Ertrunken

Wasserleichen sind in Solothurn eher ungewöhnlich – sonst werden sie beim Kraftwerk entdeckt

Die meisten Wasserleichen bleiben im Rechen des Kraftwerks Flumenthal hängen. (Archiv)

Die meisten Wasserleichen bleiben im Rechen des Kraftwerks Flumenthal hängen. (Archiv)

Dass die Leiche des 39-jährigen Mannes auf Gemeindegebiet von Solothurn in der Aare trieb, ist eher ungewöhnlich. Wenn jemand auf tragische Weise in der Aare oder der unteren Emme ertrinkt, dann besteht eine recht grosse Wahrscheinlichkeit, dass ein paar Tage später der leblose Körper beim Kraftwerk Flumenthal entdeckt wird. Dort ist man auf tragische Ereignisse vorbereitet.

Ein in Solothurn ertrunkener Mann wurde sechs Tage nach dem Unglück in Solothurn nur wenige hundert Meter weiter die Aare hinab entdeckt. Das ist normalerweise nicht der Fall.

Meistens tauchen die Leichname beim Kraftwerk in Flumenthal auf. «So ein Ereignis kann jeden unserer Mitarbeiter betreffen», erklärt Andreas Kaiser, Betriebsleiter des Kraftwerks. «Es gibt klare Verhaltensregeln. Zuerst müssen Polizei und Staatsanwaltschaft informiert werden.» Ansonsten werde von den Mitarbeitern Verschwiegenheit und Diskretion erwartet. «Die Medien werden durch die Polizei informiert.»

Andererseits ist die Polizei zur Bergung der Leiche auf die Unterstützung der Mitarbeiter des Kraftwerks Flumenthal angewiesen. Es trifft die Person, die gerade für den Pikettdienst eingeteilt ist. «Nur wir können unsere Maschinen bedienen. Aber es müssen nur diejenigen Mitarbeiter helfen, die sich das auch zutrauen», erklärt Kaiser.

Um niemanden einem traumatisierenden Erlebnis auszusetzen, sei er selber bereit, diesen Dienst zu übernehmen. «Die psychische Belastung kann bei einer Bergung gross sein.» Er habe selber schon einige schwierige Situationen erlebt, aber bisher noch nie eine Bergung beim Kraftwerk.

«Ich denke, dass ich mit der Situation umgehen könnte», sagt Andreas Kaiser. «Ob es bei mir Spuren hinterlassen würde, das weiss ich natürlich nicht. Aber es ist gut zu wissen, dass wir uns durch das Care Team des Kantons Solothurn betreuen lassen könnten.» (hps)

Meistgesehen

Artboard 1