Igelstation
Wegen mildem Winter gibt es mehr junge Igel - oft benötigen sie aber Pflege

Viele Igelstationen in der Schweiz sind randvoll. Die Jungtiere sind durch den kalten und nassen Sommer geschwächt und benötigen Pflege. Auch im Kanton Solothurn werden mehr Igel abgegeben als sonst.

Lea Schreier
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Igel
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Dieser Igel leidet unter starkem Parasitenbefall
Durch die Ohren, offene Wunden oder sonstige Körperöffnungen dringen die Parasiten in die Körper ein und fressen die Igel praktisch von innen auf.
Solche Igel benötigen dringen die Hilfe der Tierpfleger. Ansonsten bedeutet dies der sichere Tod der massiv geschwächten Vierbeiner.
Eine behandelte Stelle eines verletzten Igels
Ein hungriger, aber gesunder Igel

Igel

Zur Verfügung gestellt

«Die Igelstationen in der Schweiz sind überfüllt», meldet «20minuten» diese Woche. Die Stationen seien voll mit kranken Jungtieren. Doch trifft dies auch auf die Lage im Kanton Solothurn zu? «Unsere Station ist nicht überfüllt», sagt Ivan Schmid, Inhaber und Geschäftsführer der Igelstation des Tierheims Aarebrüggli auf Anfrage. «Es sind aber schon merklich mehr Igel dieses Jahr, die abgegeben werden. Sie sind oft von Parasiten befallen oder zu leicht.»

Die Igelstation Grenchen hätte diesen Sommer zwischen 50 und 100 Igel erhalten. Die Hälfte davon seien - wie auch in den anderen Regionen der Schweiz - Jungtiere ohne Mutter.

Schmid sieht die Ursache für die überdurchschnittlich vielen Igel auf der Station aber nicht nur im kalten Sommer. Die Entwicklung habe schon im warmen Winter begonnen, denn die Igel seien gar nicht zum Winterschlaf gekommen oder durch die Sonnenstrahlen früher geweckt worden. Deshalb seien die Igel häufiger unterwegs gewesen. «Das hat sich dann im Sommer gezeigt», so Schmid, «denn es gibt mehr Jungtiere als sonst.»

Jungtiere häufiger gefunden

Wegen dem nassen Sommerwetter seien die vielen Jungtiere dann auf den Strassen unterwegs auf Nahrungssuche und würden auch häufiger von Menschen gefunden und auf die Station gebracht werden. Schmid weiss: «Ein Laie erkennt oft nicht, was und ob dem Igel etwas fehlt.»

In der Station werden die Tiere dann untersucht, vorsorglich entwurmt, von Parasiten entfernt und gefüttert. «Es ist immer das Ziel, die Vierbeiner dann wieder in der Natur auszusetzen», so Schmid. Man wolle schliesslich der Natur die Chance geben, ihre natürliche Waagschale beizubehalten, so dass auch die natürliche Selektion einigermassen stattfinden könne. Dies obwohl der Lebensraum der Igel sehr nahe bei den Menschen und damit auch beim Verkehr sei. Die Tiere sollten möglichst an ihrem Ursprungsort zurückgebracht werden, da sie dort ihr gewohntes Nahrungsangebot finden.

Je länger sich Igel aber in Menschenhand befinden würden, desto schwieriger sei es, sie wieder auszusetzen, fügt Schmid an.

Der Geschäftsführer der Igelstation betont, dass es die ganz klar definierte Aufgabe der Igelstation sei, nur pflegebedürftige Tiere aufzunehmen. «Der Gesetzgeber verbietet es, gesunde Igel zu halten. Diese gehören in die Natur.»