Viel Äpfel

Wegen des Hitzesommers geht das grosse Mosten schon los

Fürs Mosten sollten die Früchte reif, frisch und sauber sein.

Fürs Mosten sollten die Früchte reif, frisch und sauber sein.

Bäume voller Äpfel zieren derzeit die Gärten und die Obstplantagen. Früher als sonst beginnt die Mostsaison.

Auch auf den diesjährigen Most hat der heisse und sonnige Sommer seine Auswirkung. André Erni, Obstbauer aus Stüsslingen, hat die Mostsaison bereits vor gut einer Woche eingeläutet. Er erklärt: «Wir sind sehr früh dran mit der Ernte und dem Mosten.» Dies sei die Auswirkung der Hitzeperiode. Diese habe Vor- und Nachteile. «Die Sonne erhöht den Fruchtzuckergehalt, daher waren die vielen sonnigen Tage natürlich von Vorteil. Auf der anderen Seite sind wir aber auch froh, dass die Nächte nun doch wieder kühler wurden. Der Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht gibt den Äpfeln nämlich ihre Farbe.» Auch die Trockenheit wirke sich auf die Obsternte aus. «Die Bäume lassen aufgrund der trockenen Bedingungen vielerorts einen Teil der Früchte fallen. Diese Früchte sind aber meist noch nicht ganz ausgereift, vor allem nicht, wenn es sich um eine Spätsorte handelt.»

Er empfehle den Leuten in diesem Fall, lieber noch etwas abzuwarten und dann zu mosten. «Wenn man in diesem Punkt unschlüssig ist, gibt es einen einfachen Trick, um herauszufinden, ob die gefallenen Äpfel guten Most geben oder nicht: Man probiert sie einfach, wenn der Geschmack nicht gut ist, lässt man das Mosten lieber noch sein.»

Erni ist froh über die gute Saison: «Der Behang ist nach wie vor gross, und wir werden die Saison wahrscheinlich mit viel Most und Tafelobst im Lager beenden. Das braucht es, schliesslich hatten wir letztes Jahr eine eher schlechte Saison. Die Lager sind leer.» Bezüglich der Lagerung sei das Gute am Most, dass er länger haltbar sei als Tafelobst. So könne man den fruchtigen Geschmack flüssig auch in einem Jahr noch geniessen.

Geschmäcker sind verschieden

Auch die Mosterei Stebler in Zullwil hat die Mostsaison eröffnet. Urs Stebler stellt wie auch André Erni fest, dass die Bäume bereits jetzt Früchte fallen lassen, diese sich allerdings noch nicht so gut fürs Mosten eignen. Auch Stebler zeigt sich zufrieden mit der heurigen Saison: «Ich denke, in unserer Region ist das die beste Saison der letzten fünf Jahre.»

Auf die Frage, was denn seiner Meinung nach einen guten Most ausmache, meint er: « Je mehr Sorten man verwendet, desto besser wird der Most.» Die Geschmäcker seien natürlich verschieden. «Einige mögen auch den ganz sauren Most sehr gerne, der dann vielleicht nur eine Sorte beinhaltet.»

Stebler betreibt Lohnmosterei, das heisst er mostet auch für Privatpersonen, nicht nur für sich selbst. «Das Gute daran ist, dass die Leute dann ihren hauseigenen Most haben und sich auch nicht beklagen können, da es ihre eigenen Früchte sind, die wir mosten», meint er lachend.

Eigenen Most produziert auch die Familie Ziegler aus Brunnenthal im Bucheggberg. «Wir versuchen jeweils, möglichst viel Tafelobst zu ernten, aus den meisten Früchten der Hochstämmer machen wir aber Most», erklärt Andre Ziegler. Den pasteurisierten Most lasse er extern mosten, da er selbst nicht über die nötigen Geräte und Maschinen verfüge.

Auf die Frage, was denn einen guten Most ausmache, antwortet Ziegler: «Das Wichtigste ist, dass die Früchte reif, frisch und sauber sind. Natürlich ist auch die Mischung relevant, aber diese drei Punkte machen schlussendlich die Qualität des Mosts aus.» Trotz dem verhältnismässig niedrigen Preis für den Most seien alle Kosten gedeckt. «Dadurch, dass die Gebinde recht gross sind, also fünf oder zehn Liter, sind die Verpackungskosten pro Liter günstiger. Daher ist der Verkauf von Most für uns kostendeckend.»

Bereits jetzt grosse Mengen

Auch Walter Gloor, Inhaber des Mostzentrums in Hüniken hat die Saison eröffnet. «Ich denke, dieses Jahr gibt es wohl eine Rekordsaison.» Es seien bei ihm in Hüniken bereits jede Menge Äpfel eingetroffen, und er habe schon jetzt fast zu viel zu tun, meint der Mostfachmann lachend.

«Die Früchte haben auch alle ein gutes Zucker-Säure-Verhältnis, wenn man sie probiert. Allerdings fehlt ihnen das sortenspezifische Aroma noch.» Dies komme – wie die Farbe auch – nur zustande, wenn die Nächte kühl und die Tage warm seien.

Letztes Jahr konnte Gloor nur rund 20 000 Liter Most herstellen, das seien nur 20 Prozent der Menge einer normalen Saison gewesen. Dieses Jahr werde er wohl über dem Durchschnitt liegen.

Trotz guten Aussichten zeigt sich Gloor dennoch leicht kritisch: «Die Frage ist, ob die Leute wirklich so viel Most wollen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass aufgrund der grossen Mostmengen auch von Privaten weniger verkauft werden kann.» Nichtsdestotrotz ist Gloor positiv eingestellt. Das ist auch nötig bei dieser Menge an Arbeit, die noch vor ihm liegt.

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