Suisseporcs-Präsident
«Wegen Hochleistungszucht kommen nicht mehr Ferkel tot zur Welt als sonst»

Ein Solothurner Schweinemastbetrieb wurde angezeigt. Nun kritisiert der Präsident von Suisseporcs gemachte Aussagen und das Vorgehen einer Tierrechtsorganisation.

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Muttersau mit ihren Ferkeln im Solothurner Betrieb, der von Tier im Recht angezeigt wurde.

Muttersau mit ihren Ferkeln im Solothurner Betrieb, der von Tier im Recht angezeigt wurde.

Tier im Fokus

«Die Aussage von Tobias Sennhauser, dass wegen der Hochleistungszucht mehr Ferkel tot geboren werden ist nachweislich falsch.» Meinrad Pfister, Präsident von Suisseporcs, dem Verband der Schweizerischer Schweinezucht- und Schweineproduzenten ist etwas angesäuert, wenn er die Ausführungen des Präsidents der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus zum angezeigten Solothurner Mastbetrieb liest.

«Wir begrüssen beim Verband, dass man gegen fehlbare Betriebe vorgeht», betont er. Aber falsch verbreitete Informationen möchte er gerne richtigstellen. Bei den Wildschweinen würden 50 Prozent der Ferkel in den ersten Lebenswochen sterben, in der modernen Schweinehaltung seien es nur noch 13%. «Dieser Wert ist konstant, trotz Zuchtfortschritt», sagt Pfister.

Dass man die toten Ferkel und die Nachgeburten in einem Kübel aufbewahre, bevor man sie zur Kadaverstelle bringe, sei nichts Aussergewöhnliches und noch lange kein Tierschutzvergehen. Ein stark hustendes Schwein habe zudem auch nicht automatisch Keuchhusten. Dies würde einer ansteckenden Krankheit entsprechen.

Angezeigt: Schweinemast im Kanton Solothurn
7 Bilder
Dabei wäre es der Instinkt dieser Tiere, ein Nest zu bauen.
Viele Ferkel kommen krank oder sogar tot zur Welt und werden wie Abfall im Kübel entsorgt.
Der Hof produziert unter dem Naturafarm-Label.

Angezeigt: Schweinemast im Kanton Solothurn

Tier im Fokus

Pfister kennt sich aus mit den Schweinen. Auf seinem Hof im Kanton Luzern leben rund 100 Muttersauen, 500 Mastschweine, 650 Ferkel und ein Eber. Weiter werden auf dem Wiggerhof Kartoffeln angepflanzt und Biogas produziert.

Fotos zurückgehalten?

Auf Videos und Fotos aus dem Solothurner Hof, die Tier im Fokus zwischen April und Dezember 2019 anonym zugespielt wurden, soll zu sehen sein, wie hochträchtige Muttersauen mit zu wenig Einstreu im Abferkelstall liegen. Zudem würden zahlreiche Schweine teilweise starke Verschmutzungen aufweisen. Tier im Fokus leitete das Material weiter, die Stiftung Tier im Recht zeigte neun Betriebe an.

Pfister kritisiert das Vorgehen von Tier im Fokus. Die Fotos zurückzuhalten und einen Betrieb teilweise erst ein Jahr nach den Aufnahmen medienwirksam anzuzeigen, sei nicht der richtige Weg, meint er. «Wenn Missstände festgestellt werden, soll man dies direkt dem Veterinärdienst melden, damit dieser handeln kann».

Das hat man laut Sennhauser auch gemacht. Seine Erklärung: «Wir haben die Aufnahmen erst im Frühjahr 2020 erhalten. Danach sind wir sofort aktiv geworden.» Am 15.Mai 2020 wurden die Anzeigen verschickt und Anfang Juni dann publik gemacht.

«Billiges Ablenkungsmanöver»

Dass es ihm laut Meinrad Pfister nicht in erster Linie um das Tierwohl geht, bestreitet der Präsident von Tier im Fokus. «Diese Unterstellung ist absurd», kontert er. Mit den Anzeigen wolle die Organisation den Tieren das Schlimmste ersparen. Die Kritik bezeichnet der Veganer als «billiges Ablenkungsmanöver». Man wolle nur von Missständen in der eigenen Branche ablenken.

Geht es nach Veganer Tobias Sennhauser, würden Schlachthäuser von unserem Planeten verbannt werden. «Statt Tiere wie Waren zu behandeln, sollten wir ihnen Respekt zollen. Dazu gehört, sie nicht zu essen.»

Was ist bei der Schweinehaltung wichtig fürs Tierwohl?

Das Wichtigste ist laut Meinrad Pfister eine moderne Stalltechnik und die Tierbetreuung. Die Schweiz sei das einzige Land, das eine Höchstbestandesverordnung kenne. «Bei den Schweinen heisst das, ein Betrieb darf nicht mehr als 150 Muttertiere oder 1500 Mastschweine halten», so der Präsident von Suisseporcs. Der Schweizer Durchschnitt sei 50 Muttertiere oder 200 Mastschweine. Die Grösse der Betriebe habe keinen Einfluss auf das Tierwohl. In der EU seien die Betriebe im Schnitt zehn mal grösser, in Nord- Südamerika oder Asien bis 100 mal grösser, weiss Pfister. (ldu)

«Abhängigkeit von Importen wäre fatal»

Für viele ist das aber keine Option. Also die Zucht stoppen? «Wir können in der Schweiz schon mit der Schweinezucht aufhören, aber was machen wir dann mit dem Importfleisch?», fragt sich Schweinebauer Pfister. «Unser Anspruch ist es, das Fleisch, welches hier gegessen wird, auch hier zu produzieren.» Der Selbstversorgungsgrad von Schweinefleisch liege bei über 90 Prozent. «Und unser Tierschutzgesetz ist viel strenger als irgendwo im Ausland.»

Die Schweinezucht sei immer ein Abwägen zwischen Leistung und Tierwohl, dieser Verantwortung seien sich die Mitglieder von Suisseporcs bewusst. Deshalb sei es wichtig, «dass wir auch zukünftig ein eigenes Schweizer Schweinezuchtprogramm haben, über welches wir bestimmen können. Eine Abhängigkeit von Importen wäre fatal.»

Stall nicht nach einzelnen Fotos beurteilen

Vier Mitglieds-Betriebe, die nun angezeigt wurden, haben sich bei Suisseporcs gemeldet. Ob der Solothurner Naturafarm-Betrieb, der ebenfalls Mitglied ist, darunter war, will Pfister aus Datenschutzgründen nicht sagen. Er kenne den Betreiber nicht persönlich.

Über seinen Eindruck vom Stall von den publizierten Fotos her will er auch nichts verraten. «Anhand einzelner Bilder mache ich keine Aussage. Dazu will ich den Stall bei Tageslicht und im Ganzen sehen.» (ldu)

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