Denn wegen des vielen Regens grassiert dieses Jahr bei Kulturpflanzen die Pilzkrankheit. «Falscher Mehltau» heisst eine dieser pilzähnlichen Erkrankungen, die gerade in Acker- und Obstkulturen wüten. Landwirte vom Bielersee bis ins Thurgau klagen über vertrocknete, angegraute Beeren und Blätter mit braunen Flecken.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) im aargauischen Frick vermeldet, dass der Befall so schlimm sei, wie seit Jahren nicht mehr. Diese Tendenzen lassen sich auch im Kanton Solothurn feststellen: «Getreide wie die Gerste wiesen dieses Jahr mehr Blattkrankheiten auf als in anderen Jahren», sagt Jonas Zürcher, Berater Pflanzenbau am Bildungszentrum Wallierhof. Gerade bei Anbauvarianten ohne Fungizide - einem chemischen Wirkstoff, der Pilze oder ihre Sporen abtötet - haben sich die Pilzkrankheiten stärker ausgewirkt. Für die vielerorts schlechtere Ernte macht Zürcher die bereits im Februar aussergewöhnlichen Wetterverhältnisse mitverantwortlich. Die lang anhaltenden Fröste hätten dazu geführt, dass sich Kulturpflanzen nicht wunschgemäss entwickeln konnten und so anfälliger auf Schädlinge wurden.

Weizen-Hauptsorte betroffen

Während die Gerste dennoch relativ unbeschadet geerntet werden konnte, trug laut Zürcher der Weizen stärkeren Schaden davon. Mindestens 30 Hektaren hätten im Kanton Solothurn den kalten Spätwinter nicht überlebt. Zu allem Unglück trat auch noch die Septoria-Blattdürre in einem Ausmass auf, wie sie das sonst nicht tut - und dies ausgerechnet bei der Weizen-Hauptsorte, die bisher immer gut abschnitt. Aber Zürcher sieht nicht nur das Wetter als Verursacher: «Teilweise setzten Landwirte ihre Fungizide zu spät ein. Oder es waren Mittel mit ungenügender Wirkung.»

Der stärkere Pilzbefall macht sich auch an den Verkaufsstellen für chemische Gegenmittel bemerkbar: Bei der Landi Region Solothurn (RESO) etwa, kauften Landwirte vermehrt Fungizide, Gartenbesitzer und Hobbygärtner kontaktieren den internen Beratungsdienst. Zurzeit werde die Zuckerrübe gespritzt, um die Blätter gesund zu halten, sagt Peter Brüllhardt, Verantwortlicher Landwirtschaft bei der Landi. Es könne jedoch nicht nach Belieben gespritzt werden. Den Bauern ist eine Absetzfrist für den Einsatz von Pestiziden oder Fungiziden gesetzt. Registrieren sie etwa bei der Zuckerrübe einen Befall, stellt sich die Frage, ob die Schadschwelle bereits überschritten ist.

Betroffen sind auch die Reben

Im Juli etwas zu spät zu spritzen begonnen hat Hobby-Winzer Manfred Küng, SVP-Kantonsrat und Rechtsanwalt. An einzelnen Blättern bildete sich falscher Mehltau. Der starke Regenfall im Mai während der Blüte sei nicht ideal gewesen. «Die Reben spüren das natürlich.» So zählt der Kriegstetter an einer Blüte teils wunderschöne volle Beeren, teils kleine, grüne, krüpplige. Zudem haben sommerliche Niederschläge einige Trauben regelrecht zerschlagen. «Doch ich möchte das Jahr noch nicht beklagen», sagt Küng. Zurzeit stimme das Wetter, und abgerechnet werde im Herbst. Eine qualitativ derart gute Ernte wie letztes Jahr oder 2003 werde es aber kaum geben.

Bio: Auf resistente Sorten setzen

Herausgefordert von Pilzkrankheiten sind Kulturen von Biobauern, weil sie den Schädlingen nicht mit Pestiziden zu Leibe rücken dürfen, sondern mit Kupfer oder saurer Tonerde. Statt Hunderten von Mitteln, wie in der herkömmlichen Landwirtschaft, stehen ihnen nur etwa 30 zur Verfügung. Biobauer und Marktfahrer Niklaus Bolliger aus Hessigkofen setzt seit Jahren auf besonders resistente Sorten, gerade im Obstbau. «Denn robuste Sorten sind weit weniger anfällig auf Schorf», sagt er. Die Ergebnisse stimmen ihn zufrieden - auch dieses Jahr. Seinen biologisch-dynamischen Weizen konnte er ohne Spritzen durchbringen. Pilzspuren hätten sich höchstens vereinzelt auf dem Stroh, nicht aber am Korn gezeigt. Da die Pflanzen nicht überdüngt seien, verzeichnet Bolliger viel weniger Probleme mit Schädlingen - aber auch tiefere Erträge. «Möchte ich mehr, müsste ich viel Dünger einsetzen.»

Bolliger züchtet eigene Obstsorten heran, doch um eine solche auf den Markt zu bringen, dauert es 12 bis 20 Jahre. Was ihm auffällt, ist aber ein Gegentrend: Bei den Kulturpflanzen gebe es immer weniger Weltsorten. «Bricht dann ein Schädlingsbefall aus, ist es ein flächendeckendes Problem.»