Das Thema Rasenmäher-Lärm beherrscht seit geraumer Zeit die SMS-Spalte dieser Zeitung. Stein des Anstosses war diese Kurznachricht vom 24. April: «Eine grosse Bitte an alle Benzin-Rasenmäher-Freaks in der ganzen Region: Bitte aktiviert eure Maschinen nur Mo-Fr von 8 h-12 h und 13 h-17 h. Damit kann auch die Nachbarschaft leben. Herzlichen Dank. Susi.» Rund 70 Kurznachrichten folgten seither auf dieses SMS. Viele machten ihrem Ärger Luft und sprachen davon, dass es einem Erwerbstätigen nicht möglich sei, zu diesen Zeiten den Rasen zu mähen. Andere sympathisierten mit der unbekannten Susi und wieder andere nervten sich an der Diskussion über «das belanglose Thema». Belanglos oder nicht, 70 Kurznachrichten sind Grund genug, Licht ins Dunkel des «Rasemäier-Gstürms» zu bringen.

Kanton gibt nur Empfehlung ab

Der Kanton Solothurn schreibt keine Sperrzeiten zum Rasenmähen vor. Die Gemeinden können aber zur Vermeidung von Nachbarschaftslärm per Reglement Aktivitäten wie Rasenmähen zeitlich einschränken. «Falls eine Gemeinde ein solches Polizei- oder Umweltschutzreglement hat, ist dieses online einsehbar und dort sind die Sperrzeiten vermerkt», erklärt Martin Stocker, Mitarbeiter der Fachstelle betriebliche Luftreinhaltung, Lärm und Elektrosmog im kantonalen Amt für Umwelt. Für Gemeinden, die keine geregelten Sperrzeiten zum Rasenmähen haben, gilt als allgemeine Gerichtspraxis die Empfehlung des Kantons. Diese kann online einem Merkblatt entnommen werden, sie ist aber gerade für Samstage sehr schwammig formuliert. Auf diesem wird auch gleich erklärt, was bei einer Lärmbelästigung zu tun ist. Stocker: «Der Betroffene sollte zuerst das direkte Gespräch mit seinem Nachbarn suchen. In vielen Fällen trägt dieser Schritt bereits zur Lösung bei.» Falls das Gespräch keinen Erfolg bringt, kann der Betroffene den Friedensrichter einschalten.

Selten vor dem Friedensrichter

Es kommt aber nur selten ein Fall vor den Friedensrichter: «Rasenmäher-Lärm fällt nur in den Zuständigkeitsbereich des Friedensrichters, wenn Gemeinden ein Reglement dazu haben», sagt Friedensrichter Markus Zubler vom Friedensrichterkreis Unterleberberg. Habe eine Gemeinde kein eigenes Reglement über die Ruhezeiten, könne der Kläger eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Im letzten Jahr habe er gerade mal eine Anfrage zum Thema erhalten und dort habe er eine Anzeige bei der Polizei empfohlen. «Ansonsten habe ich noch nie einen solchen Fall bearbeiten müssen.»

Derendingen: Gute Erfahrungen

Eine Gemeinde, die schon seit 1982 die Rasenmäherzeiten mit einer Polizeiverordnung regelt, ist Derendingen. Vor allem am Morgen ist die Wasserämter Gemeinde grosszügiger, als dies der Kanton empfiehlt. So darf bereits um 7 Uhr mit dem Mähen begonnen werden und über Mittag muss zudem nur eine Stunde pausiert werden (12 bis 13 Uhr). Am Abend darf bis um 19.30 Uhr «gelärmt» werden - samstags aber nur bis 18 Uhr. «Wenn im ganzen Jahr zehn Beschwerden auf der Gemeinde eingehen, ist das schon sehr viel», sagt Roger Spichiger, Leiter Bau und Planung. In Derendingen kenne man das «Rasemäier-Gstürm» zwar aus der Zeitung, aber in der Gemeinde selbst seien dieses Jahr nicht mehr Beschwerden als üblich eingegangen. «Bis jetzt waren es zwei», so Spichiger.

Auch in der Stadt Solothurn gibt es Sperrzeiten. Definiert sind diese in der Polizeiordnung vom Jahr 1992. Wie in Derendingen darf auch in der Hauptstadt bereits um 7 Uhr mit Mähen begonnen werden und auch die Mittagspause ist gleich geregelt. Die Solothurner sind aber vor allem am Abend noch etwas grosszügiger mit ihren Einwohnern, es darf nämlich bis um 20 Uhr gemäht werden - auch samstags. «Mir ist in diesem Jahr noch keine Beschwerde zu Ohren gekommen», sagt Polizeikommandant Peter Fedeli auf Anfrage. Dass jemand wegen Rasenmähens angezeigt werde, komme sehr selten vor. In der Vergangenheit habe man oft die Quartier-Polizisten als Vermittler vor Ort geschickt. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die meisten Lärm-Probleme zwischen Nachbarn lösen, wenn diese miteinander reden.»

Zuchwil und Grenchen: Ohne Regel

Im Oktober 2010 lehnte der Zuchwiler Gemeinderat ein Polizeireglement ab, erinnert sich Peter Baumann, Abteilungsleiter Bau und Planung. «Es wurde damals entschieden, dass die Zuchwiler Bevölkerung so etwas im Moment nicht braucht.» So könne er auch das «Geschrei» in der SMS-Spalte nicht nachvollziehen. «In Zuchwil kennen wir diese Probleme nicht», so Baumann. Die Frage drängt sich auf, ob es denn in der Gemeinde ohne Reglement also möglich wäre, bis zur Nachtruhe um 22 Uhr seinen Rasen zu mähen? Baumann winkt ab: «Etwas Vernunft erwarten wir schon», sagt er und verweist auf die kantonalen Empfehlungen.

Auch in Grenchen gibt es keine Polizeiverordnung. Somit sind auch die Rasenmäher-Zeiten nicht geregelt. «Trotzdem haben wir keine grossen Probleme», sagt Robert Gerber, Kommandant der Stadtpolizei. In diesem Jahr ist ihm noch gar keine Beschwerde zu Ohren gekommen. Im Durchschnitt würden sich wegen Rasenmäher-Lärms gerade mal vier bis fünf Personen pro Jahr bei der Polizei melden.

Oensingen: Keine Beschwerden

Anfang 2012 trat in Oensingen das Polizeireglement in Kraft. Darin werden auch die Rasenmäher-Zeiten geregelt. Anstoss zur Erarbeitung eines solchen Reglements sei aber nicht das Rasenmähen gewesen, erklärt Pascal Estermann, Stabschef des Gemeinderats. «In den Jahren 2009 und 2010 hatten wir viele Reklamationen wegen Littering.» Die Rasenmäher-Sperrzeiten sind in Oensingen an Wochentagen gleich wie in Solothurn (7-20 Uhr mit einer Pause 12-13 Uhr). Am Samstag darf aber erst um 8 Uhr mit Mähen begonnen werden und auch nur bis um 17 Uhr. «Mir ist seit der Umsetzung des Reglements noch keine Beschwerde zu Ohren gekommen», so Estermann.

Kapo appelliert an Vernunft

«Es gibt schon auch Anrufe aufgrund Rasenmäher-Lärms», sagt Thalia Schweizer, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn. In einem solchen Fall rücke die Polizei aus und schaue sich das Problem vor Ort an. Die Kapo appelliert zudem an die Vernunft der Bürger, dass, in einer Gemeinde ohne Polizeireglement, nicht bis zur Nachtruhe um 22 Uhr Rasen gemäht wird.