Brief soll «aufrütteln»
Wegen Personalmangel: EVP Kanton Solothurn «steht am Scheideweg»

«Wie weiter?», fragt die kantonale EVP ihre Anhänger in einem Brief. «Können bis zur Generalversammlung keine Vorstandsmitglieder gefunden werden, muss die EVP im Kanton ihre Arbeit einstellen», heisst es da. Ist die Lage so dramatisch?

Lucien fluri
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René Steiner ist Kantonsrat und EVP-Co-Präsident.

René Steiner ist Kantonsrat und EVP-Co-Präsident.

Den Durchbruch konnte die Solothurner EVP nie feiern. Aber sie hat sich in den vergangenen zwölf Jahren im Kanton und in der Amtei Olten-Gösgen einen kleinen, sehr treuen Wählerkreis aufbauen können.

Und dies, obwohl die Evangelische Volkspartei im katholisch geprägten Kanton Solothurn fast schon «von Natur aus» einen schwereren Stand hat als andere Parteien.

Doch jetzt steht die EVP «am Scheideweg», wie es in einem Brief heisst, den der kantonale Vorstand an mehr als 1000 Mitglieder und potenzielle Sympathisanten verschickt hat.

Im Schreiben schlagen die Parteioberen dramatische Töne an: «Können bis zur nächsten Generalversammlung (im März, Anm. d. Red.) keine neuen Vorstandsmitglieder gefunden werden, muss die EVP im Kanton Solothurn ihre Arbeit einstellen. Dies würde aber bedeuten, dass Hunderte EVP-Wählerinnen und -Wähler künftig keine politische Heimat mehr hätten.» Geht die kantonale Parteisektion tatsächlich ihren letzten Tagen entgegen?

Aufrütteln der Mitglieder

René Steiner ist das Aushängeschild der Solothurner EVP. Der Co-Präsident und Kantonsrat beschwichtigt auf Anfrage. Eine Auflösung der Partei stehe nicht zur Diskussion. Und auch bei den Wahlen 2017 will die EVP antreten.

Mit dem Brief wolle der Vorstand aber die Sympathisanten aufrütteln. Sie sollen sich über die Zukunft der Partei Gedanken machen und allenfalls selbst mit einem Amt aktiv werden.

Kein «Business as usual» mehr

Denn mit einem Problem, das langfristig das Bestehen der EVP gefährdet, kämpft die Partei unzweifelhaft: «Es fehlt Personal», sagt René Steiner. Zwar hat keine Partei zu viele Bewerber um offene Ämter, je kleiner aber eine Partei sei, umso schwieriger sei es, Personal zu rekrutieren, erklärt René Steiner. Der Brief sei eine Massnahme, «um wieder fit zu werden».

Hauptpunkt ist der Vorstand. Der ist zwar derzeit noch funktionsfähig. Nicht alle Vorstandsmitglieder, so Steiner, möchten aber nochmals eine ganze Legislatur lang weitermachen.

Die Arbeitslast sei in einer kleinen Partei gross. Würden aber nicht neue Vorstandsmitglieder gefunden, «müsste die Vorstandsarbeit auf ein Minimum zurückgefahren werden». ‹Business as usual› wäre dann nicht mehr möglich.

Schwarz malen will René Steiner über die Zukunft der EVP jedoch noch nicht. Er wartet jetzt erst einmal ab, was am 25. Januar geschieht, wenn sich abends Mitglieder und Interessierte in Olten treffen, um über die Zukunft der Partei zu diskutieren.

Und wer sich für ein Amt interessiert, kann sich bis dahin auch melden. «Es sieht nicht so schlecht aus», sagt Steiner.

Bleibt noch die Frage, ob eine allfällige Fusion der Solothurner Mitteparteien die EVP entlasten könnte. René Steiner will nicht mehr als bestätigen, was schon in der Sonntagspresse zu lesen war: Ein Treffen der Parteien hat stattgefunden. Über den Inhalt schweigt er jedoch.

Zwar brauche es eine vernünftige Mitte, so Steiner, doch eine Fusion sei für ihn «undenkbar – nur schon gesellschaftspolitisch». Egal ob eine Zusammenarbeit zustande komme und egal wie diese ausfallen würde, für Steiner ist klar: Die EVP müsste eigenständig weiterfunktionieren. «Wir haben uns in den vergangenen Jahren eine eigene Identität aufgebaut.»