Eidgenössisches Musikfest

Was wird von den Musikanten verlangt?

Für Aufsehen – neben der gespielten Musik – sorgt immer wieder die Harmonie Fulenbach mit ihrer Uniform. ae

Für Aufsehen – neben der gespielten Musik – sorgt immer wieder die Harmonie Fulenbach mit ihrer Uniform. ae

Die Solothurner Blasmusiker freuen sich auf ihr Eidgenössisches Musikfest in Montreux. Wir erklären ein paar Regeln.

An den kommenden zwei Wochenenden, 11./12. und 18./19. Juni, werden Montreux und die ganze Riviera bis Vevey zum Zentrum der Blasmusik. Rund 560 Musikvereine aus der ganzen Schweiz zieht es zum Eidgenössischen Musikfest. Die Romands sind mit Recht stolz, dass sie damit die Teilnehmerzahlen der letzten Eidgenössischen 2006 in Luzern und 2011 in St. Gallen noch übertrumpfen konnten.

Dabei sind auch 32 Vereine aus dem Solothurner Blasmusikverband. Und wenn man die drei bernischen Vereine, welche gleichzeitig auch im Musikverband Bucheggberg und Umgebung sind, auch mitzählt, sind es 34 solothurnische Formationen (die Gesellschaften Arch und Leuzigen treten als Spielgemeinschaft auf).

Der Wettbewerbsmodus

Die Musikvereine nehmen normalerweise an zwei verschiedenen Wettbewerben teil. Entweder mit Konzert- oder Unterhaltungsmusik in einem Konzertlokal und/oder mit traditioneller Parademusik oder sogar Parademusik mit Evolutionen auf einem Strassenabschnitt. Bei der Konzertmusik trägt jeder Verein zwei Konzertstücke vor. Eines davon kann er aus dem ganzen Angebot an Literatur auswählen, die seinem Leistungsniveau entspricht.

Das nennt man das Selbstwahlstück. Dazu erhält er zehn Wochen vor dem Fest ein sogenanntes Aufgabestück. Selbstverständlich entspricht dieses seinem Besetzungstyp und seiner Spielstärke. Bei diesem Eidgenössischen sind das alles Auftragskompositionen, die extra für das Fest unter grösster Geheimhaltung neu komponiert wurden. An den Musiktagen, die derzeit in den Bezirken stattfinden, sind die meisten davon bereits zu hören.

Die beiden wichtigsten Besetzungstypen sind einerseits Brass-Band und andererseits Harmonie. Die Brass-Band besteht aus Blechbläsern und Perkussionisten in teilweise festgelegter Anzahl. Eine in unseren Regionen eher seltene Variante ist die Fanfare. Bei ihr sind zusätzliche Saxofone erlaubt.

Die Harmonie ist viel breiter instrumentiert. Sie hat zwar auch Blechinstrumente. Dazu kommen bei ihr Trompeten und gerne Waldhörner. Zu Instrumenten, die zwar auch aus Metall bestehen, aber trotzdem zu den Holzblasinstrumenten gerechnet werden – etwa die Flöten und die Saxofone –, kommen solche, die wirklich aus Holz gebaut sind. Typische Vertreter sind die Klarinetten. Mit zunehmender Spielstärke kommen Doppel-Rohrblattinstrumente dazu wie Oboe, Englischhorn, Fagott und Kontrafagott.

Ein Kontrabass wird auch schon früh unentbehrlich, und selbst Celli werden gelegentlich eingesetzt. Moderne Kompositionen verlangen oft Tasteninstrumente. Und immer wichtiger und vielfältiger ist die breite Palette an Perkussionsinstrumenten. Das allerdings bei allen Besetzungstypen.

Keine in der Höchstklasse

Die Spielstärke wird bei der Blasmusik in Klassen angegeben. Massgebend ist nicht etwa der zahlenmässige Bestand des Musikkorps, sondern seine Spielstärke. Entscheidend ist der Schwierigkeitsgrad der Literatur, die gespielt werden soll. Allerdings verfügen klassierte, also offiziell eingestufte Wettstücke über Stimmen, die zwingend besetzt sein müssen. Daher sind höher klassierte Harmonien naturgemäss grösser besetzt. Umgekehrt können aber auch Vereine in tieferen Klassen sehr gross sein.

Die schwierigsten Kompositionen bekommen die Höchstklass-Vereine vorgesetzt. Dort gibt es keine Solothurner Vereine. Die solothurnische Vertretung beginnt in der ersten Klasse. Es sind zwei Brass-Bands, die beide aus dem Schwarzbubenland kommen, nämlich Breitenbach und Büsserach. Südlich des Juras sind die beiden Harmonien zu Hause – die Konkordia Egerkingen und die MG Schnottwil. In der zweiten Klasse stehen den drei Brass-Bands acht Harmonien gegenüber. Zusammen mit den beiden bernischen Korps aus dem Bucheggberg stellen die zehn Harmonien in der dritten Klasse das grösste solothurnische Kontingent. In dieser Klasse beteiligen sich auch sechs Brass-Bands. Als einziger Verein hat sich der MV Herbetswil für die vierte Klasse entschieden.

Vereine, die sich nicht mit den zwei klassierten Konzertstücken messen wollen, können das mit Musik aus dem Bereich Unterhaltung tun. Da geniesst man von der Besetzung her ziemliche Freiheiten. Massgebend ist die Besetzung, welche die jeweiligen Stücke vorgeben. Gespielt wird hier ein Programm von bestimmter Dauer, das man sich aus verschiedenen Kompositionen zusammenstellt. Normalerweise wird ein Unterhaltungsstück vorgegeben, das man in den Vortrag einbauen muss. Die Wertung erfolgt hier nicht in Klassen, sondern in drei verschiedenen Stufen. Aus dem Kanton Solothurn tritt die Concert-Band Langendorf in der Mittelstufe an. Die Blasmusik Zuchwil beteiligt sich in der Unterstufe.

Publikumsmagnet Parademusik

Beim Publikum besonders beliebt ist die Marschmusik, die nun Parademusik heisst. Tatsächlich umschreibt diese Bezeichnung das Spektakel genauer. Jedes Musikkorps hat dazu zwei Märsche zur Auswahl anmelden müssen. Einer davon muss gemäss Reglement von einem Schweizer Komponisten geschrieben sein. Welchen der beiden Märsche der Verein spielen muss, erfährt er erst kurz bevor er auf die Strecke gehen muss. Besonderen Applaus erhalten jeweils die Vereine, welche Evolutionen zeigen. Die Solothurner Vereine spielen diese aber nicht. Es gehen nicht einmal alle auf die Paradestrecke.

Eine besondere Augenweide bieten immer jene Korps, deren Outfit bei der Parade besonders zur Geltung kommt. Auffallend sind die sogenannten historischen Uniformen. Da kann der Solothurner Blasmusikverband mit einigen ganz besonderen Beispielen glänzen. Ins Auge sticht etwa die Harmoniemusikgesellschaft Fulenbach, deren rot-weisse Unformen an französische Söldner erinnern. Eine ähnliche Wirkung erzielt die Uniform der Stadtmusik Solothurn mit ihrem Dreizack als Kopfbedeckung. Beeindrucken kann aber auch die Musikgesellschaft Mümliswil. Es gilt die Regel, dass bei einer historischen Uniform diese auch der Dirigent tragen muss.

Auf dieses Eidgenössische hin gibt es auch bei der Parademusik Neues. So muss die Paradestrecke mindestens 200 Meter, darf aber höchstens 250 Meter betragen. Fördern möchte man auch das Dirigieren mit dem grossen Tambourmajor-Stock. Obligatorisch ist dies jedoch (noch) nicht.

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