine Krippe vor, «dafür dürfen nur natürliche Elemente – wie Äste, Blätter und Blumen – benutzt werden», erklärt Francis Kunnelparampil.

Erlebnisreiche Weihnachtsmesse

Am Ende der strengen Vorbereitungszeit wird das grosse Weihnachtsfest gefeiert. Die Feier beginnt in der nächtlichen Weihnachtsmesse. Ein Chor begleitet die Zeremonie mit bekannten Weihnachtsliedern, und ein echtes Krippenspiel stellt den Höhepunkt der Festivität dar. «Diese Aufführung wird vom Sankt Nikolaus eingeleitet», erklärt Anna Kunnelparampil, ansonsten sei aber der Heilige aus der Ostkirche (noch) nicht wichtig in Indien. Wenn die Heilige Familie in der Aufführung zusammenkommt und das Christkind auf der Welt ist, tritt plötzlich Luzifer auf. «Als Kind war das furchteinflössend. Jetzt wissen wir, dass dieser die negative Kraft symbolisiert», erzählt Anna Kunnelparampil. Der Teufel werde darauf schnell vom Erzengel Gabriel vertrieben: «Der Sieg des Guten über das Böse», so das Ehepaar.

Nach der heiligen Messe, geleitet durch den «Parish Priest», beginnen die Vorbereitungen für das lang ersehnte Festmahl. Bereits zum Frühstück werde reichlich gegessen – Appam und Curry – ein Fleisch- oder Fischcurry mit weissen, hostienähnlichen Fladen. Zum Mittagessen gibt es ein Byryani oder Reis mit Fisch- oder Fleischcurry. «Als Dessert dürfen der Christmas-Cake und ein guter Fruchtsalat nicht fehlen», erklärt Francis Kunnelparampil. Auch in der Schweiz feiert die Gemeinschaft zusammen das Weihnachtsfest: Über 100 Mitglieder versammeln sich für die Messe und für das gemeinsame Essen am 25. Dezember. Für diesen wichtigen Anlass werden die schönsten Kleider getragen, so können beispielsweise Frauen bunte Saris und Schmuck tragen.

Glauben ohne Konsumgeist

«Die spirituelle Vorbereitung auf das Weihnachtsfest ist das Wichtigste», erklärt das Ehepaar. Es sei für die indische Gemeinschaft nicht wichtig, irgendwelchen Bräuchen nachzueifern: «Nur Aktivitäten mit einem religiösen Hintergrund werden aktiv gelebt», erklären die beiden. So sei es beispielsweise in Indien gar nicht üblich, Weihnachtsgeschenke auszutauschen. «Man sollte dem Christkind ein Geschenk geben, nicht den Menschen», erklärt Anna Kunnelparampil. Am Anfang sei die westliche Geschenktradition befremdlich für das indische Paar gewesen, dies gebe es so gar nicht im Heimatland – was auch nicht negativ sei. Das Ehepaar Kunnelparampil erklärt, dass Geschenke zu einer Konsumgesellschaft führen, die nur auf materielle Werte fokussiert scheint und «die Kinder dann teilweise gar nicht mehr wissen, warum eigentlich an Weihnachten gefeiert wird». In der indischen Gemeinschaft werde der Glaube viel stärker und strenger gelebt, berichtet das Ehepaar, man bereite sich auf das Wiederkommen von Jesus vor und fokussiere sich auf die spirituellen Aspekte des Glaubens. In diesem Sinne: «Thirupiravi Ashamsakal».