Kanton Solothurn
Wehende Bierfahnen und «Literaturstadt Olten»: Städte lassen sich günstig beflaggen

Die Solothurner Städte lassen ganz unterschiedliche private Veranstalter mit wehenden Fahnen für ihre Events werben. Im Moment werben Fahnen auf den Solothurner Brücken für die Biertage. Sorgen macht man sich aber keine, dass es heikel sein könnte, den Biergenuss so offensiv zu propagieren.

Urs Moser
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Unübersehbar, dass Solothurn ab Donnerstag für drei Tage zum Mekka der Bierliebhaber avanciert.

Unübersehbar, dass Solothurn ab Donnerstag für drei Tage zum Mekka der Bierliebhaber avanciert.

Hanspeter Bärtschi

Ob es wohl die Visitenkarte war, die sich die Organisatoren von Swissmilk wünschten? Etwas vom ersten, was die Besucher am vergangenen Wochenende von Solothurn als zentralem Schauplatz des diesjährigen Tags der Schweizer Milch mitbekamen, war eine Bierfahne. 48 Fahnen, um genau zu sein. Für so viele ist auf der Wengibrücke, der Kreuzackerbrücke und der Rötibrücke Platz. Und aus Anlass der Biertage, die am Donnerstag eröffnet werden, sind die Solothurner Brücken voll beflaggt. Ab zwei Wochen vor einem Anlass erlaubt es die Stadt den Organisatoren, mit wehenden Fahnen auf ihren Event aufmerksam zu machen.

Ob die Promotoren der Schweizer Milch auch Interesse gehabt hätten, ihren Anlass mit eigenen Fahnen zu bewerben, ist nicht bekannt. Sie hätten sowieso den Kürzeren gezogen, denn bei den immer zahlreicher werdenden Events, für die sich die günstige Werbefläche auf öffentlichem Grund vielleicht auch noch anbieten würde, geht man bei der Vergabe nach dem Anciennitätsprinzip vor, wie Stadtschreiber Hansjörg Boll erklärt. Er ist gewissermassen der Herr über die Fahnenmasten in der Ambassadorenstadt.

Ein eigentliches Beflaggungsreglement kennt man in Solothurn nicht, man habe intern gewisse Spielregeln festgelegt, so Boll. Dazu gehört eben, dass Fahnen maximal zwei Wochen vor Beginn einer Veranstaltung gehisst werden. Dafür ist eine Bewilligung einzuholen, die Stadtschreiber Boll im Namen des Stadtpräsidiums erteilt – nachdem ihm die Sujets zur Begutachtung vorgelegt wurden.

Bier ist auch Kultur

Dass private, auch mehr oder weniger kommerzielle Veranstaltungen per Beflaggung auf öffentlichem Grund beworben werden, ist eine inzwischen verbreitete, aber doch eher neuere Erscheinung. Traditionellerweise werden die Schweizer-, Kantons- und Gemeindeflaggen zu offiziellen Feiertagen wie dem 1. August oder zu örtlichen öffentlichen Feiern wie zum Beispiel dem Schulfest in Olten gehisst. Entsprechend haftet einer Beflaggung irgendwie etwas Offiziöses an, auch wenn von den Fahnenmasten nicht das Schweizerkreuz, sondern – zum Beispiel – ein Filmtage-Logo weht.

Der Eindruck wird in diesen Tagen etwa in Olten unterstrichen, wo neben jeder Fahne mit dem Schriftzug «Literaturstadt Olten», die auf der Bahnhofbrücke auf die Eröffnung einer neuen Tour des Oltner Schriftstellerwegs aufmerksam machen, auch eine mit dem offiziellen Stadtwappen weht.

Man darf sich also schon die Frage stellen, wofür mit Duldung der Behörden geworben werden soll und darf. Ob es zum Beispiel nicht etwas grenzwertig ist, wenn wie derzeit in Solothurn grossflächig der Bierkonsum propagiert wird. Stadtschreiber Boll findet Nein. Ein Grenzfall sei vielleicht das Oktoberfest gewesen, für das er dann aber auch eine Bewilligung zur Beflaggung erteilte. Denn während dieser Anlass wohl in München altes Brauchtum sei, könne man bei den Kopien hierzulande doch eher von klar kommerziellen Veranstaltungen sprechen. Und es seien schon «mehr kulturell oder sozial ausgerichtete» Veranstaltungen, für die man in Solothurn eine Beflaggung bewillige.

Den Biertagen billigt man diesen kulturellen Aspekt zu, da die wieder in immer mehr Klein- und Kleinstbetrieben hochgehaltene Braukunst ja auch so etwas wie ein kulturelles Erbe ist. Veranstalter Alex Künzle darf auf den Flaggen nur ganz allgemein für Biertage, nicht aber etwa für sein eigenes Öufi Bier oder andere Produkte werben. Das gilt auch für alle anderen Events, für die Solothurns Brücken beflaggt werden. Sponsorenlogos auf den Fahnen lässt die Stadt nicht zu, auch Anfragen für die Beflaggung zu wirklich rein privatwirtschaftlichen Anlässen wie Firmenjubiläen habe man schon abgewiesen, umschreibt Stadtschreiber Boll die Grenzen der Kommerzialisierung.

20 Franken pro Fahne

Eher enge Grenzen für die Beflaggung zu kommerziellen Zwecken würde man wohl auch in Olten setzen, meint Stadtschreiber Markus Dietler. Auch hier gibt es aber kein eigentliches Beflaggungsreglement, neben den offiziellen Anlässen seien erst in den letzten Jahren auch vereinzelte Anfragen von privaten Veranstaltern gekommen, über die der Stadtrat im Einzelfall entscheidet.

Dem Wildwuchs sind in der Dreitannenstadt wohl schon durch eine restriktivere Preispolitik als in Solothurn Grenzen gesetzt: Zur Beflaggung stehen nicht drei, sondern nur eine, die Bahnhofbrücke zur Verfügung. Und wer dort seine Fahnen aufhängen lassen will, muss dafür um die 2500 Franken berappen, sofern der Stadtrat nicht aufgrund eines überwiegenden öffentlichen Interesses einen Kostenerlass beschliesst.

In Solothurn kommt man für weniger Geld zu wesentlich mehr Werbefläche: Die Benutzung des öffentlichen Grunds an sich ist für die Veranstalter gratis, die Arbeit des Werkhofs für das Hissen und wieder Einholen der Fahnen wird mit 20 Franken pro Stück verrechnet. Macht 960 Franken für die Beflaggung von Wengibrücke, Kreuzackerbrücke und Rötibrücke. Dabei wird nicht zwischen Film-, Literatur- oder Biertagen unterschieden.

Pragmatisch von Fall zu Fall geht man das Thema in Grenchen an, wo sich die Veranstalter von Grossevents nicht gerade die Türklinke bzw. den Fahnenmast in die Hand geben. «Die Beflaggung ist ein Zeichen der Freude und des Willkomms», sagt Stadtschreiberin Luzia Meister. So hingen denn während der internationalen Musikwoche neben den Flaggen der Veranstalter auch die der Stadt.

Eigene Fahnen hängen jeweils auch die Organisatoren des Uhrencups, der mia und der Grafik-Triennale auf. Einen fixen Preis dafür gibt es nicht, zum Teil ist die Abgeltung des Aufwands auch im Unterstützungsbeitrag enthalten, den die Stadt ohnehin an die entsprechenden Veranstaltungen leistet.

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