Es ist eines der grausamsten Verbrechen in der jüngeren Geschichte des Kantons: Die Schenkkreis-Morde von Grenchen im Juni 2009. Ab Montag stehen die drei mutmasslichen Täter vor dem Solothurner Obergericht. Wegen des Dreifach-Mordes an der Grenchner Familie Dubey waren sie im Mai 2012 vom Amtsgericht Solothurn-Lebern zur Höchststrafe «Lebenslänglich» verurteilt worden.

Während die beiden beschuldigten Männer - der heute 37-jährige ehemalige Hammerwerfer Patric S. und der 29-jährige «Güggeli»-Brater Guido S. - seither im vorzeitigen Strafvollzug sitzen, ist die 53-jährige Hundezüchterin Ruth S. seit Juli 2012 wieder frei. Die mutmassliche Drahtzieherin hatte erfolgreich gegen die Anordnung der Sicherheitshaft geklagt: Weil die Fluchtgefahr in ihrem Fall als nicht gross genug eingestuft wurde, kam auf freiem Fuss.

Täter erhofften «das grosse Geld»

Die äusserst brutale Ermordung von Mutter Margrit Dubey (damals 55-jährig), Vater Pierre-André (60) und Tochter Dania (35) hatte schweizweit für Aufsehen gesorgt. Ein erster Raubüberfallversuch war am 14. Mai 2009 noch abgebrochen worden. Der zweite Anlauf wurde dann durchgezogen: mit «aller Heimtücke, ausserordentlich kaltblütig und grausam, besonders skrupellos und aus verwerflichen Beweggründen», wie der Staatsanwalt in der Anklageschrift ausgeführt hatte.

Für den Abend des 5. Juni 2009 hatten sich die zwei Männer bei der als Schenkkreis-Organisatoren aktiven Familie Dubey angemeldet. Aber statt (erneut) Geld in die illegale «Geldmaschine» zu investieren, wollten die in massiven Geldnöten steckenden Besucher ihrerseits fette Beute machen. Mit Einschüchterung und Gewalt wurde versucht, den drei Opfern das vermutete Versteck des erhofften Vermögens aus Schenkkreis-Gewinnen zu entlocken. Doch letztlich fielen den Tätern gerade mal 5000 Franken, 600 Euro, vier Uhren und Modeschmuck in die Hände. Die dilettantischen Täter konnten bereits am 19. Juni 2009 verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt werden.

Geschlagen, erstickt, erschossen

Am Tatort, in der Wohnung und dem Büro der Dubeys im Stadtzentrum, waren nur Patric S. und Guido S. in Aktion getreten. Letzterer war es, der die gefesselte und geknebelte Tochter Dania mit über den Kopf gestülpten Plastiksäcken in Todesangst versetzt und schliesslich auf grausamste Art erstickt hatte. Sein Komplize Patric S. hatte das gleiche Prozedere zuvor bereits bei Mutter Margrit angewendet, auch Vater Pierre-André misshandelt und diesen schliesslich mit einem Pistolenschuss in den Hinterkopf getötet.

Im Gegensatz zu den weitgehend geständigen Mitbeschuldigten hatte Ruth S. - was die Tötungen betrifft - vor Amtsgericht jede Mitverantwortung vehement abgestritten. Der damalige Amtsgerichtspräsident François Scheidegger - inzwischen Stadtpräsident von Grenchen - sah dies aber anders: Er attestierte der Frau, «eine wichtige Rolle als die im Hintergrund tätige Drahtzieherin» gespielt und die Tötung von Margrit Dubey geplant zu haben. Die «Eiserne Lady» habe «perfiderweise den unangenehmen Teil den beiden Männern überlassen», befand der Gerichtspräsident. Auch sei die Idee, mit Plastiksäcken zu töten, von Ruth S. gekommen.

Das Urteil hatte in der Folge für alle drei identisch gelautet: Schuldig des mehrfachen Mordes, qualifizierten Raubes, strafbarer Vorbereitungshandlungen zu Raub und Mord. Und gleich lautete für alle drei auch das Strafmass: Lebenslänglich. Die Verteidiger der Verurteilten hatten das Urteil bereits bei dessen Eröffnung vehement kritisiert und sogleich die Berufung angekündigt.

Prozessbeginn Montag, 8.30 Uhr im Saal des Obergerichts (Amthaus 1) und dauert bis Freitag. Die Urteilseröffnung ist auf Montag, 27. Januar, 14 Uhr angesetzt.